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Prüfung, nicht Strafe, nur wirkung der Liebe, nicht des Hasses gewesen sei.

Diese abgezehrte Gestalt, diese Todtenmattigkeit, die der Domina im grund so viel sorge machte, konnten, wie sie Ida versicherte, eben so wohl einer überstandenen Krankheit, als andern Dingen beigemessen werden. – Gern hätte sie alle ausgestandenen Leiden selbst ihr aus dem Sinne geschwatzt, sie ihr für Phantasien eines hitzigen Fiebers angerechnet! –

Lieber Leser, unsere Urkunden beginnen hier am Ende unserer Laufbahn mangelhaft zu werden, wir müssen unsere Zuflucht zur Lebhaftigkeit deiner Einbildungskraft nehmen ihre Lücken zu ersetzen.

Der frohe Tag, der Tag des Wiedersehens brach an! Man hatte der schwachen Ida so unablässig von ihrem Glück vorgeredet, dass ihr die idee davon anfing geläufig zu werden. Die kostbarsten Stärkungen, mit welchen man sorge getragen hatte sie zu erquicken, gaben ihr wenigstens so viel Kraft, dass sie ausser dem Bette sein, und sich den Kommenden entgegen leiten lassen konnte. Sie sank in die arme ihres Vaters, ihres Herrmanns, eine schöne hinwelkende Rose, die der Morgentau zu erfrischen beginnt. Welche Ausrufungen, welche fragen! welch ein Gewirr von tausenderlei auf mannichfaltige Art geäusserten Gefühlen! – Herrmann und Ida waren meistens sprachlos, die Freude des Grafen von Würtemberg hatte mehrere Worte. Herzog Albrecht wandte sich auf die Seite eine Träne zu verbergen. Und Erzbischof Albikus schien so wohl mit dem Kaufpreis zufrieden zu sein den er für Idas Befreiung erhalten hatte, dass er sich erbot, sie noch heute zur gräfin von Unna zu machen, ein Vorschlag, welchem sich die Aebtissinn mit allen Kräften widersetzte. Wie hätte ein solches in den heiligen Klostermauern gestattet werden sollen? zu geschweigen, dass Ida, der Kleidung nach, noch eine Nonne war.

Der nächste Tag brachte die gräfin von Würtemberg in Mariens, Elisabets und Rosas arme, auch Münster war nicht fern, und der hülfreiche Konrad! – O Uebermaass von Freude, wer vermag dich zu schildern!

Ida ward Herrmanns gemahlin, er stellte sie seinem ehrwürdigen Oheim dem Grafen von Unna vor, machte sie mit seinen Geschwistern, mit Aleken, Agnesen und Petronellen bekannt, auch Ulrich ward ihr Freund, auch der Ritter Johann erschien teil an dem Glück seines Bruders zu nehmen, und es gelang Herrmannen den alten Grafen von Unna zu seinem Freunde zu machen! – Doch, mein Leser, wie soll ich dir einen Auszug von den abgerissenen Dokumenten liefern, welche von diesen und vielen folgenden Dingen handeln.

Nur zweie davon zeichnen sich dadurch vor den andern aus, dass sie von dem nagenden Zahn der Zeit ziemlich verschont worden sind, und das ganz liefern, was sie melden sollen. Das eine ist ein Brief der Münsterinn an ihren Mann, vom Jahr 1419, in welchem sie ihm die Niederkunft der jungen gräfin von Unna mit einem jungen Herrlein berichtet. Ida befand sich damals an dem hof ihrer Freundinn der königin Sophie; ach es war das letzte Jahr, in welchem Sophie die Krone trug! Wenzels Tod machte sie zur witwe und liess sie die Ruhe, welche sie in so langen Jahren auf dem Trone nicht schmeckte, endlich im Kloster finden.

Das andere Blatt, dessen wir gedenken müssen, ist eine Einladung Herrmanns Grafen von Unna, an Aleken von Senden, und ihren Gemahl Ulrich, gegen Regenspurg zu kommen und bei seinem zweiten Sohn Patenstelle zu vertreten. – Es scheint also, dass das Schicksal Berndten und Katarinen nötigte vom Schauplatz abzutreten, damit ein paar der edelsten vom Schicksal getrennten Seelen, glücklich werden sollten.

Noch einige dunkle Spuren zeigen sich, dass Herrmann auf Zureden seines Schwiegervaters und Oheims, den Entschluss fasste, ein Mitglied jener Gesellschaft der im Verborgenen Richtenden zu werden, die sein vergangenes Leben mit so viel Schrecknissen erfüllt hatten; ein Wink, der uns nicht unwahrscheinlich dünkt. Wer in jenen zeiten seines Lebens sicher sein wollte, strebte immer darnach, sich oder einen seiner Freunde an die grosse Kette anzuschliessen, welche alles umfasste und allen unsichtbar war.

Herrmann ward ein nachdrücklicher Verteidiger seines Freundes Konrad, den die Ehre des nunmehrigen Kaisers, Siegmunds, Diener zu sein nicht vor seinen Verfolgern schützen konnte! Er brachte ihn an Herzog Albrechts von Oesterreichs Hof, der mit seiner gemahlin Elisabet sich gern von Siegmunds und der gehassten Barbara Anblick entfernte, um den Umgang der von allen tod geglaubten Marie im Stillen zu geniessen.

Da alles, was wir hiervon finden, nur dunkel und unzusammenhängend ist, so können wir nur wenig davon sagen, undunsere geschichte erreicht ihr Ende.

Fussnoten

1 Eine Art damaliger Münze. 2 Wenzel hatte sich, wie bekannt, erkühnt, eigenmächtig Beisitzer und Richter des heimlichen Gerichts zu schaffen, welche von den Aechten nicht anerkannt wurden, dieses dient vielleicht zu Erklärung dieser Tat. 3 Ueberhaupt liegt diese ganze Reise in tiefes Dunkel gehüllt, und wir haben in der wahren geschichte nur wenig Spuren von ihr oder ihrer Veranlassung entdekken können. 4 Nach andern Johann von Langen. 5 Die gewöhnlichen Worte, an welchen die heimlich Verbundenen des Vehmgerichts sich erkennen, waren: Steil, Stein, Gras, Grein, doch wollen einige behaupten, dass bei verschiedenen Gelegenheiten auch andere Losungen gewählt wurden. 6 Herzog Friedrich entfernte sich, wie die geschichte sagt, allein ins Gebüsch, so weit ein Mann mit einem Bogen schiessen mag. Kurd, sein Leibknappe, fand sein Ausbleiben zu lang, und folgte ihm, fand ihn ermordet, und sah die Mörder noch entfliehen, deren 7 Im maynzischen