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aus jedem andern.

Wir haben noch nicht gelegenheit gehabt mit unsern Lesern über die person und das Wesen Bischoff Subinkos umständlich zu sprechen, und auch jetzt sind wir nicht gesonnen von ihm, der nur eine Nebenperson in unserer geschichte vorstellt, etwas mehreres zu sagen, als dass es gewiss das erste mahl in seinem Leben sein mochte, dass er von einer so reizenden Dame wie Ida mit Ungeduld erwartet wurde. Man stelle sich in ihm einen kleinen rotäugigten Alten vor, an dem nichts ehrfruchterweckendes war als die Insul, die seine grauen Haare deckte, einen Mann, der zu seinen zeiten für fromm und gelehrt gehalten wurde, aber im grund nichts besass als altägliche Mönchstugend und Mönchsverstand, einen Greis ohne Charakter, ohne Sitten, kurz ohne alles was die Jugend liebenswürdig und das Alter erträglich macht.

Endlich erschien er zu Sankt Nikola, liess sich ehr bei der gräfin als bei der Domina und der fürstin Gara melden, und ward von ihr mit der gewöhnlichen Holdseeligkeit empfangen, die alle ihre Handlungen begleitete, und die diesesmahl durch das Vergnügen über seine endlich erfolgte Ankunft noch erhöht ward.

Endlich, endlich, rief sie, kann ich meine Bitte um Befreiung aus Sankt Nikola, selbst bei euch anbringen!

Befreiung? erwiderte er, ich habe davon gehört! Ihr seid veränderlich! Diess ist schon das zweite Kloster, das ihr während eures kurzen Aufentalts in dieser Gegend überdrüssig werdet! – Ei ei! was wollte werden, wenn euch Gott für euer ganzes Leben zum heiligen Klosterstand berufen hätte!

Ich hoffe, das hat er nicht! erwiderte Ida lächelnd.

Aber wenn nun? wenn nun, meine Tochter? –

Ida erschrack; ein solches Wort aus dem mund des Erzbischoffs von Ungarn und Böhmen, mit einem solchen Tone gesprochen, konnte ihr nicht gleichgültig sein!

Und dies wär leicht möglich, fuhr der Erzbischoff fort, die Sachen eures Propheten zu Prag stehen sehr übel, unser heiliger Vater hat ihn und alle seine Anhänger in den Bann getan, mit Mühe ist er dem Scheiterhaufen entkommen, den er aber, so Gott will, dessenohngeachtet Zeit genug finden soll!

Ida weinte über das Schicksal des redlichen Huss, aus dessen mund sie so viel Gutes gelernt hatte.

Pfui! schrie der geistliche Vater, nicht diese Tränen! sie machen euch zur doppelten Ketzerinn! getraut ihr euch die Irrlehren dessen zu verteidigen, den diese schönen Augen beweinen? –

Nur hören, nur lernen, nur beklagen kann ich, nicht verteidigen! Gott ist Richter! –

Gut mein Kind, ich sehe ihr seid sanft und biegsam, eure Sache kann besser werden als ihr denkt. Freilich drohet euch das Schicksal, das alle Anhänger jenes Ketzers betroffen hat. Die gelindeste Züchtigung ist das Kloster auf Lebenszeit. Kein Kloster, mein Kind, das ihr alle vier Wochen mit einem andern vertauschen könnt, wahrscheinlich das zu Sankt Annen, in welchem, wie ich höre, es euch bei eurem weltlichen Sinn sehr übel gefallen hat.

Ida weinte und rang die hände!

Und, fuhr der Bischoff fort, eure Lage wird noch durch einen Punkt verschlimmert, den ich kaum erwähnen mag. Ich höre, ihr liegt unter dem Bann des heimlichen Gerichts! Ei ei! so jung, so schön, dem Anschein nach so unschuldig und eine so grosse, so grosse Sünderinn! – Werdet ihr wohl eine andere Wahl haben, als den Tod oder das Kloster?

Subinko sah Idas Angst und wusste sie nach und nach so hoch zu treiben, dass die Unschuldige seine Knie umfasste, und ihn um Rettung anflehte. Mich dünkt, rief sie, ihr seid nicht hart und grausam, eure Augen sagen mir, dass ihr mir wohlwollet, dass ihr mir gern helfen möchtet, wenn es euch möglich wär, und sollte eurer Macht etwas unmöglich sein können? Nur Flucht oder Verbergung bis auf bessere zeiten! nur Nachricht an königin Sophien, Herzog Albrechten, oder meinen Vater von meinem Zustande! mehr verlange ich nicht! O rettet mich, heiliger Mann! – noch einmal diesen väterlichen blick, welcher mir sagt, ihr könnet mein Unglück nicht wollen.

Sagt er das? erwiderte der Erzbischoff mit unbeschreiblicher Freundlichkeit. Und wenn ich euch nun versicherte, dass dieser blick nicht trügt, dass ich in der Absicht kam, euch zu retten? dass ich euch beim ersten Anblick, da ihr mir zu Prag vorgestellt wurdet, gewogen war? – Ihr hättet das leicht aus der Freiheit schliessen können, die ich euch hier verstattete; keine andere an eurer Statt hätte sich so vieler Nachsicht zu rühmen gehabt. Bedenkt, dass man euch mir als eine Ketzerinn vorstellte!

O so bestättigt meine süssen Hoffnungen, schrie die immer noch kniende Ida, lasset meinem Vater wissen, wo ich bin, bei ihm halte ich mich am sichersten! –

Und warum wollen wir die hülfe so weit suchen? erwiderte er, indem er ihre Hand ergriff, ist es euch um einen Vater zu tun, so kann ich ja selbst diese Stelle vertreten. Sehet, ich werde alt, zwar noch nicht eben so gar alt, aber doch alt genug, um eine schöne Pflegerinn zu brauchen, wolltet ihr das wohl sein? – Sehet, ich habe mich jetzt den lästigen Geschäften zu Prag entzogen, lebe in Zukunft auf meinem prächtigen schloss am Ufer der Donau, wollet ihr wohl dort die süsse Einsamkeit mit mir teilen, so lang ich lebe, meine Freundinn, und nach dem tod die Erbinn meiner Schätze