diesen Dingen? sprach die Alte mit einem wichtigen Lächeln, ja ich glaube es euch. – Diese Chiffern heissen ohngefehr soviel, als: Veronika sei den Nikolaitinnen ohne Weigerung zu überlassen, hingegen die junge Novize N. N., welcher Sr. Heiligkeit mit besonderer Hulde zugetan verbleibe, unter einem schicklichen Vorwand zurückzubehalten.
Diesem zu folge, fuhr die Domina fort, wird die kranke Nonne, mit welcher ihr euch lang genug gequält habt, diesen Vormittag den Abgeschickten der fürstin überlassen werden; es ist gleich viel, ob sie zu Sankt Nikola oder zu Sankt Annen begraben wird. Ihr aber werdet hier bleiben, und den Tag, der euch vor allen Versuchungen der Welt und des Satans befreien wird, mit Geduld erwarten. Die Nähe eurer Einkleidung ist der schicklichste Vorwand, den man der abgeschlagenen Forderung, so weit sie euch betrift, geben kann!
Idas Herz wollte bei Anhörung dieser Worte zerspringen. Freude über die Rettung der königin, Kummer sich von ihr trennen zu müssen, und halbe Verzweiflung, dass ihr nun nichts übrig sei, als die Annehmung des Schleiers, stürmten auf sie ein, sie schwankte, und schien ohnmächtig zu werden.
Nicht doch mein Kind, sagte die Domina, welche sich herabliess sie selbst aufrecht zu halten, ihr sehet ja, dass es euren Feinden nicht gelingt! Wir wollen sie wacker täuschen. Die kranke Veronika ist offenbar nur der Vorwand euch nebst ihr in ihre hände zu bekommen; nun dann, wir gewähren ihnen was sie trüglich für das Vornehmste ihrer Forderung angeben, und behalten nur euch, nur die sein sollende Nebensache zurück. Beruhigt euch. Geht, selbst Anstalt zu Veronikas Ueberlieferung zu machen, und kommt dann zu mir zurück, ihr werdet die ganze Schwesterschaft bei mir finden, euch und mir wegen des ausgeführten Meisterstreichs Glück zu wünschen.
Ida entfernte sich weinend, kündigte der vor Freude fast betäubten Marie ihre Befreiung an, letzte sich mit ihr unter tausend Tränen, empfahl sie der äussersten Sorgfalt der Abgeschickten, und bat, beim Abschied, dass sie in ihrem Elend doch nicht ganz vergessen werden möchte. – Konnte der königin ihr Glück durch etwas verbittert werden, so war es dieses, dass sie die Schöpferinn desselben nicht mit sich nehmen, nicht die Freuden, welche ihrer warteten, mit ihr teilen konnte. – Sie versprach alles was sie wünschte, und man musste sich trennen.
Was werden die Schwestern zu Sankt Nikola, was wird unsere fürstin sagen, sprachen die Abgeschickten heimlich zu Ida, dass ihr euch so hartnäckig wegert dieses Kloster mit dem Ihrigen zu vertauschen?
Ich wegre mich? schrie Ida. – Sagt ihnen von meinen Tränen, meiner Verzweiflung, und sie werden das übrige erraten!
Neun und zwanzigstes Kapitel.
Fortsetzung der geschichte Konrads von Langen.
Kaum konnte sich Ida hinlänglich fassen um die Glückwünsche der neidischen Nonnen – (hier pflegte man einander um alles zu neiden) – und die Liebkosungen der Domina mit Anstand aufzunehmen. Sie machte sich sobald als möglich aus der Versammlung los, und eilte in ihre Zelle, ihren Tränen freien Lauf zu lassen. – O Herrmann, Herrmann! rief sie, wüsstest du, dass deine Geliebte im Begriff steht dir auf ewig entrissen zu werden! – O dass das Laster andere besorgter um mein Schicksal macht als dich die Liebe! – der Erzbischoff versuchte Dinge, die du nicht zu meiner Rettung versucht haben würdest, wird vielleicht noch Mittel genug wissen mich dem Schleier zu entreissen und in seine Gewalt zu bringen; aber du? – Doch würde ich dir auch eine gesetzwidrige Tat verzeihen können? würde ich dir folgen, wenn du mir heute die Hand zur Flucht bötest? – Ach nein! – Leider wünsche ich Rettung aus dem schrecklichsten aller Gefängnisse, ohne Mittel dazu ersinnen zu können, ohne Mut und Gewissenlosigkeit genug zu haben, mich eines jeden zu bedienen das mir der Zufall in die Hand spielen möchte. – O Herrmann! Herrmann!
Herrmann ward von Ida in ihrem Kummer so oft genennt, dass er, den wir um ihrentwillen ganz aus der Acht gelassen hatten, uns schnell wieder in den Sinn kommt; wohl ihm, wenn über der langen Beschäftigung mit andern Dingen, unsere Leser nicht gar vergessen haben, dass er gleichwohl den Helden dieser geschichte vorstellt. Um dasjenige nachzuholen, was von ihm zu sagen ist, wird es nötig sein ein ganzes Jahr in unserer Erzählung zurück zu gehen.
Mit schwerem Herzen verliess er nach der Rettung des Grafen von Würtemberg Regensburg um nach Italien zu gehen; wohin ihn sein Schicksal rief.
Sein halbes Leben hätte er darum gegeben, von seiner Ida nur einige befriedigende Nachricht mit sich zu nehmen, aber die Zeit war zu kurz Nachforschungen anzustellen. Der Graf von Würtemberg durfte und wollte seine Abreise nicht länger verschieben, die väterliche Zärtlichkeit machte ihn um Idas Schicksal lange nicht so besorgt, als Herrmannen die Liebe, er war noch nicht ganz mit ihr ausgesöhnt, wegen der vorwitzigen Schritte, die sie sich bei Belauschung des heimlichen Gerichts zu schulden kommen liess, und die ihn jetzt aus Teutschland trieben.
Auch Herrmann musste eilen, er erhielt eines Tages einen Brief, welcher nichts als diese Worte entielt: "Eile Herrmann! die Rächer treten in deine Fusstapfen!"
Der Schreiber dieser Worte war leicht zu erraten, er nannte sich in der Unterschrift, Alexius von der hohen Eiche, ein Name, der dem Ritter von Unna zu gleicher Zeit die schöne Aleke, und die Begebenheit bei