hindern?
Kennst du Subinkos Nachfolger? – Die Neulinge pflegen die Rechte der Kirche mit mehrerer Hartnäkkigkeit zu verfechten, als die Ausgedienten! –
Aber wir werden dann keine Privatabsichten auf Ida zu bestreiten haben! – und sollte, wie man immer vermutete, der geitzige Albikus, Subinkos Stelle ersetzen, er, dem alles käuflich ist! – O Konrad, ich hoffe, ich hoffe! Sieh'! du wolltest mich tödten mit deiner Nachricht, und Leben und Freude hast du mir durch sie ins Herz gegossen!
So brachten die beiden Freunde eine schlaflose Nacht voll Zweifel, Hoffnungen und Entwürfe zu; sie bauten das Letztere auf einen Erfolg, auf den sonst kein Gutdenkender sein Glück zu bauen pflegt. – Doch der Tod des Erzbischofs war ein Glück für manche Bedrängte, und Idas Freunde waren zu entschuldigen. – Auch fügte das Schicksal ihren Wünschen.
Der Morgen brachte die Post von Subinkos Absterben, und das Gerücht von Albinkus wahrscheinlicher Erhöhung! – Der neue Erzbischof lebte zu Prag, Herrmanns Entschluss war gefasst. – Eile, sagte er zu Konrad, eile nach dem Orte, der meine Ida einschliesst, wache, dass sie mir nicht gänzlich entrückt, vielleicht an Orte geführt werde, wo ich sie in Jahren nicht zu finden wüsste. Ich fliege nach Prag, zu dem, welchem alles käuflich ist, von ihm Idas Befreiung mit allem was er fordert, mit meinem gegenwärtigen Vermögen und künftigen Hoffnungen zu erhandeln. Der Graf von Würtemberg ist, wie ich höre, an König Wenzels hof angelangt, er wird, er muss meinen Wünschen an die Seite treten. – Und erlange ich, was ich suche, dann auf Flügeln des Sturmwinds hin zu ihr! Ihren Vater, Herzog Albrechten, dich, alle alle die mir und ihr lieb sind, fordere ich auf, sie im Triumph aus ihrem Kerker zu führen! – Herrmann war ausser sich, seine Entschlüsse waren Feuer und Flamme, die Ausführung das nehmliche!
Vier und dreissigstes Kapitel.
Fast war es zu spät.
Die Freunde der gräfin von Würtemberg hatten ursache wegen ihrem Schicksal besorgt zu sein; ihre Lage war, seit wir uns von ihr trennten, mit jedem Tage bedenklicher geworden.
Meine Leser wissen aus Konrads Erzählung, dass die tausend verunglückten Anschläge zu ihrer Entführung nicht wie sie wähnte von dem Erzbischofe, sondern von dem treuen Freunde ihres Herrmanns herrührten, der denen zu gefallen, welchen er dienen wollte, alles – selbst Klugheit und Vorsichtigkeit in die Schanze schlug.
Konrads Versuche hätten glücken müssen, wenn er weniger hastig zu Werke gegangen wär, und wenn nicht diejenige, welche sie am meisten hätte begünstigen sollen, sie geflissentlich vereitelt hätte; aber Ida wusste nicht, welche Hand sie aus dem Kerker zu reissen strebte, auch zweifeln wir billig, ob, hätte sie es gewusst, nicht ihre Grundsätze ihr dennoch diese Art der Befreiung verhasst gemacht haben würden. Hinterlistige Flucht aus einem Kloster, Flucht an der Seite eines Mannes, war einmal in jenen zeiten ein Schritt, vor welchem die weibliche Delikatesse zurückschauerte, ein Schritt, der ein fräulein auf Lebenszeit mit Schande brandmarken konnte.
Ida hoffte und erwartete ihre Befreiung auf dem geraden Wege, durch sorgfältige Verwendung ihrer Freunde. Sie wusste nicht, wie kalt oft blosse altägliche Freundschaft in Ansehung verwickelter Anschläge ist. Die fürstin Gara und die prinzessin Elisabet waren neue Freundinnen der gräfin von Würtemberg, waren zu glücklich in Mariens Besitz zu beschäftigt ihre hingesunkenen Kräfte durch mühsame Pflege zu erhöhen, als dass sie an die Geberinn ihrer Freuden, an Ida anders, als an eine Nebensache hätten denken sollen. Sie trösteten einander mit der Hoffnung, es würde sich auch schon mit ihrem Schicksal zum Besten fügen, und ersparten sich dadurch die Mühe zu handeln.
Die schwache königin nannte den Namen ihrer Retterinn unaufhörlich, aber man wusste sie durch Hoffnungen zu befriedigen, deren Ungrund sie nicht untersuchen konnte.
Herzog Albrecht, Idas warmer Verehrer, tat mehr als die andern alle, aber er musste seine Sorgfalt für das Schicksal seiner Freundinn einschränken, wenn er nicht wollte, dass kaum ausgerottete Eifersucht von neuem Wurzel schlagen sollte.
Konrad, der unvorsichtige Konrad, war es also allein, der das Beste der Bedrängten mit Eifer betrieb, und wie es ihm glückte, das haben wir gesehen.
Der letzte Streich, den er wagte, hatte gewaltigen Aufruhr im Kloster gemacht. Die ganze Schwesterschaft vereinigte sich wider die unschuldige Ursacherinn dieser Dinge zu schreien. Täglich neue Schrecknisse! versuchte Entführungen! Einbruch in die Zellen! angelegtes Feuer! was für Dinge! Sollten wir alle das Opfer einer einigen werden? – hinweg mit ihr aus unserm Heiligtum! Man schicke sie in eine entfernte Gegend, wo niemand sie finden, wo sie bis an ihr Ende für das Herzleid, das Unschuldigen um ihret willen zugefügt wurde, büssen kann: dies war die gemeinschaftliche stimme der heiligen Schwestern zu Sankt Annen.
Die Aebtissinn, von Idas fehlerloser Aufführung, von ihrer eingebildeten Neigung zu einem stand, den sie anfangs verabscheute, eingenommen, war ihr nicht ungewogen, hätte sie gern geschützt. – Aber eben ihre aufkeimende Liebe für die Unglückliche machte diese zu einem doppelten gegenstand des Neides für die Nonnen. Sie musste hinweggeschaft werden, um allen Nachteil, den man von ihr besorgte, zu verhüten!
Ida war genötigt sich auf ihrer Zelle eingezogen zu halten, so gar der Besuch des Chors war ihr versagt; man wusste nach und nach die Oberinn mit Verdacht einzunehmen: ob sie auch