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eine Barbara neben sich auf den Tron zu heben, hat mich in diesen Zustand gebracht. Gott verFeindesliebe, was mich so denken lehrt, aberer weis, ich bin ein Mensch, habe menschliche Empfindungen. O nur im grab ist Ruhe für meinen Gram! – Gott lob, stille Ruhehöle, du bist nun zu meinem Einzuge bereit! Nimm hin das einige, was ich auf der Welt habe, meine Geheimnisse und meine Tränen, bald wird auch mein abgezehrter Körper folgen, aber mein Geist wird triumphirend über dir schweben und ich werde glücklich sein!

sechs und zwanzigstes Kapitel.

Abenteuer auf dem Kirchhofe.

Man stelle sich Idas Empfindungen bei Lesung dieser traurigen Blätter vor! – Sie hatte die erhabene Leidende vor sich, von welcher sie handelten, sah die Züge des Grams und des hier beschriebenen Elends auf ihrem majestätischen Gesicht, kannte zum teil die Urheber ihrer Leiden; was für Umstände eine Rührung bei ihr hervorzubringen, welche der kalte Leser nicht gefühlt haben kann!

Marie schien weniger von der Erinnerung an diese Dinge gelitten zu haben, das vornehmste ihres Kummers der Verlust ihrer Tochter und ihrer Freundinn war ja, wie ihr Ida versicherte, nur ein Traum gewesen, sie sollte ja diese Lieben wiedersehn! Liebe für den undankbaren Siegmund und Verdruss über die Erhebung ihrer Feindinn, waren durch die Zeit geschwächt worden, das vornehmste, was sie zu betrauren hatte, waren verlorne Jahre und geschwächte Kräfte des Geistes und des Körpers; Dinge, die sie in ihrer gegenwärtigen Verfassung nicht lebhaft genug fühlte, um sich darüber zu grämen. Sie lag ruhig auf ihrem Bette, und tröstete die weinende Ida, welche oft die Schrift hinweglegen musste, um ihren Tränen freien Lauf zu lassen.

Ida hatte noch eine, noch manche verborgene ursache Tränen zu vergiessen, ausser dem Mitleide gegen die, deren geschichte sie eben gelesen hatte. Ihre Hoffnung zu Mariens, zu ihrer eigenen Rettung war weit schwächer, als sie sie der königin vorstellte.

Die Kranke war nicht so stark, als sie sich bei den neuen Empfindungen der Ruhe und der Hoffnung hielt. Bis zu dem Besuch der heiligen Nikola sollte noch mancher Tag verfliessen. Es waren Zufälle möglich, die der gräfin allein bewusst waren, und die das ganze Gebäude ihrer Plane zerstören konnten, was für Stoff zu Besorgnissen für die bekümmerte Ida!

Indessen war Marie doch auch nicht ganz ohne Kummer. Die ängstliche Andacht, wie sie zu Sankt Annen gelehrt und von dem besseren teil der Klosterfrauen geübt wurde, hatte die Begriffe der königin von Recht und Unrecht unendlich verfeinert, sie fing an sich Gedanken darüber zu machen, dass Ida durch sie ihren Stand erfuhr, nannte sich eine Eidbrüchige, und klagte über Verletzung ihres Gewissens!

Ida stellte ihr vor, dass sie eigentlich nichts gestanden habe, dass fast alles nur von ihr erraten worden sei. Und hättet ihr, setzte sie hinzu, hättet ihr es leugnen wollen, wer ihr seid, wie ihr dennoch auch nicht ohne Gewissensverletzung hättet tun können, so würde ich doch bei meiner Meinung geblieben sein, und jeden Schritt getan haben, den ich jetzt tun werde. – Glaubt ihr, dass eure zärtliche Freundinn, die fürstin Gara, nicht auf die kleinste Möglichkeit euch zu treffen herbei geeilt sein, und euch erkannt haben würde? würde das Herz eurer Tochter, wenn man sie zu euch gebracht hätte, ihr nicht den Namen ihrer Mutter genannt haben? – Und Herzog Albrecht, euer künftiger Sohn, der so sehr um euch besorgt ist, würde er nicht, ihr hättet gestehen oder leugnen mögen, Himmel und Erde bewegt haben, euch wieder in eure Rechte einzusetzen und eure Feindinn zu stürzen?

Mich in meine Rechte einzusetzen? Barbara zu stürzen? rief die königin. Nein Ida, das verlange ich nicht, es wär sündlich es zu verlangen, denn hierauf habe ich in meinem Eide vornemlich Verzicht getan. Auch ist die Liebe für Siegmund zu sehr erloschen, der Hass gegen meine Feindinn zu sehr durch Dankbarkeit gegen Gott meinen Retter getilgt, als dass ich diese beiden trennen sollte. Könnte mich etwas dazu bewegen, so wär es sorge für Siegmunds Glück, welcher unbesorgt an der Seite einer Tiegerinn ruht, und endlich auch von ihr könnte zerfleischt werden. Doch nein, Barbara liebt ihn, beging ihm zu Liebe so manches Verbrechen, wie sollte sie ihr eigenes Gebäude zerstören, und auf das Verderben ihres Lieblings denken. Nein, Siegmund ist sicher vor ihren Tücken, auch kann sie sich dereinst bessern, hat sich vielleicht schon gebessert, und ich kann ruhig den Plan ausführen, den ich mir zu meinem Glück gemacht habe. Höre, worin er besteht. Ich werde nach Sankt Nikola gebracht werden, werde meine Rosa, bald darauf auch meine Elisabet wiedersehen. Bin ich stark genug, die schweren Scenen der Freude, die mir hier bevorstehen, zu überleben, so steht mir noch ein Glück bevor, ich werde Herzog Albrechten, meinen teuren unbekannten Sohn, meinen Retter umarmen. Ja er ist es, er ist mein Retter! ohne ihn hätte ich meine Ida, meine Aerztinn, meine Trösterinn, meine Befreierinn nicht kennen gelernt, – er schickte mir sie zu hülfe! – Ich lebe dann im Schoos meiner Lieben ganz ruhig zu Sankt Nikola, bis Albrecht Elisabets Gemahl wird, dann folge ich meinen Kindern verborgen, ganz verborgen nach Oesterreich; ein ruhiges Kloster nimmt mich auf, täglich besuchen mich meine Teuren, und ich sterbe einst froh in ihren