bei tausend Gelegenheiten auf der rühmlichsten Seite kennen gelernt, und begunnte jetzt den ernstlich zu lieben, den er vordem gehasst und verfolgt hatte. Herrmann hatte, die regenspurgische Befreiung des alten Grafen gar nicht gerechnet, oft gelegenheit gehabt sich den Vater seiner Geliebten verbindlich zu machen. Dankbarkeit für eigene dem Grafen geleistete Dienste muste ja wohl endlich den Groll auslöschen, den er wegen der Beleidigungen seines längst verstorbenen Vaters und Bruders auf ihn geworfen hatte! –
Graf Eberhard sprach ernstlich für den jungen Ritter von Unna, der Grossmeister musste nachgeben, und vielleicht wär es geglückt, den Angeklagten durch Darstellung der wahren Beschaffenheit seiner Sache völlig zu retten, wenn der Graf von Würtemberg nicht in einer Art von Bann gelebt hätte, der seinem Vorspruch einen teil seiner Kraft benommen hätte, und der erst in einem monat völlig zu Ende war.
Ueberall das fürchterliche Tribunal, dessen Verfolgung Herrmann und Konrad ausgesetzt waren, seine Einverleibten; auch hier ward das, was man von dem Zustand der beiden Ritter erlauscht hatte, nicht sobald kund, als die arme der heimlichen Rächer sich nach ihnen ausstreckten. Weder der Grosmeister noch der Graf konnten sie schützen, das einige, was der letzte durch das Ansehn ausrichten konnte, das er ehemahls in diesen Dingen hatte, und das er nun bald wieder erlangen sollte, war, dass Herrmann ohne weitere Beleidigung nach Westphalen vor seinen Vetter den alten Grafen von Unna gebracht werden sollte, von welchem sich mit Wahrscheinlichkeit, Schonung, oder vielmehr Gerechtigkeit für den Unschuldigen erwarten liess.
Graf Eberhards Hoffnungen, – denn wirklich war es jetzt so weit gekommen, dass Herrmanns Glück ein Gegenstand seiner Hoffnungen war, – wurden durch das Gerücht, welches sich auszubreiten begunnte, beinahe zu Gewissheiten gemacht, dass man den Mördern des Herzogs von Braunschweig immer besser auf die Spur komme. Einer von ihnen, ein gewisser Falkenberg, sei bereits in den Händen der Gerechtigkeit, und es sei kein Zweifel, man werde durch ihn auch die übrigen Mitverschwornen erfahren.
Ziehet hin, mein Sohn, sagte der Graf zu Herrmann, habt ihr mich nicht getäuscht, könnt ihr den Verdacht, teil an einer der schändlichsten Taten der Finsterniss genommen zu haben, gänzlich von euch wälzen, euch so vor den Augen der ganzen Welt rechtfertigen als vor den Meinigen, so biete ich zu Erfüllung eurer liebsten Wünsche die Hand – so –
Ist Ida mein? fragte der entzückte Jüngling, der sich dem Grafen zu Füssen warf.
Gemach! gemach! rief der alte Graf, den seine Rede halb zu reuen schien. Ihr fordert zu viel! Ein Ritter von Unna und eine gräfin von Würtemberg wär ein zu ungleiches Paar: – sollte aber der Graf von Unna sein Versprechen erfüllen, sollte er euch zum Sohn annehmen, – ja dann – dem Erben eines so grossen Namens so grosser Güter, dem Sohne meines alten Freundes meine Tochter abzuschlagen würde unrecht sein.
Eberhard lächelte bei diesen Worten, und Herrmann sank zum zweitenmahl zu seinen Füssen. O sie ist mein! rief er, Ida ist mein! Vater! wie soll ich euch danken!
O der schwindelnden Jugend! rief der alte Graf. Wo sind die Beweise eurer Unschuld? Wer bürgt euch für die Versprechungen eures Verwandten? – endlich – wo ist Ida, die ihr schon in euren Armen zu halten glaubt? –
Ida? schrie Herrmann halb ausser sich vor Freude. – O wär sie im Fegefeuer, ich wollte sie suchen und finden! sie lebt in einem ungarischen Kloster, wie sie in dem zurückgelassenen Briefe an die königin von Böhmen sagte, ich durchlaufe sie alle, bitte, drohe, besteche, raube, wenn es so sein muss, bis ich sie treffe und mich mit ihr zu euren Füssen werfen, euch um die Einsegnung unserer Liebe bitten kann!
Der alte Graf schüttelte den Kopf. Die Dinge, welche den Jüngling so leicht zu übersteigen dünkten, hatten in dem Auge des weisern Greises immer noch gewaltige Schwürigkeiten. – Er gab einige Winke, dass auch sie, auch Ida durch seine Entfernung wieder unter die Gewalt ihrer Verfolger gefallen wär, dass nichts sie habe retten können als die weite Entfernung nach Ungarn, welche er aus dieser ursache nicht ungern gesehen habe.
Und wird nicht, fragte Herrmann, wird nicht die Wiederkunft ihres Vaters, die Wiedereinsetzung in seine Rechte, Idas Rechtfertigung mit sich bringen? – Nein, edler Graf, es glückt euch nicht, meine liebsten Hoffnungen zu verdunkeln; ist euer Herz zu meinem Besten gewonnen, so hat die ganze Welt keine Schrecken mehr für mich!
Der Graf und der Ritter trennten sich, der erste voll Entzücken, der andere nur halb froh. Er hatte höhere Aussichten für seine Ida im Sinne gehabt! sie zu einer Herzoginn von Braunschweig vielleicht zur kaiserin zu machen, wär freilich seiner Eitelkeit schmeichelhafter gewesen als der Name, gräfin von Unna. – Doch wie viel hatte er nicht bereits von seinen Hoffnungen aufgeben mussen! –
Kaiser Ruprecht sass fest auf dem Trone, dem er einst so nahe zu sein geglaubt hatte; es liess sich nicht an, als wollten die deutschen Fürsten ihre Wahl bereuen. Alles war so eingerichtet, dass nach ihm König Siegmunden die Krone nicht entgehen konnte, und dieser hatte dann an seinem künftigen Eidam, Herzog Albrechten von Oesterreich, einen Nachfolger, der zu gut war um von einem andern ausgestochen, zu jung, um von einem Greise wie Graf Eberhard überlebt zu werden.
Ein und dreissigstes Kapitel.
Herrmann,