den Ritter Johann nur ein einiges Mahl gesprochen.
Und in was für einem Zustande lebt er? fragte der Alte. Ich vermute, er wird nicht in sonderlichem Ansehen bei dem Orden sein.
Er ist Grosskreuz und Kommentur zu * * * antwortete Herrmann. Ha, ich weis, was ihn so gehoben hat! rief der Graf, nicht seine Verdienste, nein die Sage, die er auszubreiten wusste, er könne wohl einmal nach meinem tod Graf von Unna werden, aber ich will sie täuschen, will ihn und den übermütigen Bernd täuschen! – Ja sie haben recht, ich habe keine Kinder, euer Haus oder das Reich müssen meine Erben sein. Aber Geduld ich will den wählen, auf welchen sie am wenigsten denken, den jüngsten und verachtetesten unter ihnen, den, den sie im Staube des Klosters zu begraben, und ihr Glück auf sein Verderben zu bauen gedachten.
Der Greis war bei diesen Reden in heftigen Zorn geraten, er befahl Herrmannen mit einer verdrüsslichen Art sich zu entfernen und dieser konnte sich in diese Erscheinung nicht finden, bis einer der alten Hausbedienten, dessen Redlichkeit er schon bei seinem ersten Aufentalt zu Unna kennen gelernt hatte, ihm Aufklärung hierinnen gab:
Bernhard von Unna und die Aebtissinn zu Marienhagen hatten während einer Krankheit, welche der alte Graf vor wenig Monaten überstanden hatte, und die seinen Tod vermuten liess, so laut von ihren Hoffnungen gesprochen, dass es dem Greise zu Ohren gekommen war und den Entschluss in ihm bestätiget hatte, welcher in wenig Tagen zu Herrmanns Besten zur Reife kam.
Herrmanns feierliche Lossprechung von dem angeschuldigten Verbrechen, welche öffentlich geschahe, konnte von dem alten Grafen, der ihn liebte, nicht besser verherrlicht werden, als dadurch, dass er ihn am nemlichen Tage zum Sohn annahm, und ihm den Namen eines Erbgrafen von Unna beilegte. Herrmanns Dankbarkeit für diesen Erweis seiner achtung, dessen wichtigen Einfluss auf sein ganzes Glück niemand besser kannte, als er selbst, rührte den Greis, er glaubte nichts als Erstaunen, nichts als Ueberraschung in den Blicken des Jünglings zu lesen, keine Ansprüche auf ein Recht zu der erzeigten Gnade, und dies war es, was ihm gefiel.
Der alte Unna irrte nicht, Herrmann war erstaunt, war überrascht, sich so schnell am Ziel seiner Wünsche zu sehen. Er wusste, dass er hier nichts seinen Rechten, alles der Gnade seines Oheims zu danken hatte, aber er hatte nicht ohne Erwartung eines solchen Glücksfalls gelebt. Die ehemahligen Versprechungen seines Oheims hatten dieselbe in ihm erregt, die Reden des Grafen von Würtemberg sie ihm von neuem in die Gedanken gebracht, aber eben diese, eben die Vorstellung von dem Umfang seines Glücks, den sein grossmütiger Verwandter selbst nicht ganz übersehen konnte, weil ihm von Herrmanns und Idas Liebe nur wenig bekannt war, brachte jenen hohen Grad von Entzücken und Dankbarkeit in ihm hervor, der dem Greise so wohlgefiel.
Ja du bist es, du bist ganz mein Sohn! rief er, indem er ihn an seine Brust drückte. Die Welt soll erfahren, wie ich dich liebe, ich bin stolz auf dich, und ich will den Glanz, mit dem ich dich umgeben kann, brauchen, deine Neider und die Erwarter meines Todes zu demütigen.
Es ist zu erraten, was der alte Graf mit diesen Worten meinte. Herrmann ward von ihm aufgefordert, nächster Tage eine Reise zu seinen Geschwistern zu tun, und zu derselben auf eine Art ausgerüstet, welche seinem guten Herzen den empfindlichsten Kummer machte. Welch eine Rolle für einen Jüngling wie diesen, ausgeschickt zu werden über seine Geschwister zu triumphiren! Er nahm den Besuch an, welchen man ihm auftrug, aber seine Bitten, seine Vorstellungen fruchteten so viel, dass alles bei dieser gelegenheit hinweggelassen wurde, was andern hätte kränkend sein können.
Agnes und Petronelle genossen die meiste Freude von seiner Erscheinung und der Nachricht von seinem Glück, Ulrich warf sich entzückt in die arme seines Herrmann. Die Aebtissinn und der Domherr waren voll geistlicher Glückwünsche, indessen Berndten und Katarinen heimlicher schlecht verstellter Neid aus den Augen leuchtete. Herrmann strebte alle zufrieden, alle glücklich zu machen, besonders Aleken von Unna, seine Schwägerinn, welche er mit Nachrichten von ihrem Bruder erfreute. Konrad war sicher vor seinen Verfolgern nach Ungarn an König Siegmunds Hof gekommen, welcher ihn in seine Dienste nahm, ungeachtet der Ritter von Langen ihm nichts von der wahren Lage seiner Sachen verschwiegen hatte. Siegmund hegte zuweilen so wenig Bedenklichkeit in der Wahl seiner Diener als seiner Liebschaften, und Barbara seine gemahlin, sah ihren Hofstaat gern mit jedem ansehnlichen Ritter vermehrt, dessen Eroberung sie mit der Zeit zu machen hoffen konnte.
So lieb unserem Herrmann der Umgang Agnesens, Petronellens, Alekens und Ulrichs war, so konnte er doch nicht lang bei ihnen verweilen. Ein stärkerer Trieb als Freundschaft, sehnsucht nach seiner Ida, Wunsch, ihren Aufentalt zu erforschen, Besorgnisse wegen ihres Schicksals, riss ihn aus den Armen seiner Geliebten.
Er hatte seinem Oheim seine Liebe und seine Hofnungen jetzt umständlich bekannt gemacht, und von ihm die Erlaubnis erhalten, die gräfin von Würtemberg aufzusuchen. Auf den Flügeln der Liebe eilte er nach dem Orte, wo er den Weg zu erfahren hofte, den er zu seinem Glücke zu nehmen hatte, eilte nach Prag zur königin Sophien, um zu fragen, ob sie keine Nachricht von ihrer Freundinn Ida zu geben wisse; – aber Sophie war so besorgt und so unwissend wie er. – Er eilte nach dem