darum liebte – weil er nicht glücklich war.
Lange hatte Herrmann, der so gern Bedrängte tröstete, wie seine Ida, den Quellen seines Kummers nachgespürt, um desto besser zu wissen, ob Rat und hülfe möglich sei, und endlich erschien die Stunde offenherziger Erklärung.
Herrmanns Freund nannte seinen Namen, er war jener Konrad von Langen, der Bruder der schönen Aleke, welcher von der heimlichen Acht verfolgt, endlich hier eine Art von Zuflucht gefunden hatte. Das Andenken an seine edle Schwägerinn Konrads Schwester, die Gleichheit ihrer Schicksale, machte, dass Herrmann den Ritter von Langen mit doppelter Zärtlichkeit an seine Brust drückte, ihn Bruder nannte, ihm offenbarte, (welches Konraden bei seiner langen Entfernung verborgen war) wie nahe sie verwandt waren, und ihm zusagte, ihm nächstens auch eine umständliche Erzählung von seinen Schicksalen zu geben.
Herrmann hielt sein Versprechen, er erzehlte seine geschichte offenherziger, und also vorteilhafter als er sie seinem Bruder dem Groskreuz Johann vorgetragen haben würde. Kein Scheu vor strengem Tadel konnte ihn bei Konraden von Langen nötigen seine Worte abzuwiegen. Konrads geschichte zeugte, dass er bei weiten nicht in allem, warum er von der Rache verfolgt wurde, zu entschuldigen sei, aber Herrmann war ganz schuldlos, konnte kühnlich auftreten und sagen: ich bin rein von aller Uebeltat. Nur unzeitige Furcht vor Johanns strenger nie durch Verleumdung angegriffener Tugend konnte ihn schüchtern machen.
Konrad schwieg eine Weile, nachdem Herrmann geendigt hatte. Ihr seid gerechter als ich, fing er endlich an, eure Sache ist mit der meinigen nicht zu vergleichen, und doch ist unser Schicksal so ziemlich das nehmliche; sollte man sich nicht scheuen die Tugend zu wählen, wenn sie und das Laster so oft einen Weg führen? – Das beste für uns wird sein, wenn wir dieses Land bald verlassen, ehe die strengen Ritter des deutschen Ordens unsere Lage kennen lernen; ihr blick durchforschet am Ende alles, sie sind fast so allwissend wie unsre Feinde die heimlichen Richter. Hoffet nicht in den Orden aufgenommen zu werden, bis sie die kleinsten Umstände eures Lebens kennen, und werden ihnen diese bekannt, so ist euer Urteil eben sowohl gesprochen. Beschuldigung ist ihrer Reinigkeit oft so viel als erwiesenes Verbrechen! –
Glaubt denn Konrad, erwiderte Herrmann, dass ich nach dem Ordenskreuze strebe?
Ich glaubte es, weil ich meinte, wir, deren Schicksale so viel Aehnlichkeit haben, müssten uns in allen gleichen. –
Also ihr betratet dieses Land in einer solchen Absicht? –
Höret den teil meiner geschichte, der euch noch unbekannt ist. – Als mich die Verfolgung der heimlichen Rächer aus meiner Burg trieb, mich nötigte meine unglückliche Schwester, eure nachmahlige Schwägerinn, unberaten und hülflos zurückzulassen, da schenkte mir das Schicksal mitten im Gedränge des Elends einen Schatz, den es oft seinen ersten Lieblingen versagt, einen Freund! – O Gott! mein Retter, mein teurer Johann von Unna erschien mir, und ward mein Schützer vor dem Teufel, der mich zu erwürgen, mich mitten in meinen Sünden ins ewige Verderben zu stürzen drohte! –
Johann von Unna? mein Bruder? –
Ja, eben er. Höret weiter. Angst und schlaflose Nächte hatten meine Kräfte aufgezehrt, ich war noch nicht drei Meilen von meinem schloss, so überfiel mich der Schlaf, ich musste meinem Triebe nachgeben, oder die hoffnung zu entkommen fahren lassen. Ich langte in einem wald an, der mir oft in glücklichen Tagen nach der Arbeit seinen Schatten zur Ruhe geliehen hatte. Ich wusste, hatte ich ihn zurückgelegt, so traf ich viele Meilen weit nichts als offenes Land, wo ich ohne die Umschattung eines schützenden Baums hätte schlummern müssen; Dörfer und Herbergen genug, aber unter welchem dach kann ein Reisender meiner Art sicher schlummern?
Ich legte mich unter den nächsten Schatten und entschlief. Da dünkte es mir im Traum, ein Mörder stünde bei meinem Lager, seine Hand risse das Schwerd aus der Scheide, und er riefe mir zu mit schrecklicher stimme: Konrad! erwache! die Rache ist vor der Tür! – Ich fuhr aus dem Schlafe empor, mein Traum war Wahrheit! Erwache Konrad! rief der Grausame, der vor mir stand zum zweiten mahl! Dich klagen die zahllosen Zungen deiner Sünden, dich klagen die Zeugen des heimlichen Gerichts vor dem ewigen Rächer an; ich bin sein Diener! du musst sterben! Ich hatte unter meinen Leuten einen Diener, einen Einverleibten des fürchterlichen Tribunals, der mir von solchen Dingen, so weit er durfte, Winke genug gegeben hatte, um mir es klar zu machen, wen ich hier vor mir hatte; keinen gemeinen Mörder, dessen Tat die Gerechtigkeit straft, wo sie ihn findet, nein, einen von jener geheimen Gesellschaft unbekannten Henker, die unter dem heiligen Namen der Rächer des Ewigen Taten begehen, die nur er richten kann, weil sie hier keinen Richter finden.
Ich sprang auf, ich setzte mich zur Wehr, er war mir überlegen, ich hätte unterliegen müssen, wenn nicht plötzlich ein Ritter aus dem Gebüsch hervorgedrungen wär, und sich zur Verteidigung an meine Seite gestellt hätte. Es war Johann von Unna, euer Bruder; nie sah er mich zuvor, aber ihm war es genug einen Notleidenden zu finden, um sich seiner anzunehmen, er war tapfer und edelmütig wie Herrmann!
Mein Gegner ward durch unsere vereinte Macht bald vertrieben. Ich dankte eurem Bruder, wie man einem Schutzengel dankt, wir umarmten uns, und nannten einander unsre