der hohen Eiche unweit des sausenden Stroms in den Sinn brachte, und ihn ganz leicht den redlichen Ulrich von Senden erraten liess!
lebe wohl, lebe wohl! Vaterland der Liebe! rief Herrmann, als er Deutschland verliess, werde ich dich wiedersehen? wird nicht mein Blut vielleicht in entfernten Weltgegenden unbeweint vergossen werden? mein Staub von keiner freundschaftlichen Hand gesammlet, unter fremden Winden verwehen, und Ida, Ida! was wird indessen dein Schicksal sein! Herrmann langte an dem damaligen Aufentalt der deutschen Ritter an, sein Name von Unna verschaffte ihm achtung. Man sagte ihm, er habe einen Namensvetter vielleicht einen Verwandten unter den Rittern, man nannte ihm den Ritter Johann von Unna, welcher einer von den Grosskreuzen war, sein Herz schlug stärker, aber er schwieg. Er ward dem grossen mann vorgestellt, man befragte, man erkannte sich, und die beiden Brüder lagen einander in den Armen. – Du, du warst es, den ich hier suchte! rief Herrmann, du allein zogst mich an diesen Ort! O Glück, dich so bald zu finden!
Ritter Johann drückte seinen Bruder mit nicht minderer Zärtlichkeit an seine Brust. Der Knabe Herrmann, denn als einen solchen hatte er ihn zuletzt gesehen, war ihm immer der liebste unter seinen Brüdern gewesen, so wie Agnes und Petronelle die geliebtesten seiner Schwestern: tausend fragen über den Zustand seines Hauses wurden an Herrmann getan und von ihm beantwortet, und Herrmanns Schicksale sollten erst der Gegenstand der Unterhaltung für die künftigen Tage sein. Der geistliche Ritter schien mit allem, was seinem jüngern Bruder begegnet war, unbekannt zu sein; auch nicht eine Silbe davon hatte ihm das Gerücht zu Ohren gebracht.
Herrmann hatte viel Ehrfurcht für seinen ältern Bruder, sein Stand und sein ganzes Wesen heischte sie. Er ward über die ursache seiner Ankunft in diesen Gegenden befragt; fünf Worte: Die Verfolgung des heimlichen Gerichts! wären hinlänglich gewesen, dieses zu beantworten, aber Herrmann konnte sich nicht überwinden, diese Worte zu sprechen, sich durch dieselben seinem Bruder gleich zu Anfang in einem nachteiligen Lichte vorzustellen. Er antwortete: Mein Unglück! – Ritter Johann nahm es für bekannt an, dass dieses Unglück, es bestehe nun worin es wolle, den Wunsch in ihm erregt haben würde, die Ordenskleidung zu tragen, und er versprach ihm alle Beförderung.
Herrmann schwieg. Die Brüder trennten sich. Der folgende Tag ward zu umständlicher Erklärung über diese Dinge ausgesetzt, und der Ritter von der treuen Minne sann die ganze Nacht darauf, wie er all den weiten Umfang seiner begebenheiten so ins kurze fassen, so zusammen drängen wolle, dass Ritter Johann ihn auf einmal in seinem wahren Lichte erblicke, keinen Raum zu einem augenblicklichen Zweifel gegen seine Rechtschaffenheit behalte. Herrmann wusste nicht, dass die plansten ungesuchtesten Erzählungen die vorteilhaftesten sind, er hatte zu oft das Unglück gehabt, von denen, die er liebte, verkannt zu werden, um nicht furchtsam zu sein.
Indessen waren seine Hoffnungen auf das Glück im Umgange seines Bruders, und seine Besorgnisse, wie er sich seiner vollen guten Meinung versichern wollte, gleich vergeblich. Des andern Morgens bekam er die Botschaft: Ritter Johann sei in Angelegenheiten des Ordens eilig verschickt worden, und alles, was er vor seiner Abreise für ihn habe tun können, sei nachdrückliche Empfehlung bei dem Hochmeister gewesen.
Herrmann ward dem erhabenen Oberhaupt des Ordens, Ulrich von Jungingen vorgestellt, ward wohl empfangen, man nahm es für bekannt an, dass es seine Absicht sei das Kreuz anzunehmen, man legte ihm die gewöhnlichen Bedingungen vor, es war in den damaligen zeiten noch schwerer, Zutritt zu erlangen als in den gegenwärtigen.
Der Ritter von Unna konnte sich den Aufschub einer Sache, nach welcher er eigentlich gar kein Verlangen trug, sehr leicht gefallen lassen. Ihm war es genug, erlaubnis zu erhalten, auf gewisse Art teil an den Taten des Ordens zu nehmen, und er nahm sich vor, sich bei jeder gelegenheit so zu zeigen, dass er, wenn gewisse Dinge offenbar würden, das Vorurteil für, nicht wider sich haben möge.
Unsere Urschrift sagt nicht deutlich, welches die begebenheiten unsers Ritters binnen einer Zeit von sieben Monaten waren, welche er in diesen Gegenden zubrachte, sie meldet nur, dass Herrmann sich überall wie ein kluger und tapfrer Mann erwiess, dass das Schicksal ihn sehr genau in die Angelegenheiten der beiden Jungingen des damahligen und des vorigen Grossmeisters verflocht, dass auch der diesem folgende, der bekannte Heinrich Reus, welcher nachmahls abgesetzt ward, mit ihm in Verbindungen stand, welche wenigstens ihm, unserm Herrmann Ehre machten, und dass man ursache zu glauben hatte, das Ordenskreuz könne ihm nicht lang mehr vorentalten werden, als sich eine geschichte ereignete, welche ihn auf einmal aus dem Hafen der Sicherheit hinweg riss und ihn wieder in jenes stürmische Meer zurückschleuderte, welchem er kaum entkommen war.
Herrmann hatte unter den Rittern, welche so wie er dem Orden nicht wirklich einverleibt waren, die Bekanntschaft eines Mannes gemacht, der ihn ausserordentlich interessirte; ein rauher wilder Krieger, mit den Zügen ausgestandenen Unglücks auf der Stirne, still und verschlossen gegen jedermann, nur gegen den nicht, der sich ihm durch tausend Dienste verbindlich gemacht hatte, gegen Herrmann, der ihm mehr als einmal im Streit das Leben rettete, ihn durch sein Ansehen beim Hochmeister oft gegen die Kabale seiner Feinde aufrecht erhielt, und der ihn eben aus der Ursache aufzusuchen schien, aus welcher er von andern geflohen ward, ihn