, dass ich vor der Hand alles getan habe was getan werden muss!
Aber, schrie Herrmann, du sprichst, noch wenige Tage, und mir ist dann nicht mehr zu helfen? – dürfen wir einen Augenblick verlieren? fort! fort! Ida zu hülfe!
Und was willst du tun? – Weisst du auch nur soviel, worinn Idas Gefahr eigentlich besteht! – Weisst du etwas mehr als den Namen des Orts wo sie lebt? – Ich sage dir, diese Nacht ist schlechterdings nichts zu unternehmen, wir müssen erst den Erfolg dessen erwarten, was bereits geschehen ist, und du hast nichts weiter zu tun, als mir ruhig zuzuhören, was ich dir von Ida zu sagen habe!
Herrmann ging halb ausser sich im Zimmer auf und ab. Konrads Vorstellungen mussten ihn endlich abhalten, auf gut Glück auszuziehen, er wusste nicht wohin, um Dinge auszurichten, die ihm eben so unbekannt waren, da er noch nichts von der eigentlichen Lage der Sache wusste.
Erzehle nur! erzehle nur! rief er endlich mit hastigem Ton, du siehst ja, ich bin ruhig genug dich zu hören!
drei und dreissigstes Kapitel.
Freundschaft und Unvorsichtigkeit.
Du weisst, fing Konrad an, du weisst, wie ich mich an den Grenzen von Deutschland von dir trennte; du wolltest nicht mit mir fliehen; meine Gegenwart konnte dir weiter nichts nützen, und ich wusste andere Gegenden, wo ich zu deinem Besten tätig sein kannte.
Ida, deine Ida lag mir im Sinne. – Er wird zu seinem Oheim kommen, sagte ich zu mir selbst, seine Unschuld wird offenbar, sein Glück gesichert werden, und es wird ihm nichts mehr fehlen, als der Besitz seines Mädchens; traurige Beschäftigung, wenn er sie denn erst suchen, vielleicht lang vergeblich suchen muss!
Hui Konrad! – Hier eine gelegenheit, den ehrlichen Herrmann für seine Treue zu lohnen! – Hin nach den Gegenden, wo Ida lebt? – Welch ein Triumph für dich, ihm seine Braut in die arme zu führen, ehe er sich ihre Erscheinung als möglich denken kann!
Ida lebte in einem ungarischen Kloster, so viel wusste ich, um meinem Wege einige Richtung zu geben; ich hielt mich nur so lang in Prag auf, als ich nötig hatte, einige vorläufige Erkundigungen einzuziehen. – Ich erfuhr nichts weiter, als dass der Erzbischoff sie aus Verdacht der Ketzerei vielleicht auch aus Wohlgefallen an ihren schönen Augen auf die Seite geschaft habe. – Die Gerüchte, welche vom heiligen Subinko gingen, waren mancherlei, Gott weiss, ob sie täuschten!
Subinko war vom König Wenzeln auf Sophiens Veranlassen seines Ansehens in Böhmen beraubt, er lebte gegenwärtig in Ungarn an König Siegmunds Hof; Veranlassung genug für mich, dahin zu eilen und meine Nachforschungen fortzusetzen.
Ich ward ohne Schwierigkeit in königliche Dienste genommen, mir war es nicht so viel um diese Ehre, als um Zutritt im haus des Erzbischofs zu tun, und ich fand denselben eben so leicht, als ich das erste gefunden hatte. – Ich machte Bekanntschaft mit seinen Leuten, zechte mit ihnen, und erzählte ihnen von meinen Ritterzügen. Du weisst, wie die Reisigen der Bischöffe, die wenig von eignen Taten wissen, sich so gern an der Anhörung fremder Abenteuer laben.
Mein Anschlag glückte, die Männer wurden treuherzig. – Sie waren unzufrieden mit ihrem Herrn, und ich erfuhr in kurzer Zeit mehr von seinen Angelegenheiten als ich wissen mochte. – Alle meine Gedanken blieben bei der gräfin von Würtemberg stehen, deren Aufentalt ich durch schlaue fragen schnell erfuhr, und von deren Schicksal die Männer nichts weiter zu sagen wussten, als dass der Erzbischoff nach einem Besuch in einem benachbarten Kloster von Sankt Annen, sehr erzürnt auf sie geschienen habe, und gegen seinen Kammerdiener geschworen habe, er wolle sie nicht ehr wieder sehen, bis sie den Schleier trüge. –
Seit diesem Schwur war fast ein Jahr vergangen, ich wusste, dass Ida nach Sankt Annen gebracht worden war, dass sie daselbst die Probezeit hielt, und es ward mir klar, dass ich keinen Augenblick zu versäumen hatte, wenn ich sie retten wollte.
Ich hatte unter den Knechten des Bischofs einen besonderen Freund, einen Mann, bei dem sich durch Geld und Versprechungen alles ausrichten liess. – Rudger konnte der Neigung einer Hand voll goldner Schilde nicht widerstehen, er gab mir den Handschlag, mich nach Sankt Annen zu führen, und daselbst alles auszurichten, was ich von ihm verlangen würde.
Wir reisten ab; wir kamen an. Ich trat mit einem Anschlag zu Idas Entführung hervor. Mir war bange, ihn möchte vor dem Raube einer Nonne grauen, aber ich fand dass ihm Dinge von dieser Art schon geläufig waren! er hatte in seinen jüngern Jahren ein ähnliches Abenteuer bestanden, und rühmte sich, selbst in dem Kloster zu Sankt Annen, in vorigen zeiten ein Verständniss mit einer Layenschwester gehabt zu haben, welches sich zwar nicht bis auf die Entführung ausgedehnt habe, aber das mit mehrerer Gefahr, als ein einiger kühner Streich haben konnte, ein ganzes Jahr lang fortgesetzt worden war.
An der Kirchhofmauer dieses Klosters, sagte er, steht ein uralter Baum, der mit seinen Aesten einige Lücken bedeckt, durch welche man mit einiger Wagniss füglich auf- und absteigen kann; finde ich diese noch, so ist unser Anschlag so gut als ausgeführt. Ich will hin, um die Sache zu erforschen, will zugleich geheime Erkundigung einziehen, wie sonst der gegenwärtige