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nebst ihr auf den Weg gemacht die frohe, die fast unglaubliche Nachricht von der Rettung Mariens durch eigene Augen zu bestättigen, ja was sage ich? in dem Zeitpunkte, den meine geschichte gegenwärtig berührt, war die erste für jede Schilderung unerreichbare Zusammenkunft der Mutter und der Tochter schon vorüber, man konnte sich bereits nach dem ersten Sturm der Freude ein wenig fassen, vermochte sein Glück ganz zu übersehen, ohne bei dem Anblick seines Umfangs zu erliegen; aber man denke nicht, dass bei allen diesen frohen Gefühlen, die Schöpferinn derselben, die gute Ida ganz vergessen wurde. Und hätten alle sie vergessen können, so wär doch dieses der dankbaren königin, der durch sie geretteten Marie unmöglich gewesen.

Sie nannte ihrer Tochter den Namen der gräfin von Würtemberg mit Entzücken, forderte sie und Herzog Albrechten zur Dankbarkeit gegen diejenige auf, welche sie ihre eigene Retterinn, ihren Schutzengel nannte. Albrecht und Elisabet erröteten; warum der erste, das wissen wir nicht genau zu sagen, aber Elisabets Errötung war wahre innige Beschämung, dass sie von derjenigen die grösste Wohltat erhalten hatte, welche sie auf Einhauchen einer Schlange, deren Falschheit ihr jetzt vor Augen lag, ehemals so schimpflich verkennen, so falsch beurteilen konnte.

Die fürstin Gara nützte die Bewegung, welche sie in Elisabets Herzen wahrnahm, zu Idas Besten. Keine List, keine Gewalt konnte sie retten, das war ausgemacht, man musste andere Wege einschlagen. Nur die Einwilligung des Erzbischofs konnte die Gefangene frei machen, und diese zu erlangen, wurden die schnellsten Anstalten gemacht; man wusste noch nicht was dieser für Nebenursachen bei der Einkerkerung dieser Unschuldigen haben konnte; die bescheidene Ida hatte sie nie deutlich über diesen Punkt gegen Marien erklärt.

Mitlerweile lebte Herrmann zwar in heimlicher Unruhe über die Ungewissheit von dem Schicksal seiner Geliebten, aber seine Empfindungen waren doch nicht mit denen zu vergleichen, welche er gehabt haben würde, wenn er gewusst hätte, wie nahe ihr das Unglück, wie unkräftig die Mittel wären, welche man zu ihrer Rettung anwendete. Nur noch vierzehen Tage waren bis zu Idas Einkleidung, und ach Herzog Albrechts Bitte an den Erzbischoff war mit einer leeren unbedeutenden Antwort abgefertigt worden, welche eine Gegenantwort erforderte, und so dachte man die Sache hinzuziehen, bis das damahls in den meisten Fällen unwiderrufliche Gelübde ausgesprochen, und die grosse Scheidewand zwischen Ida und der Welt gezogen wär, welche Herrmanns Glück unmöglich machen musste.

Herrmann sass eines Abend im dumpfen Gefühl seines Unglücks, auf seinem Zimmer. Vor seinen Augen gingen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten vorüber, Ahndungen auf Ahndungen bestürmten ihn, und tief im Innersten seiner Seele rief eine stimme: Sie wird nie nie die Deine werden! Die Empfindung des Jünglings grenzten in diesem Augenblicke an Verzweiflung. Er riss sich schnell empor! Wie? schrie er, Ida für mich verloren? – Sie nie die Meine? Welch ein Traum! Nur erst ihren Aufentalt, und sie ist in meinen Armen! Gehe ich nicht Morgen nach Klausenburg? wird nicht Herzog Albrecht mir die Hand zu jedem bieten, was ich für meine Ida, ach für mein eigenes Glück tun kann? So suchte er sich aufzurichten, aber schnell kehrten seine Zweifel mit doppelter Stärke zurück, und es war in einem der fürchterlichsten dieser Augenblicke, als die Tür sich öfnete, und ein Mann vor ihm stand, den er an König Siegmunds hof vermutete, mit Unruhe daselbst gesucht und nicht getroffen hatte.

O Konrad! mein Konrad von Langen! rief Herrmann, indem er ihm mit offnen Armen entgegen flog. O du kommst in einer meiner trübsten Stunden mich zu trösten, mir vielleicht zu helfen!

Wollte Gott, ich könnte das, rief Konrad, indem er Hut und Schwerd mit Ungestüm von sich legte (und sich atemlos auf einen Sessel warf), aber leider komme ich, komme in der äussersten Eil dir zu sagen! dassdass dir nicht zu helfen ist! –

Herrmann stand mit herabgesunkenen Händen und starrem blick vor seinem Freunde als ob er das Urteil des Todes aus seinem mund vernommen hätte, bis ihm plötzlich einfiel, dass die traurige Post, die ihm Konrad zu bringen habe, doch wenigstens Idas Angelegenheiten nicht betreffen könne, weil diese erst in der Zeit der Trennung von ihm, den Grad von Wichtigkeit erlangt hatten, der Herrmann so beunruhigte.

Entdecke mir was du willst, sagte er, mir wird es in dem gegenwärtigen Augenblicke Kleinigkeit sein, da bloss Ida mich beschäftiget, von der du ja nichts wissen kannst.

Eben von ihr, von ihr rede ich! schrie Konrad, von dem Orte ihres Aufentalts, von dem Kloster zu Sankt Annen komme ich, dir zu sagen, dass alles aus, dass sie für dich verloren ist, wenn nichtdoch welche Möglichkeit lässt sich denken, in der Zeit von so wenig Tagen das auszurichten, was ich in so vielen Wochen nicht vermochte? –

Du kennst Idas Aufentalt? kommst von ihr? bringst mir Nachricht von ihr? und sprichst sie sei für mich verloren? Unmöglich, unmöglich! Glück und Unglück zugleich? – das kann nicht sein! nein, wissen wir wo sie ist, so wollen, so müssen, so werden wir sie retten, da ist kein Zweifel.

Herrmann war bei diesen Worten aufgesprungen, warf seine Nachtkleider ab, gürtete das Schwerd um, und rief nach seinen Dienern, ihn zu wappnen!

Glaube doch nur, rief Konrad, der ihn auf seinen Sitz zurück zog, glaube doch nur