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anging, und mit Anbruch des Tages endigte; dort hatte das Gerücht von dem Unglück ihrer Eltern das fromme Mädchen getroffen; und der gute Engel, der sie vor ihrem eigenen Verderben vorüberführte, brauchte sie nunmehr zum Mittel, auch die andern zu trösten, und sie mitten im Unglück den höchsten Grad von Freude fühlen zu lassen.

Herrmann war zu sich selbst gekommen, man stellte ihm die lebende Ida vor, die ihm ganz so dankte, wie das, was er für sie getan hatte, es verdiente. Er blieb in dem haus ihrer Eltern, sie ward seine Wärterin, und ob seine Liebe dadurch genährt, und die ihrige angefacht wurde, lässt sich denken.

Achtes Kapitel.

Herrmann bekommt Rätsel zu hören.

Herrmanns Wiedergenesung und der Wohlstand brachten ihn aus Münsters haus. Er erschien wieder vor dem Kaiser, der sich wenig um ihn bekümmert hatte, und ihn jetzt über sein Abenteuer mit dem Bürgermädchen höhnte. Dem Beispiel des Herrn folgten die Diener, und Herrmanns und Idas Liebe ward das Märchen vieler Tage. Nur Sophie war edel genug Herrmann nicht zu höhnen, ihn nicht wegen dessen, was er für das schöne Bürgermädchen getan hatte, zu verachten. Ein Funke von jener schnell gefassten Zuneigung für Ida, welchen andere Gedanken und die Fürstin von Ratibor eben so schnell unterdrückt hatten, glimmte noch in ihrem Herzen, sie hörte von dem Unglück ihrer Eltern mit Rührung, freute sich der Rettung des jungen Mädchens, und trug Herrmannen auf, der herabgekommenen Familie ein Geschenk zu überbringen, welches nach dem wenigen, was Sophie in Händen hatte, ansehnlich genug war. Herrmann war entzückt seine geheimen Wünsche erfüllt zu sehen; Idas gestürztes Glück nagte an seinem Herzen, er sah das Kleinod, das er von ihr in ihren bessern Tagen erhielt, mit Wehmut an, hielt es für Pflicht es ihr jetzt zurück zu geben, und da ihm dieses unmöglich war, so beraubte er sich alles dessen, was er von einiger Kostbarkeit hatte, und dessen sehr wenig war, um ihr den Wert dessen, was sie gab, nur einigermassen zu ersetzen. Er legte es zu dem Geschenke der Kaiserin, um ihm unter diesen erhabenen Namen eine willige Aufnahme zu verschaffen. Der besorgte Jüngling hatte noch andere Gedanken. Er erinnerte sich an das Darlehn der Münsterin, er wusste, dass der Kaiser noch viel von Herzog Viktors Geldern übrig hatte, und er war kühn genug, ihn an die Erstattung des Geborgten zu erinnern; eine Freiheit, welche sehr übel aufgenommen wurde, und vielleicht den ersten Grund zu Wenzels Kaltsinn gegen seinen ehemaligen Liebling legte.

Hat man euch aufgefordert, dieser armseligen Kleinigkeit gegen mich zu gedenken? fragte der Kaiser mit finsterm Blicke. Nein, sagte Herrmann, im Gegenteil hab ich alle ursache zu glauben, dass die guterzige Münsterin die Absicht hatte ihrem Herrn nicht ein Darlehn, sondern ein Geschenk zu geben; aber diese Grossmut, ist sie nicht die grösste Aufforderung – – Und, fiel ihm Wenzel ins Wort, sagtet ihr mir nicht von einer freien Bitte, welche sich das Weib, als sie mir das Geschenk sandte, vorbehielt. Herrmann bejahte. Nun gut, fuhr der Kaiser fort, so wollen wir warten bis sie mit dieser Bitte einkömmt, und bei meinem kaiserlichen Worte, es soll ihr nichts

Abgeschlagen werden, wollte er sagen, aber die Furcht, sich zu etwas verbindlich zu machen, das er vielleicht keine Lust haben mochte zu halten, hiess ihn abbrechen, und ein halb unwilliger Wink mit der Hand deutete dem Jünglinge an sich zu entfernen.

Herrmann machte sich auf den Weg nach Münsters kleinem Haust, er trauerte, dass er seine und Sophiens Gaben nicht auf die Art hatte vermehren können, wie er wünschte. Wär er Kaiser gewesen, keine Summen hätten ihn zu gross gedünkt, die Gutwilligkeit der ehrlichen Münster in zu vergelten.

Er fand Idas Vater diesmal allein. Bekümmert, dass sein Opfer nicht so gross war als er gehofft hatte, legte er ihm das vor, was er ihm im Namen der Kaiserin zu liefern hatte. – Münster sah nachdenkend vor sich nieder, und Tränen kamen in seine Augen! Sie ist eine edle Frau, sagte er, eine wahre Mutter des volkes; das was sie an mir tun will, tut sie an tausend Unglücklichen, sie entzieht sich das wenige, was ihr Wenzels Geiz überlässt, um andern zu helfen. O dass ihr Einfluss auf unsern Herrn nicht so gross ist, als wir hofften! – und doch spürt man in manchen Stücken Linderung, und das Land hasst ihn weniger, um des Engels willen, den er ihm zur Fürstin gab.

Herrmanns Herz war noch voll Erbitterung gegen den Kaiser, und er konnte sich nicht entbrechen, dem alten Münster den ganzen Auftritt zu erzählen, den er diesen Tag mit ihm gehabt hatte.

Ihr habt übel getan, sagte der Alte. Wer Kaiser Wenzeln etwas leihet, gedenkt gewiss nicht an die Erstattung, und was meines Weibes freie Bitte anbelangt, so wollte ich, dass ihr euch nicht damit einliesset; die Weiber haben zuweilen wunderliche Einfälle, und sollte sie eine Sache fordern, die dem Kaiser kein Geld kostet, und die er ihr also bewilligte, so könnte ihr das erlangte vielleicht mehr Schaden als Vorteil bringen.

Herrmann liess den letzten teil dieser Rede unbeantwortet, und schwur, er würde nicht ruhen bis das Darlehn, das er aus den Händen der guterzigen Frau für den Kaiser erhalten hätte,