nach Sankt Nikola bringen zu lassen, um in der dasigen gesunden Luft eher zu genesen oder ruhiger zu sterben. –
Sie ward mit Ungestüm abgewiesen! – Man fragte sie, ob ihr die Lust zu wandern von neuem ankäme?
Ich bitte nicht für mich, antwortete Ida, nur für die Kranke, man vergönne mir, sie dort hinzubegleiten, und nachdem ich den dasigen Wärterinnen gesagt habe, wie sie zu behandeln ist, in dieses Kloster zurückzukehren, das ich in Demut als den Ort meiner Bestimmung erkenne Die Aebtissinn meinte, an dem Leben der elenden Veronika sei nicht so viel gelegen. Ida merkte, dass Marie hier wirklich nicht unter ihrem wahren Namen bekannt sei, wagte es nicht, sie zu entdecken, und ging traurig nach der königlichen Kranken zurück.
Fünf und zwanzigstes Kapitel.
Die Schwester Veronika.
Die gräfin widmete sich ganz der Wartung der erhabenen Marie. Das Schicksal erleichterte ihr dieselbe. Eine der noch übrigen Kranken starb, die andern genassen, und Ida konnte alle ihre Zeit für die königin verwenden.
Man dachte im Kloster menschlich genug, sie hierinn nicht zu stören, ihr Noviciat war bis auf wenige Monate verflossen, sie hatte sich untadelhaft in demselben verhalten, und es war wider die Regel, am Ende der Probezeit noch auf neue Lasten für die künftige Schwester zu sinnen.
Ida sann Tag und Nacht, wie sie Mariens Schicksal verbessern und sie in Elisabets arme bringen könne, ihre vornehmste Hoffnung beruhte auf dem Besuche der heiligen Nikola, den dieselbe, wie dem Leser bekannt ist, jährlich bei ihrer ältern Schwester Sankt Annen abzulegen pflegte, und der nunmehr in wenig Wochen gefällig war. Sie wusste, dass die Prozession diesesmahl nicht so feierlich sein würde wie des vorigen Jahrs, aber es war doch möglich, dass sich unter den Begleiterinnen der Heiligen eine von den Nonnen jenes Klosters befand, die sie vorzüglich liebte, und durch die sie der fürstin Gara ein vertrautes Wort zuentbieten konnte.
Die königin erholte sich unter ihrer liebreichen Pflege; Ida stärkte sie mit umständlicher Erzehlung der Dinge, die ihr Freude machen konnten, und gab ihr teil an ihren Hofnungen. Marie lernte jetzt wieder hoffen, sie glaubte so viel verloren zu haben, fand so viel wieder, wie hätte sie nicht hoffen sollen?
Ida wusste aus der Erzählung der fürstin Gara viel von den Schicksalen der unglücklichen königin, aber der letztere teil derselben blieb ihr noch immer ein Rätsel. Niemand konnte es ihr lösen als Marie selbst, aber wie sollte sie einer todtschwachen person eine Erzählung, wie einem gekränkten Herzen die Erneuerung seiner Leiden zumuten! – Sie schwieg und verschloss ihr Verlangen bescheiden in ihrem Busen, doch konnte es den Augen der sie liebenden königin nicht ganz entgehen.
Ich sehe was du wünschest, meine Ida, sagte sie einsmals, und Gott lob, dass ich dir willfahren kann, ohne mich selbst dabei aufzuopfern, du sollst alles wissen, ich habe es schriftlich verfasst, ach die Feder war ja mein einiger Trost in dieser traurigen wohnung! ich freute mich meinen stummen Schmerz doch auf einige Art reden zu lassen, doch ein Denkmal meiner Leiden zurück zu lassen, damit ich dem ungeheuren Strom von Tränen, der auf dieser Welt geweint wird, die meinigen nicht ganz verschlungen, ihre Spur nicht gänzlich ausgetilgt würde!
Und wo soll ich dies kostbare Dokument von den Leiden einer Heiligen finden? fragte Ida. –
Es gibt in diesem Kloster nur einen Ort, der der boshaften Neugier heilig ist! – erwiderte die königin, dort habe ich mein trauriges Tagebuch verborgen. – Das Grab verhüllt meine Geheimnisse! – Ich grub mir nach hiesiger Sitte meine Ruhehöle selbst, besuchte sie oft, netzte sie mit meinen Tränen und vertraute ihr meine Leiden, du wirst den Ort mit leichter Mühe finden, das Kreutz mit dem Namen Veronika kann dich nicht täuschen, der Mond zeigt dir den Weg.
Es war Mitternacht, alles ruhte im Kloster, und Ida eilte nach dem Kirchhofe. Marie harrte ihrer lange, endlich erschien sie. Du bist lang geblieben, mein Kind, sprach die königin. – Das Grab war eingesunken, erwiderte die gräfin mit etwas erschrockenem Ton, es kostete mir Mühe das Kästchen mit der Schrift zu finden, auch weinte ich im Vorübergehen am grab der kürzlich verstorbenen Schwestern einige Tränen!
Setze dich, und lies, sagte Marie, vielleicht dass mir meine Leiden erträglicher dünken, wenn ich sie durch deine sanfte stimme höre, und ach, sie sind ja vergangen, und mir lacht, o Gott, so unvermutet! noch diesseit des Grabes einige Hoffnung!
Ida las. Die Schrift war sorgfältig in Blei gehüllt und wohl conservirt.
Tagebuch der königin Marie.
Ja Schwestern, ich war einst eine königin! die arme von euch so verachtete Veronika trug einst eine Krone. – Heil mir! wenn diese Buchstaben vor eure Augen kommen werden, so sind die Leiden, die mir das Diadem brachte, und die Freuden, die ich vergeblich von ihm hoffte, vergessen, der Traum ist geträumt und ich bin zum Leben erwacht. Auch das letzte Ueberbleibsel von mir, dies kleine ruhende Häufchen Asche, auch dies wird erwachen, wird eben so froh erwachen, als eure Gebeine, und wir werden alle Freundinnen sein!
Schwestern, das hoffe ich gewiss! Ich war keine böse königin, weder Blut noch Tränen haften an meiner Krone als die meinigen. Ich kann meinem Richter froh entgegen gehen! – Ich werde selig sein, Gott,