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Zustand des Klosters ist, und welches die Lieblingswege, welches der eigentliche Aufentalt eurer Nonne ist. Auch in Klöstern fehlt es nicht an Personen, mit denen es sich handeln lässt, die geschwätzigen Pförtnerinnen, die Einkauferinnen, die Besucherinnen, sind nie unempfindlich gegen die Reize einer kleinen Erkenntlichkeit.

Rudger kam zurück und brachte mir gute Nachricht. – Die Lücken in der Mauer waren zum Trost bedrängter Nonnen, noch die nemlichen, wie vor zehen Jahren. Ida hielt sich meistens im Krankenzimmer auf, dessen Fenster auf den Kirchhof gingen, auch pflegte sie zu zeiten kleine nächtliche Spatziergänge unter die Gräber zu machen, bei welchen sie leicht davon zu bringen sein müsste.

Meinen einigen Zweifel, dass ich die Nonne nicht kannte, die ich zu entführen dachte, hob mein treuer Gefährte durch die Versicherung, dass ihm die gräfin nicht unbekannt sei. Ich selbst, sagte er, war unter denen, die sie nach Sankt Annen brachte. – Ihr schlanker majestätischer Wuchs muss sie gleich verraten, und entreissen wir ihr den Schleier, so macht uns das himmlische Gesicht, vielleicht das einige in seiner Art, unserer Sache vollends gewiss.

Herrmann seufzte bei diesen Worten; wer konnte Idas Reize nur einmal gesehen haben, und ihrer ohne Bewegung gedenken hören!

Konrad fuhr fort: – Rudger führte mich des nächsten Abends zur probe auf den Klosterkirchhof. Das Einsteigen war leicht, seine Vorschläge waren gut, aber ich stellte mich mit Willen zweifelhaft und verzagt, um seinen Mut anzufeuern. – Er selbst war jetzt der, welcher mich zuredete, und mir die Sache leicht machte; er versicherte, dass wir eilen müssen, weil der Erzbischof in Ausführung seiner Anschläge schnell zu Werke ging, und Idas Einkleidung wahrscheinlich nicht lang verschoben bleiben möchteEr machte mir Hoffnung, unsere Dame vielleicht auf einen bevorstehenden Festtag, wo die Nonnen dieses Klosters mehrere Freiheit hatten, davon zu bringen, aber ich blieb auf dem Vorschlage, wir müssten sie selbst mit in unsern Anschlag zu ziehen, und uns ihn dadurch zu erleichtern suchen.

Wie bald sind an jenen Fenstern einige Stäbe zerfeilt, sagte ich zu ihm, wir steigen zu ihr ein, sagen ihr unsere Absicht, führen sie entweder gleich davon, oder treffen aufs wenigste mit ihr Abrede.

Rudger hatte seine Einwendungen, wir kehrten noch einmal zurück, um uns die gelegenheit abzusehen, und schnell flog etwas im weissen glänzenden Gewand bei uns vorbei und verlor sich in einer geöfneten Tür, die wir nicht wahrgenommen hatten, und die jetzt hinter der Fliehenden mit Geräusch zugeschlagen wurde.

Was war das? sagte ich voll Erstaunen zu meinem gefährten. Ich will sterben, rief er, wenn sie es nicht selbst war! Ihr schlanker Wuchs, ihre leichte Bewegung! – die Nonnen dieses Klosters haben den muntern Schritt längst verlernt, niemand darf hier hüpfen oder laufen, als etwa eine Novize, und die gräfin ist hier die einige.

O wir Toren, schrie ich, dass wir so unser Glück versäumen konnten! welcher Zufall wird es uns wieder so wie heute in die hände spielen?

kommt, kommt, erwiderte er, wir dürfen nicht verzagen, morgen ist auch ein Tag, an welchem sich etwas ausrichten lässt! –

Wir verliessen den Kirchhof, um ihn in der nächsten Nacht von neuem zu besuchen. Wir fanden die Mauer hinter dem freundschaftlichen Baume zu unserm Entsetzen gewaltig erhöht, man musste unsern Anschlag ausgekundschaftet haben und ihn zu verhindern suchen. Wir forschten weiter. Die bekannten Lücken, der eigentliche Ort unsers Aus und Einsteigens waren noch die nehmlichen, man hatte sie nicht wahrgenommen, oder ihrer mit Willen geschont.

Wir wagten uns mit kühnem Mute hinein, unser Anschlag musste jetzt geraten oder verderben. Wir erstiegen die Fenster des Krankenzimmers; zwar vermissten wir in demselben unsern Leitstern, die glimmende Lampe, aber sie konnte verloschen sein, die Dunkelheit konnte uns vielleicht unsern Anschlag erleichtern.

Wir zerbrachen die eisernen Stäbe, wir stiegen ein, aberwelch Entsetzen! – Alles war öde, weder Kranke noch Wärterinn liess sich finden, und die Tür nach dem Kloster war mit tausend Schlössern versperrt.

Traurig nahmen wir den Rückweg; es war offenbar, dass man darauf sann unsere Anschläge zu vereiteln! – – –

Noch einen kühnen Streich wagten wir am Tage der heiligen Nikola, wo, wie mich Rudger versicherte, die Nonnen dieses Klosters mehrerer Freiheit genossen, wo es wahrscheinlich war, Ida leichter zu finden, sie sicherer davon zu bringen.

Wir lauerten fast den ganzen Tag im Verborgnen, wir sahen viele truppe Nonnen, die uns wenig interessirten, aber spät am Abende erblickten wir eine einsam Wandelnde, deren schlanke Gestalt uns bewegte, ihr den Namen Ida zu geben. Wit eilten auf sie zu, und brachten sie davon, ohne dass sie sich weigerte oder ein Geschrei machte; schon hatten mir sie auf der Hälfte der Leiter, als ihr zum Glück der Schleier entfiel, und uns ein Gesicht zeigte, welches so ganz von Idas blendenden Reizen, die mir Rudger beschrieben hatte, entblösst war, dass nicht viel fehlte, wir selbst hätten uns durch ein schreckenvolles Geschrei verraten.

Wir liessen unsern Raub fahren, fluchten unserm Schicksal, und entfernten uns mit Eil, aber nicht um unsere Anschläge aufzugeben, sondern sie immer kühner und verzweifelter auszudenken. Das Glück führte mir zur selbigen Zeit einen Menschen zu, der mir meine Unternehmungen merklich erleichtern konnte, meinen alten treuen Walter, der jetzt seiner geheimen Verbindungen entnommen, sich öffentlich