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ich werde selig sein wie ihr!

Ihr wisst den Tag, da ich nach Sankt Annen kam, niemand kannte mich als eure Aebtissinn, die nun auch unter jenem Hügel ruht, und einer andern Platz gemacht hat, welche mich nicht kennt. Ich danke Gott dafür, dass ich ihr und euch allen unbekannt bin. Gott kennt mich, das ist mir genug!

Doch auch ihr sollt einst wissen wer ich war, und durch meine geschichte Menschlichkeit gegen Unbekannte lernen. – Ich war die gemahlin eines grossen Königs, ich wage es nicht seinen Namen zu nennen, ihr könnt ihn raten. – Mein Gemahl liebte mich nicht. – Er war mein alles auf der Welt, ich hatte jeden verloren der meinem Herzen nahe war, hatte meine Mutter auch auf eine schreckliche Art verloren; doch liebte er mich nicht, dachte nicht darauf, mir das verlorne zu ersetzen. Ich war nicht schön, war schwermütig, andere waren schön und froh; die Hand des Unglücks hatte sie noch nicht getroffen und ihren Reiz verheert; dies war mein Verbrechen! –

O Barbara, Barbara! du triebst mich aus den Armen meines Gatten, aus dem Schoosse meines väterlichen Hauses. – Ich kam nach Sankt Nikola einer unglücklichen Waise das Leben zu geben, und dann zu sterben! – Noch hatte ich eine Freundinn, Rosa war ihr Name, sie begleitete mich nach Sankt Nikola, mir in der Stunde des Leidens und des Todes beizustehen. – Auch dieser Trost war mir entzückt! – Meine Rose neigte sich zu welken, ehe der Augenblick kam, da sie mir Erquickung zuhauchen sollte!

Ach die fürstin Gara war eine schöne lieblich blühende Rose, war meine Mutter, meine Schwester, meine Freundinn, und auch sie musste ich verlieren! Ich glaubte es nicht, dass diess geschehen würde; trauerte nur darüber, dass sie eben jetzt leiden musste, so dass weder ich ihr noch sie mir zu helfen vermochte. –

Barbara kam, ich kannte ihre Tücke noch bei weitem nicht so wie jetzt. – Sie brachte mir Befehl von meinem Gemahl, Sankt Nikola zu verlassen und zu Sankt Emri meine Niederkunft zu erwarten. Ich gehorchte, ich war das Gehorchen gewohnt.

Barbara stand in der Stunde des Leidens allein an meinem Bette. Sie war hart und grausam gegen mich Einsame, versagte mir die Stärkungen, derer auch die Geringsten geniessen. Ich gab einer Tochter das Leben, ich dachte an meine unglückliche Mutter, und nannte sie Elisabet.

Ich sah dem tod entgegen, ich sehnte mich nach seinen kühlenden Schatten; nur meine Tochter machte mir Kummer. – Barbara trat zu meinem Bette, ihr blick war milder als zuvor. Sie sagte mir, das ich sterben würde, und fragte wem ich Elisabets hülflose Kindheit anvertrauen wollte. – Meinem Gemahl und der fürstin Gara, sagte ich! – Warum nicht mir? fragte sie mit wütender stimme.

Sie streckte ihre Hand nach dem kind aus, das ich in meinem Armen hielt. Ich erhob ein Geschrei, welches meine Kräfte zu übersteigen schien, es war die letzte Anstrengung der erschöpften natur.

Wir waren nicht so einsam als Barbara meinte. Eine Nonne trat herein, und fragte nach meinem Begehren. – Hier, schrie ich, nehmt dieses Kind, und tragt es zu König Siegmunden. Die Nonne schien mich nicht zu kennen, Barbara hatte meine Bedienten entfernt, und mich hier für ein gemeines Weib ausgegeben. – Wird mir der König auch ohne Beglaubigung trauen? fragte die Klosterfrau.

Ich bin Marie, Siegmunds gemahlin, schrie ich, und diess ist seine Tochter!

entfernt euch heilige Frau, sagte Barbara mit sanfter stimme, ihr sehet, dass die Unglückliche raset.

Die Nonne schüttelte den Kopf, nahm das Kind aus meinen Armen und forderte nochmals Beglaubigung.

Die Nonne trug das Kennzeichen ihres Klosteramts, ein Schreibzeich an der Seite, ich forderte den Griffel, und quälte mich diese Worte zu schreiben!

"Siegmund nimm dich meines Kindes an, und überlass es der fürstin Rosa Gara!"

Die Nonne wollte sich entfernen! Halt! schrie Barbara, ich bin hier die Stärkste, es ist um dein Leben getan, wo du mir nicht schwörst nichts von dem bekannt zu machen was du hier gesehen und gehört hast. Ich werde das mir Anvertraute mit meinem Blute behaupten, erwiderte die heldenmütige Nonne. – Närrinn! schrie Barbara, niemand denkt es dir zu rauben, tue mit dem kind was du willst, nur im übrigen, Verschwiegenheit!

Ich rief der Nonne zu, zu gehorchen, und sich dann mit meiner Tochter eilig zu entfernen. Niemand war hier, der sie vor Barbaras Wut hätte schützen können, die andern Nonnen waren in der Vesper, waren vielleicht meiner Tyranninn heimliche Freundinnen. – Barbara sagte ihr einen der fürchterlichsten Eide vor, sie schwur und entrann aus dem Zimmer!

Ich war nun mit Barbara alleindochvor diese Dinge sei ewig ein Vorhang gezogen! – Ich ward noch diesen Abend aus Sankt Emri nach dem Annenkloster gebracht, wo Barbara mehr Macht zu haben schien als dort. Sie begegnete mir grausam wegen dessen was ich mit Elisabet getan hatte, sie drohte dem Leben des unschuldigen Kindes; sagte, nichts sollte im stand sein es zu retten, wenn ich nicht eine Gelübde tät, das sie mir vorsagte. – Ich war schwach, sehr schwach, gelobte alles was sie wollte, gelobte das Gerücht von meinem tod zu begünstigen, ewig in den Augen