so ganz unschuldig an den begebenheiten sei, welche man bisher ihretwegen erfahren hätte; ob nicht vielleicht ihr Abscheu vor der Entführung verstellt sei; ob man nicht bei ihr ein geheimes Verständniss mit den Feinden besorgen müsse, welches über lang oder kurz zum Verderben des Klosters ausschlagen könne?
Beschuldigungen dieser Art waren unwahrscheinlich, waren geradezu unvernünftig, doch wurden sie gehört, und zogen endlich das nach sich, was man in Klöstern ein Hauptverhör nennt. –
Ida ward vorgefordert, man legte ihr tausend fragen vor; sie beantwortete sie alle zu Ehren ihrer Unschuld, und zu Beschämung ihrer Feindinnen. Nur eine konnte sie nicht so beantworten, wie es in dieser Lage ihr Vorteil verlangte, und dieser eine Punkt stürzte sie.
Wie hätte Ida, auf Befragung, ob sie ihren Beruf für rechtmässig hielt, ob sie gern den Schleier ergriff, das Kloster zu Sankt Annen den Herrlichkeiten der ganzen Welt vorzöge, wie hätte sie mit Ja antworten können? würde wohl eine einige ihrer Richterinnen es gekonnt haben? Ida gestand aufrichtig: ihr wären nur die Mittel, welche man zu ihrer Befreiung gebraucht, nur der Ort, wo man sie wahrscheinlich habe hinbringen wollen, widerlich gewesen; sonst würde sie mit Freuden in die Welt zurückkehren, und die Verbindungen mit ihren liebsten Freunden erneuern. Sie erkläre hiermit feierlich, dass sie nur aus notwendigkeit das Gelübde ablegen werde, und in sich nicht den mindesten Beruf zum Klosterleben fühle.
Man faltete die hände vor Entsetzen, und aus aller mund ertönte der Name Heuchlerinn! Man warf ihr vor, sie habe vor kurzem anders gesprochen, habe wenigstens durch Stillschweigen zu verstehen gegeben, dass sie gern zu Sankt Annen verbleibe. – Ida zuckte die Achseln und schwieg. Freilich um Mariens willen, um diese zu unterstützen, diese zu retten hatte sie eine Zeitlang gern in diesem Kerker gelebt, aber wie durfte sie dieses bekennen, ohne das Geheimnis der guten königin kund zu machen? und was würde ihr ein solches Bekenntniss geholfen haben? –
Ihr schweigt? sagte die Domina. – Hier liegen Dinge verborgen, die wir nicht ergründen können!
Und, sagte eine von den Schwestern, was mag sie mit dem Orte meinen, an welchen sie fürchtete, bei ihrer Entfliehung gebracht zu werden? – Sie weis, sie vermutet ihn? – ist nicht schon hieraus ein geheimes Verständniss mit der Welt erwiesen? –
Man setzte der bedrängten gräfin sehr ernstlich zu sich über diesen Punkt zu erklären, und Ida – war endlich genötigt, den Namen des Erzbischofs zu nennen, und einige Winke von seinen ehemaligen gegen sie geäusserten Absichten zu geben. –
Durch dieses Bekänntniss war ihr Urteil gesprochen. Man nannte sie eine boshafte lügnerische Verläumderinn, welche nicht wert sei länger über der Erde geduldet zu werden, und der man deswegen die wohnung anweisen müsse, welche Verbrecherinnen ihrer Art zukäme. – Die Aebtissinn schien besonders durch die Beschuldigung des Erzbischofs beleidigt zu sein; sie behauptete, es sei schlechterdings unmöglich, dass ein so alter, ernster, heiliger Mann, durch die irdischen Reitze eines solchen Kindes sollte gerührt worden sein; sie wandte der gräfin voll Unwillen den rücken, und befahl sie hinweg zu führen. Alle ihre bisherige Reigung für Ida war verschwunden, und die Bitten ihrer wenigen Freundinnen wurden nicht gehört.
Man brachte sie in eins von jenen unterirdischen Gefängnissen, von denen man noch heute zu Tage in Klöstern genugsame Spuren findet, welche aber zu jenen zeiten wahrscheinlich noch fürchterlicher waren als man sie sich jetzt aus diesen Ueberbleibseln denken kann. Ihre Führerinnen waren die beiden Nonnen, die in den letztvergangenen Tagen beinahe das Schicksal gehabt hatten, an Idas Statt entführt zu werden, und die sich bei ihrer Verurteilung besonders geschäftig erwiesen hatten. – Sie hatten ursache auf Rache zu denken. – Welch ein Schimpf für ein paar geistliche Jungfern, den heiligen Mauern ihres Klosters mehr als halb entrückt zu werden und – dann sich verächtlich wieder zurück geschickt zu sehen!
Idas Gefangenschaft ward durch nichts unterbrochen, als durch ein nochmaliches Verhör – Erzbischof Subinko, vielleicht in Ahndung seines baldigen Todes, hatte das Kloster in diesen Tagen besucht, hatte mit der jungen Novize, von deren gegenwärtigen Zustande man ihm nichts wissen liess, eine Privatunterredung gefordert, und die Aebtissinn, welche viel Gewalt über ihn zu haben schien, hatte es für gut gehalten, ihm dieselbe abzuschlagen, und Ida in seiner Gegenwart, vor die ganze Versammlung zu fordern.
Man nötigte Ida, in seiner Gegenwart das zu wiederholen, wovon sie schon zuvor einige Winke gegeben hatte; sie tat es mit Mut und Bescheidenheit, indem sie zugleich versicherte, dass sie in Ansehung der Entführung auf blosse Mutmassung baue.
Der heilige Mann ereiferte sich gewaltig, er bewies seine Unschuld wenigstens in Ansehung des letzten, und die Verläumderinn Ida ward entlassen.
Auch die andern Nonnen mussten sich entfernen, und der Erzbischof und die Aebtissinn blieben allein. Man weiss nicht, was zwischen diesen beiden vorgefallen ist, aber so viel ist gewiss, dass der heilige Mann das Kloster schnell und in der äussersten Gemütsbewegung verliess. Alte verjährte Rechte machten es der Aebtissinn vielleicht erlaubt, mit ihm über gewisse Dinge aus einem beleidigenden Tone zu sprechen, der nachteilige Folgen für die Gesundheit des Greises haben musste.
Er war insgeheim von Presburg hinweg gereist, eben so geheim kam er zurück. Das Gerücht von seiner Krankheit bereitete sich aus, bald darauf die Nachricht von seinem tod, – und mit dieser nahm Hoffnung zu Idas Befreiung in dem Herzen ihrer