aber, setzte er hinzu, darf ich meiner Einwilligung auch eine Bitte anhängen? – Ich finde so viel ausserordentliches in euch und in eurem ganze haus. – Diese Ida mit allen ihren Vollkommenheiten, ein Mädchen ohne Stand und Herkunft? Ihr, mit euren edlen Gesinnungen, dergleichen ich unter allen Grossen des Hofs nicht fand, ein gemeiner Bürger? – Unmöglich!
Ihr erzeigt unserm stand viel Ehre, erwiderte der Alte mit einem höhnischen Blicke, vielleicht hat der Bürgerstand heute zu Tage mehr wirkliche Edle aufzuweisen, als der Eurige; doch weil ihr mich nun so gar ausserordentlich findet, so wisset, ich bin in meinen jüngern Jahren ein Kriegsmann gewesen, habe lang an den Höfen grosser Fürsten und Herrn gelebt, habe grosse Reisen nach England und Italien getan, und dort die Meisterstücke der Kunst, die ich jetzt treibe, kennen gelernt. Das Schwerd machte mich nicht reich, ich ward sein müde, ich suchte die Kunst hervor, die ich in jüngern Jahren lernte, und sie nährte mich und machte das aus mir was ich jetzt bin, ein freier Mann der keines Fürsten Gnade zu achten braucht; dahingegen mich das Schwerd immer dienstbar liess. Ich war unter den Burgmännern eines Fürsten, der mir nach tausend Diensten, die ich ihm erwiesen hatte, eine gefälligkeit versagte, die nur mir wichtig, ihm eine Kleinigkeit war. Ich liebte ein junges schönes Weib unter den Dienerinnen seiner gemahlin, sie war leibeigen, ich bat um ihre Freiheit, um ihr meine Hand geben zu dürfen; man wies mich zurück. Es ereignete sich eine Begebenheit, die es mir und Marien leicht machte, davon zu kommen, ich muss gestehen, es ging dabei nicht alles so zu, wie es sollte, aber wozu kann uns nicht Weiberliebe bereden!
Wir fanden Zuflucht in Nürnberg. Unser ehemaliger Herr war ein geschworner Feind der Reichsstädte, und ward von ihnen nicht minder gehasst, es diente uns hier zur Empfehlung, ihm entflohen zu sein. Man gab mir das Bürgerrecht. Ich fing an zu arbeiten; man fand das was ich lieferte ausserordentlich, ich ward berühmt, Reichtümer flogen mir zu, ich war glücklich und würde es noch sein, wenn mich nicht der hochfliegende Sinn meines Weibes hieher gebracht hätte, ihr zu Liebe musste ich Arbeit annehmen, welche mir hier angeboten wurde, und die ich aus Liebe zu der Stadt, die mich zuerst aufnahm und aus andern Ursachen, lieber ausgeschlagen hätte. Doch, dies sind Dinge welche nicht hieher gehören, – ich bitte, fangt eure geschichte an, welche vermutlich merkwürdiger sein wird, als die meinige.
Zehntes Kapitel.
Herrmanns geschichte.
Merkwürdig genug würde das sein, was ich euch zu erzählen habe, fing Herrmann an, wenn ich von Vätern und Grosvätern anfangen und euch den eigentlichen Grund der Abhängigkeit, in welcher ich leben muss, vorlegen wollte. Ich bin arm, muss entweder der Diener eines schlechten Fürsten bleiben, oder ein Mönch werden, oder Verbindlichkeiten von denenjenigen annehmen, denen ich lieber selbst welche auflegen möchte. Verzeiht mir, Vater Münster, verdenkt es mir nicht, dass ich lieber unsere Rollen umkehren, lieber euch Wohltaten erzeigen, als welche von euch annehmen möchte.
Der alte Münster verstand wohl, worauf dieses ging; der junge Mensch hatte diesen Abend die Geschenke, welche die Kaiserin vor einiger Zeit durch ihn an dieses Haus schickte und die er in der Stille mit dem wenigen was er besass vermehrt hatte, als einen Nehr und Wehrpfennig von dem guterzigen Bürger annehmen müssen, und die Art, mit welcher dieses nicht unwichtige Geschenk gegeben wurde, war so edel, so dringend, dass die Verweigerung unmöglich, aber die aufgelegte Verbindlichkeit für Herrmann auch desto lastender ward.
Meine Väter, fuhr der Erzähler fort, indem er den Händedruck des Alten, die einige Beantwortung seiner vorigen Rede erwiderte, meine Väter haben gesündigt und ich muss dafür leiden. Mein Grosvater, der jüngere Sohn seines Hauses, veruneinigte sich mit seinem ältern Bruder den jetzt regierenden Grafen von Unna; mein Vater zog durch den Anteil, den er und seine ältern Söhne an den Händeln der Martinsritter mit dem Grafen von Würtemberg nahmen, den Hass seines ehrwürdigen Oheims noch mehr auf sich, und ich, der damahls noch in den ersten Kinderjahren war, musste teil an der Strafe nehmen, ohne teil an der Versündigung gehabt zu haben.
Münster stiess bei dem Namen des Grafen von Würtemberg einen tiefen Seufzer aus, und Herrmann fuhr fort.
Ich weiss nicht, ob euch die Begebenheit Graf Eberhards zu Wisbaden bekannt ist, und will euch also einen kleinen Begriff davon machen.
Es ist unnötig, fiel Münster mit einigem Unwillen ein. Ich kenne den Grafen von Würtemberg und die ganze geschichte besser als ihr. Die Martinsritter wussten, dass er zu Wisbaden lebte, aus Verlangen nach einer guten Beute, vielleicht auch aus andern Ursachen, belagerten sie ihn, und würden ihn mit seinem ganzen haus in ihre Gewalt bekommen haben, wenn er sich nicht durch den engen Weg bei den Weinbergen gerettet hätte.
Diese unglückliche und unrühmliche Expedition, fing Herrmann von neuem an, kostete meinem Vater und einem meiner Brüder das Leben, brandmarkte ihren Namen mit Schande, und zog ihnen den unversöhnlichen Hass des Hauptes unserer Familie zu. Der alte Graf von Unna zog mit Einwilligung des Kaisers den grössten teil unserer Familiengüter ein, und drohte uns mit dem Arm des heimlichen Gerichts, dessen Oberrichter er in unsern Gegenden war, zu verfolgen, dafern