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andern selbstgewählten Sicherheitsort begeben. Aber, nein, ich will meinem Entschluss treu bleiben, will Herzog Albrechts Aufträge ausrichten, und dann erst an mich selbst denken.

Ida reiste ab. Der Weg nach Sankt Emri war nicht klein genug um so wie die schöne Wanderinn wünschte zu fuss unternommen zu werden; sie bekam einen Wagen. Sie bat um die Begleitung einer der Klosterjungfern, aber man antwortete, der Bischoff habe dieses verboten. Seine Macht ist immer noch gross genug, dachte Ida, als sie den Klosterberg hinabfuhr, und der Wagen in das Tal einlenkte, welches Sankt Nikola und Sankt Annen von einander trennte.

Sie erblickte in der Ferne einige Gewappnete, die gegen ihren Wagen daher zogen; ihre Anzahl war zu klein, ihr Wesen zu friedlich, als dass sie sich über diese Erscheinung hätte beunruhigen sollen. –

Sie kamen näher. Ida erkannte die Rüstung, die sie des vorigen Tages an den Reisigen des Erzbischoffs gesehen hatte. Ein kalter Schauer überfiel sie; so wenig ihrer Freunde, so schwach sie auch sein mochten, sie war doch eine einzelne Dame allemahl unfähig sich zu widersetzen, wenn hier Absichten auf sie statt haben sollten.

Einer von den Reutern, ein alter Mann mit einem ehrlichen Gesicht, nahte sich dem Wagen. Wir sind gesandt euch zur Begleitung zu dienen, sagte er.

Zur Begleitung? wiederholte sie, wohin? –

Wohin ihr gedenkt. Ins Kloster! –

Gewiss gewiss ins Kloster? fragte Ida Ich beschwöre euch, Alter, sagt mir die Wahrheit.

So wahr mir Gott helfe und die heilige Jungfrau! erwiderte er mit auf die Brust gelegter Hand, und einer Miene voll frommer Einfalt.

Ein ehrliches treuvolles Gesicht hat die Kraft, jeden Argwohn zu stillen. Ida glaubte, was man ihr sagte, und beruhigte sich. Auch hatte sie nicht Zeit lang über ihr Schicksal ungewiss zu sein, denn die Reise war eher geendigt als sie glaubte. Der Weg nach Sankt Emri war weit, und gleichwohl hörte sie, dass einer ihrer Begleiter sagte: Wir sind bald an Ort und Stelle, dort unten erheben sich schon die Klostermauern.

Ida beugte sich heraus und sah die Spitzen von Sankt Annen. Wohin bringt ihr mich! schrie sie, – Ins Annenkloster, wir habens euch schon gesagt. – Ich verlange nach Sankt Emri! dazu haben wir keinen Befehl! –

Ida wollte aus dem Wagen springen, der Alte, mit welchem sie anfangs sprach, hielt sie zurück. Sie schalt ihn einen Verräter, ohne zu bedenken, dass sie ihn nicht nach dem Namen des Klosters gefragt habe, und denselben also auch nicht hatte erfahren können. – Der Alte beteuerte, dass er ihr ihn nicht absichtlich verschwiegen habe. Warum hätte ich es tun sollen? sagte er, ihr waret doch in unserer Gewalt und mustet dahin folgen, wohin es uns befohlen war, euch zu begleiten.

Ida lehnte sich zurück, und weinte. Der Wagen fuhr zu den geöfneten Klosterpforten ein, die bekannten Gesichter der verdrüsslichen Nonnen kamen zum Vorschein. Die gräfin musste aussteigen, und befand sich wieder an dem Orte, den ihr der Aufentalt von wenig Wochen schon so zuwieder gemacht hatte, und den sie jetzt nicht hoffen durfte so bald zu verlassen, als da sie ihn zum ersten mahle sah.

Sie ward vor die Aebtissinn geführt. Willkommen, gräfin, sagte sie. Ich sehe die Nonnen zu Sankt Nikola haben einerlei Schicksal mit uns gehabt, ihr seid ihrer schnell überdrüssig worden. – Doch scheint es, der Vorteil ist auf unserer Seite, wir werden zum zweitenmahle besucht, und jene auf immer verlassen.

Auf immer? fragte Ida. –

Wenn ich den Worten des Erzbischofs trauen darf! – Ihr werdet euch gefallen lassen, die Probezeit bei uns zu halten, und dann soll es euch erlaubt sein, in unsern Orten zu treten, und teil an allen Rechten und Freiheiten zu nehmen welche wir geniessen. –

Ich bin nicht gesonnen den geistlichen Stand zu wählen, wenigstens nicht in diesem Kloster. –

Ida, ihr nötigt mich Dinge zu sagen, welche euch nicht gefallen werden; soll ich laut davon sprechen, dass ihr von der heimlichen Acht verfolgt werdet, dass euch kein anderes Rettungsmittel für euer Leben übrig ist als das Kloster! Keine von meinen Fräuleins wird euch Schwester nennen wollen, wenn dieses kund wird. Solche Personen, wie ihr, gehören in die Klöster der Büssenden. Dankt es der Gnade des Erzbischoffs, dass er euch retten will, dass er von diesen Dingen schweigt, auch mir geboten hat zu schweigen, ich fürchte, ihr würdet sonst selbst in diesen heiligen Mauren nicht sicher sein!

Ida konnte mit nichts antworten als mit ihren Tränen. Die Domina hielt dieses für Tränen der Busse, versicherte sie ihrer Gnade, und reichte ihr ihre Hand zum Kuss; ein Zeichen, dass sie schon von ihr als eine der Unglücklichen angesehen wurde, welche unter ihrem geistlichen Scepter standen.

Die geschichte meldet nicht, ob Ida sich bei dieser gelegenheit gebührlich betrug, und wir haben billige ursache daran zu zweifeln. Das Unglück, das sie jetzt betraf, war ihr noch zu neu, dass sie sich darin hätte schicken, oder sich gutwillig vor ihrer strengen Oberinn demütigen sollen.

Ach, seufzte sie, als sie auf ihre Zelle kam, ich Törinn, dass ich glauben konnte, die Beleidigung eines geistlichen Fürsten würde mir ungestraft hingehen! ich Törinn, dass ich die guten Nonnen zu Sankt Nikola verliess