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? fragte der erste, nicht lieber gleich handeln? – Die Einkleidung wird nicht lang mehr verschoben werden, wir haben keine Zeit zu verlieren! –

Die Männer waren nicht weit von dem Orte, wo Ida sich verbarg, im Mondschein stehen geblieben, sie verstand alle ihre Reden, merkte, dass sie die person war, von welcher man sprach, und ach, erkannte das Gesicht des einen! es war einer der Reisigen des Erzbischoffs, welche sie in dieses Kloster gebracht hatten.

Sie schauerte in sich zurück, der Urheber des Anschlags war ihr nun kein geheimnis mehr, es ward ihr klar, dass ihr alter Verfolger, in der Hoffnung getäuscht, dass das elende Leben zu Sankt Annen sie für seine Wünsche erweichen würde, es nicht auf das äusserste kommen lassen, sie lieber vor der Einkleidung entführen, als die, welche er zu seiner geistlichen Tochter erkohren hatte, auf ewig verlieren wollte. – Die Männer, welche weiter gegangen waren, kamen jetzt wieder bei Idas Baume vorbei, sie nannten den Namen des Erzbischoffs, und bestärkten dadurch das zitternde Mädchen in ihren Vermutungen, die doch im grund wenig Wahrscheinlichkeit hatten. – Der Erzbischoff hatte in diesem ganzen Jahre keine Neugier merken lassen, wie sie gegen ihn gesinnt sei, und ob das Leben zu Sankt Annen sie gefälliger gemacht habe; wahrscheinlich war sie, wenn er seine Absichten noch nicht aufgegeben hatte, als Nonne noch mehr in seiner Gewalt, als im weltlichen stand; warum hatte er also ein so unheiliges Mittel, als die Entführung, ergreifen sollen, sich ihren Besitz zu versichern?

Ida bedachte das nicht, sie nahm den Augenblick wahr, da ihre Entführer auf der entgegengesetzten Seite des Kirchhofs wandelten, schlüpfte schnell in den Kreuzgang, warf die Tür hinter sich zu, und gelangte fast ausser Atem bei der königin an, welche zwar über ihr Ausbleiben, welches länger als eine Stunde gedauert hatte, befremdet war, die aber doch, wie wir gesehen haben, der Sache nicht weiter nachforschte, sondern sich von ihr die Schriften vorlesen liess, welche Ida über die letzte Begebenheit fast aus der Acht gelassen, aber zum Glück sie doch fast maschinenmäsig mitgebracht hatte.

Ida las. – Das Schicksal der unglücklichen königin machte doppelt starken Eindruck auf sie, wenn sie bedachte, wie man darauf sönne, der erhabenen Leidenden auch ihren letzten Trost zu rauben. Was sollte aus Marien werden, wenn diejenige von ihr genommen würde, welche jetzt ihr ganzes Schicksal in Händen hatte? was würde aus ihr geworden sein, wenn sie diese Nacht von ihren Verfolgern entdeckt, davon geführt, und von der Kranken vergeblich erwartet worden wär?

Mit Mühe hatte die gräfin so lange als die königin wachte das Uebermaas ihrer Gefühle unter der Hülle der Rührung über das Gelesene verborgen, jetzt da diese schlief, liess sie ihren Empfindungen freien Lauf, und erlag fast unter der Vorstellung desjenigen, was ihr und ihrer königlichen Freundinn bevorstand.

Wenn nur erst der Tag der heiligen Nikola vorbei wär, sagte sie zu sich selbst, dass ich Mariens geheimnis entüllt und ihr Schicksal sicher gestellt hätte, mich selbst sollte dann, wenn andere hülfe zu lang zögerte, wenigstens die Beschleunigung meines Gelübdes schützen. Lieber ewig eine Bewohnerinn dieses abscheulichen Klosters, als die Matilde dieses Gregors!

Ida schlich ans Fenster, um zu sehen, ob ihre Verfolger noch auf dem Kirchhofe weilten. Alles war stille, doch entging ihr nicht die Bemerkung, dass die Ausführung eines klug ausgedachten Anschlags hier nicht unmöglich sei. Die Fenster waren nicht allzuhoch über der Erde, die Stäbe hier und da vom Rost gefressen, auch konnte sie von oben herab bemerken, dass die Mauer hinter dem Baume, unter welchem sie diese Nacht Schutz fand, schadhaft und nicht schwer zu übersteigen sei.

Ach, Flucht wär bei einer Kühnheit vielleicht ihr selbst möglich gewesen, aber wo liess sich bei Mariens Schicksal, das an das ihrige gebunden war, nur so ein Gedanke fassen!

Sieben und zwanzigstes Kapitel.

Ida hat Anfechtung.

Die gräfin wandte den übrigen teil der Nacht an, ihre Entschlüsse zu fassen, und der Morgen war nicht so bald angebrochen, als sie zu der Aebtissinn eilte dieselben auszuführen Sie meldete die Begebenheit jener Nacht mit Auslassung der Umstände, welche der Leser erraten wird, auch hütete sie sich den Namen des Erzbischofs zu nennen. Es war ihr noch im Gedanken, was sie aus dem mund des neuen16 böhmischen Predigers in Prag oft von dem Leben der Geistlichkeit, und dem geheimen Einverständniss der Nonnen mit ihren geistlichen Obern gehört hatte, sie wusste nicht, wie weit man hier die Anschläge, welche sie dem Erzbischof zutraute, begünstigen würde, und liess es also bei der allgemeinen Nachricht.

Sie ward sehr wohl aufgenommen, man freute sich, dass Ida doch noch endlich ein Gefühl ihres Berufs zum Klosterleben zeigte, und ermahnte sie zur Beständigkeit. – Es ward Anstalt zur Besserung der Klostermauer gemacht, und man hielt es für gut die Wärterinn nebst ihrer Kranken aus dem gefährlichen Zimmer hinwegzunehmen, welches sie bisher bewohnt hatten, und ihnen ein besseres einzuräumen.

Die Gnade, welche die gräfin sich durch diesen Zug erworben hatte, war so gross, dass auch Marie derselben genoss, es geschah mehr zu ihrer Erquikkung als Ida die ganze Zeit über von dem Geiz der Nonnen hatte erlangen können.

Der Tag der heiligen Nikola brach an. Idas Herz schlug stärker. – Die Nonnen des benachbarten Klosters erschienen. Marie, welche jetzt so viel Kraft hatte