konnte; aber dieser Bürger war ein edler wohldenkender nüchterner Mann, und der Jüngling, der so gern um ihn war besass Verstand und Tugend genug, um den Ton, der in seinen Reden und Taten herrschte, den Sitten an Wenzels schwelgerischen hof weit vorzuziehen, und es sich oft im Stillen zu sagen, er fühle sich besser, dem Laster gehässiger, der Tugend geneigter, seit er den redlichen Münster kennen lernte.
Gefühle von dieser Art waren indessen nicht hinreichend den jungen Hofmann von jedem Schritte abzuschrecken, der seinem treuherzigen Freunde misfallen konnte, er sann ernstlich darauf, sich eine geheime Unterredung mit Ida oder mit der Mutter zu verschaffen, und das letzte gelang ihm.
Er fand diese gute Frau ihm noch so geneigt wie jemals, sie vereinigte ihre Klagen über den Eigensinn ihres Mannes mit den Seinigen, versicherte ihm Dinge von Wichtigkeit zu sagen zu haben, und benennte ihm einen Abend, wo er in Abwesenheit ihres eifersüchtigen Hüters, nicht allein sie, sondern auch Ida zu sehen bekommen sollte.
Herrmann stellte sich pünktlich ein. Eine verschwiegene Magd sagte ihm, der Herr sei noch nicht ausgegangen, und bat ihn bis zu seinem Abschied in ein kleines Kabinett zu treten, welches nahe genug an dem untern saal lag, um ihn einige Fragmente von einer Unterredung hören zu lassen, die zwischen Idas Eltern vorfiel und die wir unsern Lesern mitteilen wollen.
Und nach allem diesen, fing der alte Münster an, als es Herrmannen zuerst einfiel das Ohr an die Tür zu legen, nach allem diesem hältst du mich noch für einen Hasser des jungen Menschen? Glaube mir, alles was ich eingestehen kann, ist, ich liebe ihn einige Grade weniger als Idas Glück; dieses, dieses ist mein einiges Augenmerk!
Auch das Meinige, erwiderte die Frau mit mürrischer stimme.
Und doch, fuhr Münster fort, erwählst du die widrigsten Mittel deinen Entzweck zu erreichen?
Die besten! versetzte sie. Das Mädchen muss aus der Dunkelheit hervor, wenn ich nicht ewig das bereuen soll, was ich getan habe.
Ja, das soll sie, sprach der Alte, aber nicht durch Herrmann; lass uns doch den geradesten, den kürzesten Weg wählen! Was kann sie von einem Jünglinge hoffen, der sein Glück noch nicht gemacht hat? dem sie vielleicht Jahre lang in die Fremde nachsehen muss, der zu einem haus gehört welches – –
Nun gut, rief die Münsterinn, so bewillige meinen zweiten Vorschlag.
Frau, erwiderte der Mann, ich bitte dich, gieb die unglücklichen Gedanken auf, was soll Ida an einem hof wie Wenzels? Denke, was uns dein Einfall das junge Mädchen an Allerheiligen mit deinem prangenden Geschenke hervortreten zu lassen, schon für Unruhe gemacht hat, willst du noch weiter gehen? – O dass ich dir die närrisch ausgesonnene Feierlichkeit gestattete! Es ist undankbare Mühe den Grossen zu opfern, sie vergessen diejenigen nur gar zu bald, welche ihnen Freude machten.
Welches nicht geschehen sein würde, sagte die Frau, wenn Ida des andern Tages auf Befehl der Kaiserin bei hof erschienen wär, wenn sie sich nicht auf deinem Befehl hätte krank stellen müssen.
O wenn die Kaiserin eine festere Neigung für sie gefasst hätte, als Damen ihres gleichen pflegen, so würde es bei einer Einladung nicht geblieben sein. Welches ist besser, jetzt von ihr vergessen zu sein, oder nach einigen glänzenden bei Hof zugebrachten Wochen oder Tagen dieses Schicksal erfahren, und gehasst, verlacht, und beneidet, in ihre Dunkelheit zurückkehren zu müssen?
Die Münsterin schwieg.
Siehst du ein, fragte der Alte, dass dein Anschlag töricht war? dass er seines Entzwecks verfehlen musste? und dass es mit dem zweiten eben so gehen wird?
Er war nicht töricht, verfehlte seinen Entzweck nicht, rief die Frau; ich wusste, dass Ida aufsehen erregen, dass sie wenigstens ein Herz wirklich fesseln musste, und es geschah. Der gute liebenswürdige Herrmann ward von ihr besiegt, er ist es, durch dessen Hand sie das Schicksal hervorziehen will, und er soll sie haben, soll einst ihr Glück mit ihr teilen.
Soll ich dir zum zweitenmahl die Unmöglichkeit vorstellen, welche bei ihm stärker als bei einem andern ist?
Tue es nicht, du richtest nichts aus.
Hartnäckiger Weiberkopf! – Willst du mir auch nicht wenigstens versprechen, deine neuen Chimären aufzugeben, und alles mir zu überlassen?
Idas Schicksal geht mich näher an als dich und –
Nur dies, nur dies nicht, Marie, du weisst, wie ich sie liebe, und welcher Triumpf es für mich sein wird – –
Idas Eintritt verhinderte die Fortsetzung des Gesprächs. Der alte Münster erklärte, er würde diesen Abend zu haus bleiben, und dem jungen Mädchen ward befohlen statt des Spinnrockens die Harfe zu nehmen, und die Geister des Unmuts von ihren Eltern zu verjagen.
Es war billig, dass Herrmann doch einige Schadloshaltung für eine fehlgeschlagene Hoffnung erhielt; das Vergnügen Ida singen, spielen und sprechen zu hören, liess es ihn vergessen, dass er sie nicht zu sehen bekam, und die Vertraute, welche endlich eintrat, ihm zu sagen, dass er heute vergebens gekommen sei, und dass er sich hinweg begeben möge, erschien ihm viel zu zeitig. Mit Unwillen verliess er sein dunkles Behältniss, und ging gedankenvoll nach haus.
Neuntes Kapitel.
Der Ritter von der treuen Minne.
Die geschichte sagt nicht, ob nach diesem ersten vereitelten Plan zu einer geheimen Zusammenkunft keine weiteren entworfen oder ob sie