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Geburtsort seiner Liebe, nach dem haus des redlichen Münsters, hier fand er Tränen statt der Antwort.

Sie ist in den Händen des alten Erzbischofs, sagte Idas ehemahliger Vater, aus welchen keine menschliche Macht sie zu reissen vermag. Subinko übt die Gewalt, welche ihm in Böhmen genommen ward, in Ungarn mit desto grösserer Strenge. Er lebt an König Siegmunds Hof, Barbara ist seine Freundinn, und niemand ist, welcher seinen Gewalttätigkeiten Einhalt zu tun vermöge!

Auf diese Erklärung ward die Reise nach Ungarn keinen Tag länger verschoben. Der feurige Herrmann schwur, Himmel und Erde zu bewegen, seine Geliebte aus den Klauen ihres Verfolgers zu reissen. Er machte sich Vorwürfe, dass er bisher wegen ihres Schicksals so unbesorgt hatte sein können. Ein Kloster hatte ihm die sicherste Freistatt für ein unschuldiges Mädchen gedünkt, ein Bischof konnte seinen Gedanken nach, keine andere Absichten bei Gefangennehmung einer Irrenden haben, als Belehrung und Schutz vor weitern Irrtümern. Münsters gespräche lehrten ihn hierüber anders denken, und die Tage, welche zwischen diesem Augenblick und Idas Rettung verliefen, schienen ihm zu Jahren zu werden, die Entfernung von ihr mit jedem Schritt, der ihn ihr näher brachte, zu wachsen. – Zum Glück war Münster sein Begleiter, dessen ruhiger Ernst die Fehler verhütete, oder verbesserte, welche des Jünglings ungestüme Eile hätte verursachen können.

Siegmunds Hof, welcher ihm durch den Anblick eines undankbaren Königs und einer nichtswürdigen königin, der ihm dort bevorstand, und durch alle Erinnerung an die begebenheiten auf dem schloss Cyly verhasst gemacht werden musste, war jetzt der Ort, nach welchen er sich lieber durch einen Schlag der Zauberrute, durch einen einigen Wunsch versetzt hätte. Dort hofte er Nachricht von Ida zu finden, und dort stand ihm noch ein Glück bevor, nach welchem er sich seit der entwicklung seines Schicksals unablässig gesehnt hatte. Das Gerücht sagte, Herzog Albrecht von Oesterreich würde zu Presburg erwartet. Ihn zu sehen, unter seinem Schutze, von seinem Rat, seinem Beistand begleitet, Idas Befreiung fortzusetzen, welch ein Gedanke für Herrmann, der diesen Fürsten so innig verehrte, von ihm überzeugt war, dass er sich mit Eifer und Entzücken zu Ausführung seiner Absichten verwenden würde!

Herrmann erschien am ungarischen hof, und ward als Graf von Unna freilich mit mehrerer achtung aufgenommen, als damals, da er nichts weiter war, als der Ritter der treuen Minne.

königin Barbara begegnete ihm mit Höflichkeit, und hatte das Herz, nach allem was ihm von ihr bekannt sein musste, ihm zuversichtlich in die Augen zu sehen. Es war ihre Art, jedermann ein schlechteres Gedächtnis zuzutrauen als sich selbst, und sich von den Zeugen ihrer alten Vergehungen einzubilden, diese Dinge wären ihnen so altäglich als ihr selbst, würden von ihnen eben so leicht aus dem Sinne geschlagen als von ihr.

Mit Mühe konnte sich Herrmann bequemen, ihr die Ehrerbietung zu erzeigen, welche der königin von Ungarn zukam. Ein Gedanke an das Bekenntnis, das er einst aus ihrem eigenen mund hörte, diejenige, welche das erste Recht auf diesen Namen habe, lebe noch, stieg in ihm auf, und er wandte sich mit Abscheu von Mariens Kerkermeisterinn hinweg, ungeachtet er nicht den zehnten teil soviel von diesen Geschichten wusste als meinen Lesern bekannt ist.

König Siegmund begegnete dem jungen Grafen von Unna mir auszeichnender Gnade, er musste entweder den auf Barbaras Lippen gedrückten Kuss ganz vergessen haben, der Herrmann ehemahls so unschuldig beigemessen wurde und ihn in solche Ungnade brachte, oder es war ihm seit der Zeit geläufiger geworden seine gemahlin von andern Lippen als den seinigen geküsst zu wissen, wenigstens ging die Rede, dass Barbara keine Feindinn fremder Liebe sei, und es war fast unmöglich, dass dieses ihrem Gemahl ganz verborgen sein könne.

Herzog Albrechten, den künftigen Eidam des Königs, fand Herrmann nicht zu Pressburg; man sagte, er sei nach Klausenburg gereist, seine Braut, die prinzessin Elisabet zu besuchen, und habe sich dann mit ihr auf eine Lustreise nach einem andern Kloster zu einer Busenfreundinn der prinzessin begeben. Man schien bei hof nicht gänzlich mit dem Betragen der jungen Verlobten zufrieden zu sein; die prinzessin von Ratibor, welche bei der prinzessin von Ungarn in Ungnade gefallen war, und sich zu ihrer Mutter, die vor kurzem ein ähnliches Schicksal bei der königin Sophie erfahren hatte, in ein deutsches Kloster verfügen musste, war durch Pressburg gereist, und hatte, wie sie überall pflegte, wo sie hinkam, Verleumdung ausgestreut, und Argwohn zurückgelassen. Die Reise zu der fürstin Gara ward hochempfunden! –

O hätte Herrmann wissen sollen, das diese Freundinn der jungen Elisabet, auch Idas Freundinn sei, dass sie nur wenig Meilen von dem Aufentalte der unglücklichen gräfin lebe, dass diese in der höchsten Gefahr schwebe, während andre sich des Glücks freuten, das sie ihnen durch ihre menschenfreundlichen Bemühungen verschaft hatte, ein Raub endloses Elends zu werden, hätte er dieses gewusst, wie würde er ihr zu hülfe geflogen sein, alle ihre Freunde aufgefordert haben, sich zu ihrer Rettung mit ihm zu vereinigen!

Zwei und dreissigstes Kapitel.

Rückkehr zu Ida.

Die königin Marie war, wie meine Leser aus dem vorigen wissen, gerettet, genoss zu Sankt Nikola der Pflege und des Umgangs ihrer Freundinn der fürstin Gara, und sah dem entzückenden Augenblick der Umarmung ihrer Tochter entgegen. Boten mit geheimen Nachrichten an die prinzessin Elisabet waren schon längst nach Klausenburg abgegangen. Herzog Albrecht, welcher damahls eben seine Braut besuchte, hatte sich schon längst