Namen. Der meinige, der Name eines Unglücklichen, Durchächteten, (als einen solchen kannte mich das ganze Land,) vermochte nicht sein Herz von mir abzuwenden.
Er nannte mich Bruder, und war freundschaftlich genug, sich mit mir in eine Reihe zu setzen. Auch ich bin ein Flüchtiger, sagte er, ich fliehe vor der Gewalt meiner Verwandten, die mich zu einem stand nötigen wollen, den ich verabscheue. Hin! mein Bruder! Hin zu den deutschen Rittern! das Ordenskreuz kann uns vor Gewalt schützen, und einst zu Ehren bringen! – Ich gab ihm den Handschlag ihm zu folgen, und wir lagerten uns ins Gras zu einer sparsamen Mahlzeit, die euer edler Bruder aus seiner Reisetasche auftrug. Ein Trunk aus der Quelle labte uns, und wir redeten den Plan unsers künftigen Lebens vollends ab, ohne zu ahnden, wie viel Gefahren unsere Anschläge vereiteln könnten – Gefahr! Gefahr des Todes war vor der Tür! der Unschuldige musste sie teilen, weil er sich zu dem Schuldigen gesellt hatte. – Der Feind, von welchem mich Johann gerettet hatte, erschien plötzlich von neuem, er hatte einen17 gefährten mit sich genommen, um wider zweie desto sicherer zu fechten! Wir sprangen auf, es war uns unmöglich, uns unserer Schwerdter zu bemächtigen, welche wir in törichter Sicherheit einige Schritte von uns ins Gras gelegt hatten, wir hatten keine andern Waffen in den Händen als die Messer, welche wir bei unserm Mahle gebraucht hatten.
Der Kampf war ungleich, ob gleich der eine unserer Gegner, der Gefährte, den sich der Erste geholt hatte, schlecht und fast mit Unwillen focht. Ohne Zweifel war es jener Ulrich von Senden, Alekens Geliebter, welcher sein Schwerd gezwungen wider mich kehren musste, und auf alle Weise vermied, mich zu verletzen. Er wandte seine Waffen gegen meinen Verteidiger, und trieb ihn, weil sie von besserm Nachdruck waren als Johanns Brodmesser, endlich in die Flucht, indessen ich der Raub des andern ward, der mich gefangen nach Osnabrück schleppte. Gott weis, was seinen Entschluss änderte, mir auf der Stelle das Leben zu nehmen!
Ihr wisst das übrige, ich entkam einem schmählichen tod durch die Flucht. Ich eilte dahin, wo ich mutmassen konnte, meinen Freund den Ritter von Unna zu finden. Er trug bereits das Ordenskreuz, aber auch mir dazu zu verhelfen war unmöglich. Er kannte die gesetz der deutschen Ritter jetzt besser als im ersten Anfang unserer Freundschaft, er riet mir meine Wünsche aufzugeben, und dadurch einer strengen Untersuchung meiner geschichte, und einer ernsten Ahndung zu entgehen. Auf seinen Rat änderte ich meinen Namen; der meinige würde meine Sicherheit bald geendigt haben, mein Unglück war zu bekannt, schlummerte nicht so wie das Eurige noch unter einer gewissen Hülle, es wär um mich getan gewesen, hätte man den Namen Konrad von Langen nur einmal gehört.
Euer edler Bruder konnte mich nicht auf die Art schützen, versorgen, und erheben wie er wünschte, aber demohngeachtet tat er viel zu meinem Glück. Ihm bin ich Ehre, Leben und Güter, ach ihm bin ich die weit kostbarere gelegenheit zu rühmlichen Handlungen schuldig! Ich war emsig in Ausübung des Guten, vielleicht dass es mir dereinst gelingt, durch die überlegene Anzahl edler Taten ehemahliche Verbrechen zu tilgen.
Ordensgeschäfte haben, wie ihr wisst, euren und meinen Bruder auf lange Zeit von uns gerissen. Gott weis, ob ich ohne Schutz hier lang hätte bestehen können, aber, ihr vertratet die Stelle des Ritters Johann bei mir; so lang eure begebenheiten unbekannt bleiben, kann mich euer Name und das Ansehen, in welchem ihr bei dem Orden steht, schützen – O ihr Brüder von Unna! edle grossmütige Seelen! Freunde des Verfolgten von aller Welt Verlassenen! Führer bei der Rückkehr zur Tugend! werde ich euch jemahls jemahls danken können? wird es hinlängliche Vergeltung für euch sein, wenn ich dieses Blut, dieses Leben für euch aufopfre?
Konrads Herz floss von Dankbarkeit über. Herrmann drückte ihn an seine Brust, und beide vereinigten sich nun in Beratschlagungen, was in der Zukunft für sie zu tun sein würde; Beratschlagungen, deren Resultat nie bekannt worden ist, weil ihnen das Schicksal die Ausführung ersparte.
Dreissigstes Kapitel.
Düstere Wolken, hinter welchen die Sonne glänzt.
Es wär zu wünschen gewesen, dass die beiden Ritter bei ihren Beratschlagungen mehr Behutsamkeit gebraucht hätten, sie lebten in einem land, wo weder die Nacht noch die Abgelegenheit des Orts sie vor Verräterei zu schützen vermochte. Ihre beiderseitige Tapferkeit, die achtung des Grossmeisters und der Ritterschaft, der Wahn, dass beide nach dem Ordenskrenz trachteten, und dass es ihnen nicht entstehen könne, erregte Neid, man suchte sie zu stürzen, belauschte ihre Schritte, und jauchzte, Dinge von ihnen erfahren zu haben, die sie mit Schimpf und Schande bedecken und auf einmal von dem Orte entfernen mussten, wo sie andern im Lichte standen.
Der Grosmeister erfuhr alles was Konrad und Herrmann einander in der Stille der Nacht vertraut hatten. Henrich Reus war kein sonderlicher Freund des Ritters der treuen Minne, und man würde wider die beiden unglücklichen Opfer der heimlichen Rache, vornehmlich wider Herrmannen, den unschuldigsten, ziemlich streng verfahren haben, wenn sich nicht der Graf von Würtemberg ins Mittel geschlagen hätte.
Graf Eberhard hatte all diese Zeit über mit Herrmann an einerlei Orte gelebt, er hatte so wohl als dieser Anteil an den Taten der deutschen Ritter genommen, hatte den tapfern Jüngling