ersetzt sei. Ich sehe mich selbst als ihren Schuldner an, rief er, und o Gott, dass ich nur gleich jetzt, gleich jetzt tun könnte was mir zukommt. O Himmel! nur einen teil, nur einen kleinen teil der Güter, die du mir vielleicht in der Zukunft zugedacht hast, gern tät ich auf das Ganze Verzicht, wenn ich nur jetzt, nur jetzt! –
Junger Herr, sagte Münster nach einigem Nachdenken, ihr macht euch da ganz unnötige sorge, und ich finde es für gut, um euer Herz nur ein wenig zu beruhigen, euch ein geheimnis zu entdecken, dass selbst den Weibern nicht ganz bekannt ist. Ich bin nicht so arm als ihr denkt, so wie ich auch nie so reich war als mich die Welt vielleicht ausgeschrien hat. Ich wusste das Gerücht, das meine Feinde von meinen Schätzen ausgebreitet hatten, ich hatte es lange erwartet, dass der Kaiser anfangen würde, Versuche zu machen, sie in seine Kasse zu leiten. Mit Bereitwilligkeit hätte ich ihn eingeschläfert, hätte seine Forderungen befriedigt, so lange ich es ohne Schaden hätte tun können, und wär es zu arg geworden, so hätte ich auch dafür Mittel gewusst. Freilich, mit Borgen fängt man an, und mit Rauben hört man auf, ich weiss, wie es andern gegangen ist. An einem ehrlichen Mann kann man bald ursache finden ihn um das Seinige zu bringen; hätte ich so etwas von weiten gemerkt, so hätte ich zusammen genommen, was ich in diesem kleinen haus vergraben habe, und wär mit den Meinen davon gegangen; er hätte denn das grosse Haus, das jetzt abgebrannt ist, und das ich nicht wieder aufbauen werde, ob ich es wohl könnte, zur Schadloshaltung für den Verlust eines ehrlichen treuen Bürgers, behalten mögen.
Herrmann hörte dem Alten mit Verwunderung zu, welcher folgendermassen fort fuhr. Dass ich hier etwas Geld vergraben habe, weiss meine Frau, aber wie viel, das taugt ihr nicht zu wissen. Weib, bleibt immer Weib, ein eitles aufgeblasenes Ding, wenn ihm das Glück die Flügel wachsen lässt, und nur folgsam und demütig wenn – Und Ida? unterbrach ihn der Jüngling, den die unbilligen Lästerungen wider das Geschlecht seines Mädchens kränkten.
Mit Ida hat es freilich eine andere Bewandniss, fuhr Münster fort, und schien bei Nennung ihres Namens in ein tiefes Nachsinnen zu geraten. – Weil wir einmal von ihr reden, fing er nach einer Weile von neuem an, so muss ich euch bitten, dass ihr euch nicht wundert, wenn ihr sie inskünftige selten oder nie zu sehen bekommt. Dass ihr sie liebt, dass ihr ihr eure Liebe auf die edelste Art bewiesen habt, weiss ich, aber – ihr dürft nicht an sie denken! – Ich hoffe, ihr werdet keine Unmöglichkeiten verlangen.
Herrmann wiederholte das Wort Unmöglichkeit mit einem Tone, der ganz der Abdruck des Entsetzens war, welches ihn befiel, als er das Glück seiner Liebe mit diesem fürchterlichen Namen benennen hörte. Zwar wusste er hier selbst nicht, was er hoffen konnte und sollte, doch hoffte er, und zitterte, wenn man das schwankende Gebäude seiner dunkeln ungewissen Erwartungen antastete.
Meine Leser erlauben mir ein Gespräch zu übergehen, das sich hier zwischen dem Bürger und dem jungen Höflinge erhub, und dessen Inhalt sie erraten können.
Der Alte sprach ernstlich mit dem Jünglinge über das Kapitel von seiner leidenschaft, dieser verteidigte sie mit Gründen, welche nicht ganz unwichtig waren, er beteuerte, er sei bereit entweder Geburt, Stand und alle Hoffnungen um Idas willen aufzugeben, oder die kühnsten Schritte zu tun, um sich durch Tapferkeit (in den damaligen zeiten das sicherste Mittel der Erhebung) hoch genug zu schwingen, dass die Welt es nicht wagen dürfe, wider die Verbindung mit einer person niedrigen Standes etwas einzuwenden.
Das Urteil der Welt ist's gar nicht, was ich hierbei in Erwägung ziehe, sagte Münster, es dürfte vielleicht anders ausfallen als ihr denkt; aber – genug, ich kann euch nicht alles entdecken, es gibt hier gewisse Umstände, die – kurz ich muss darauf bestehen, dass ihr Ida nicht zu sehen strebt, und alle Mittel anwendet, eine unglückliche leidenschaft zu tödten, welche sich endlich auch in das Herz des Mädchens einschleichen, auch sie unglücklich machen könnte.
Herrmann tappte hier im Dunkeln. Münsters abgebrochene Winke waren ihm ganz unerklärlich, und er war geneigt alles für künstliche Verschleierung eines hartnäckigen Widerwillens gegen seine person anzunehmen, dessen Grund Münster nicht anzugeben wusste, und also seine Zuflucht zu Rätseln nehmen müsse.
Ein treuherziger Händedruck des Alten versicherte Herrmann vom Gegenteil. Nein, junger Herr, sagte er, ich liebe euch, liebte euch damahls schon, als ich alle eure Bemühungen, Zutritt in meinem haus zu bekommen, vereitelte, und jetzt da die Dankbarkeit mich an euch fesselt, urteilet was ich jetzt für euch fühlen muss?
Herrmann nahm die Versicherung des Alten kaltsinnig auf, er verliess ihn und fasste den festen Entschluss, Münsters Haus nicht mehr zu besuchen, und doch war er immer, ohne sich dessen bewusst zu sein, nach demselben hingezogen. Es blieb doch immer eine Möglichkeit für ihn, Ida oder ihre freundliche Mutter einmal zu sehen, auch fühlte er selbst für den harten Vater eine Zuneigung, welche es ihm unangenehm machte, seine Gesellschaft lange zu missen.
sonderbar war es, dass ein am hof herangewachsener Jüngling Geschmack an dem Umgange eines gemeinen Bürgers finden