meinen Diener nennen, mir raten und dienen konnte, wie er wollte. Er kannte Ida, wünschte sie gerettet zu sehen, und war er gleich nicht geschickt Anschläge zu ersinnen, nannte er gleich die meinigen oftmals tollkühn, so war er doch immer bereit meinen Planen fortzuhelfen.
Es würde zu weitläuftig sein, sie euch alle zu nennen, nur des letzten will ich gedenken, weil ich besorge, er diente dazu das Schicksal der gräfin zu verschlimmern, und ihm diejenige Wendung zu geben, welche jetzt fast ihre Rettung unmöglich macht.
Konrad! schrie Herrmann bei diesen Worten, indem er seinen Freund wütend bei der Brust fasste und ihn fürchterlich schüttelte, bist du rasend? du willst mir dienen und machst mich durch deine Unvorsichtigkeit nur noch elender? Sprich, wo ist Ida, und lass uns keinen Augenblick säumen, ihr zu hülfe zu eilen!
Es kostete Konraden Mühe seinen aufgebrachten Freund zu besänftigen, und ihn endlich dahin zu bringen, das Ende seiner geschichte vollends zu hören.
Um dir die Sache kurz zu melden, fing Konrad von neuem an; ich kam auf den Einfall, das Kloster in Brand zu stecken, und deine Ida auf diese Art davon zu bringen!
Rasend! Rasend! schrie Herrmann mit zusammengeschlagenen Händen.
Rudger und Walter, meine gefährten, fuhr jener fort, hatten mehr überlegung als ich, der Anschlag ward gemildert, geändert, umgeschmolzen, und endlich beschlossen wir, in einem hof des Klosters, in welchen wir durch den Kirchhof kommen konnten, von Stroh und Stoppeln ein leichtes bald zu löschendes Feuer anzuzünden, welches unter den Nonnen allen Auflauf anrichten konnte, den wirkliche Gefahr nach sich zieht, ohne darum schlimme Folgen zu haben.
Wir führten aus, was wir uns vorgenommen hatten. Die Flamme loderte fürchterlich himmel an. Rudger rief mit dumpfer stimme Feuer, alle Nonnen wurden wach, alle Zellen öfneten sich, es gelang uns im Gedränge abermals eine von den Jungfern davon zu bringen, die wir in der Dämmerung für Ida hielten. Walter löschte indessen das Feuer, und schlich uns durch unsern gewöhnlichen Ausweg nach; wir entschleierten unsere ohnmächtige Nonne, sahen uns zum zweitenmal getäuscht, liessen unsern Raub an der Kirchhofmauer liegen und entflohen.
Dieser Streich war zu kühn, er musste Folgen nach sich ziehen. Klosterfrauen durch angelegtes Feuer zu schrecken, eine aus ihrem Mittel entführen, und sie dann verächtlich liegen lassen, das waren der Beleidigungen zu viel. Die ganze Gegend ertönte vom Geschrei wider die Kirchenräuber. Der Pöbel würde uns zerrissen haben, wenn man Verdacht auf uns hätte fassen können. Alle fernere Versuche wurden vereitelt; das Kloster ward mit Gewaffneten besetzt, und das Gerücht breitete sich aus; die Nonnen zu Sankt Annen wüssten wohl, auf welche aus ihrem Mittel alle diese Anschläge gingen, und sie wollten die Unglücksstifterinn aus ihren Mauren stossen, und in ein Kloster liefern, welches unbekannt und weit entfernt genug sein sollte, um ihre Entführung unmöglich zu machen.
ist es möglich, dir die Verzweiflung zu schildern, die mich bei diesen Aussichten befiel? Sie war derjenigen nicht ungleich, die ich jetzt in deinen Augen lese!
Herrmann war ausser sich, er vermochte wirklich kein Wort hervorzubringen, und Konrad konnte seine geschichte ungestört endigen.
Zum Glück, fuhr er fort, kundschaftete Rudger aus, dass Herzog Albrecht von Oesterreich sich in dem benachbarten Kloster zu Sankt Nikola befände, wohin er seine Braut geführt habe. Ich kannte Albrechten aus deiner geschichte als deinen und Idas tätigen Freund. Ich eilte zu ihm, erzählte ihm alles und forderte ihn zu Rat und hülfe auf!
Er hatte schon mächtige aber bis jetzt noch vergebliche Schritte zu Idas hülfe getan. Meine Erzählung machte ihn noch aufmersamer, machte die Gefahr dringender in seinen Augen, und er traf eilig Anstalt, so wohl Idas wahren Zustand auszuforschen, als schleunige Verfügungen zu ihrem Besten zu treffen. Es war gewiss, dass Ida doch nicht aus Sankt Annen hinweg geschaft war, und Herzog Albrecht schickte mich mit einem nachdrücklichem Brief an den Erzbischof, von welchem er behauptete, er müsse durchdringen, wenn nicht Subinko alles, was ihm lieb sei, in die Schanze schlagen wollte. – Diesen Brief zu überbringen, ward ich hierher gesandt, wie konnte man einen treuern und eiligern Boten finden als mich!
Und sage! sage was richtetest du aus? unterbrach ihn Herrmann mit einem Tone, der die Verzweiflung ausdrückte, in welcher er sich befand.
Die Antwort, die ich erhielt, war sehr sonderbar, erwiderte Konrad mit Achselzucken, der künftige Morgen wird erklären, was wir davon zu denken haben. – Ich fand in dem Erzbischöflichen Pallast alles voll Bestürzung: nur der Name des Herzogs von Oestreich verschaffte meinem Briefe Aufnahme. Man versicherte, der Erzbischof sei sehr krank, befinde sich nicht in dem Zustande, Briefe zu lesen oder zu beantworten. – Ich wich nicht von der Stelle. – Endlich erschien der Grossalmosenier des heiligen Mannes, und versicherte, der Erzbischof befände sich in der Tat sehr schlecht, aber demohngeachtet sollte ich morgen mit dem frühsten Antwort auf das Begehren des Herzogs haben. – Ich musste denn den Pallast verlassen, um zu dir zu eilen. Man versicherte mich beim Weggehen im Vertrauen, der Erzbischof liege in den letzten Zügen, werde den Morgen nicht erleben, und ich kann nicht glauben, dass durch diesen Umstand unsere Sache verbessert werde. – Und warum nicht? schrie Herrmann. Ist Idas Verfolger tod, wer will ihre Rettung