geschichte zu vernehmen, welche sie so eben gehört hatte. – Meint ihr, fuhr die gräfin fort, dass mich eure Erzählung von dem gewissen tod der Koniginn überzeugt hat? – Nein, meine Hoffnung ist stärker als jemals, ich will und muss Mariens Aufentalt ausfindig machen, und wär es auch nur um – –
Um ihre Tochter mit Wohltaten zu beschämen, setzte die fürstin hinzu. Aber bedenkt, mein Kind, dass ihre eine Art von Ritterzug auf Unmöglichkeiten unternehmt! – Elisabet ist jetzt sechszehn Jahr, sollte es möglich sein, dass ihre Mutter in dieser langen Zeit nicht Mittel gefunden hätte sie mit der Nachricht von ihrem Leben zu erfreuen? – Ueberdies bedenkt meine Nachforschungen, bedenkt, dass Marie in den Stunden, in welchen sie ganz hülflos war, sich unter Barbaras Händen befand; sollte diese Boshafte ihre Mitbuhlerinn wohl lebendig aus denselben gelassen haben?
Aber, sagte Ida, wie war es möglich, dass die kleine prinzessin von ihr verschont wurde, die sich in jenen Augenblicken der Hülflosigkeit sowohl in der Gewalt ihrer Feindinn befand als ihre trostlose Mutter?
Wär Marie die Mutter eines Sohns geworden, erwiderte die fürstin, so möchte es wohl anders gegangen sein: eine Tochter konnte Barbaras weit aussehenden Planen nicht allzugrosse Hindernisse in den Weg legen. Ueberdieses überraschte sie vielleicht Siegmunds Erscheinung zu schnell, sie glaubte sich vielleicht ein Verdienst bei ihm zu machen, wenn sie, – da sie mich, Elisabets bestimmte Erzieherinn, zu jener Zeit schon vielleicht tod glaubte – Mutterstelle bei der kleinen prinzessin verträt.
Es ist schwer, versetzte die tiefdenkende Ida, über diese Dinge zu sprechen, die Zukunft wird alles aufklären.
Die fürstin schwieg und setzte am Ende, auf Idas Bitte, noch etwas weniges von Elisabets Jugendschicksalen hinzu.
Die kleine prinzessin war derjenigen welche ihr nach dem letzten Willen ihrer Mutter auf ihr ganzes Leben zur Führerinn dienen sollte, nur wenige Jahre gelassen worden. – Sie ward nach hof gefordert um mit dem jungen Albrecht von Oesterreich verlobt zu werden. – Siegmund fühlte es, dass er eine solche Stütze wie Albrechten nötig habe, um sein gesunkenes Ansehen aufrecht zu erhalten. Die Liebe seines volkes war nach Mariens tod fast gänzlich verschwunden. Barbara musste vom hof auf die Güter ihres Gemahls, des im vorigen Teile belobten Peter des Einfältigen, entfernt werden. Siegmund zog in den Türkenkrieg, und schickte seine Tochter indessen nach Klausenburg, weil Barbara sein Herz mit Verdacht gegen die fürstin Gara und die Nonnen zu Sankt Nikola erfüllt hatte.
Er kam zurück, seine Gefangenschaft, die begebenheiten auf dem schloss Soklos mit der fürstin Helena, einer Verwandtinn der fürstin Rosa Gara, die Abenteuer auf dem schloss Cyly und andere Dinge erfolgten, deren wir im ersten Teile gedacht haben, bis es dahin kam, dass Barbara königin, dass sie Elisabets Stiefmutter ward.
Elisabets Schicksal wurde dadurch verschlimmert, ihre Einschränkung zu Klausenburg vermehrt, ihre Hoffnungen auf Herzog Albrechten oft verdunkelt. Ihr Herz öfnete sich dem Argwohn und tausend traurigen Vorstellungen. Herzog Albrecht liess wirklich zu der Zeit, da die Reichsangelegenheiten zu Nürnberg und vielleicht auch seine Freundinn Ida ihn zu sehr beschäftigten, weniger von sich hören als sonst. Die prinzessin von Ratibor, welche das Unglück nach Klausenburg geführt und zu Elisabets Freundinn gemacht hatte, ward mit hülfe ihrer Mutter die Auslegerinn dieser Dinge, und alles nahm die Wendung, die wir gesehen haben, und die Idas zarte Empfindung für die Ehre so schmerzlich verletzte.
Sie nahm die damahligen Entschuldigungen der fürstin, welche beim Ende ihrer Erzählung erfolgten, so geneigt auf, als ihr möglich war, und entfernte sich.
Zwei und zwanzigstes Kapitel.
Liebe wird nicht müde.
Ida dachte dem nach was sie gehört hatte, und ihr Schluss war am Ende gefasst, sich der Freiheit zu bedienen, die ihr der Erzbischoff zugestanden hatte, und ihre Nachforschungen in den umliegenden Klöstern fortzusetzen. Ihre nächste Wahl fiel auf Sankt Emri, ein Kloster, das in dem Ruf stand, schon vor uralten zeiten einer königin von Ungarn zum gefängnis gedient zu haben, und das derhalben, wie Ida meinte, dieses traurigen Vorrechts wohl zum zweitenmal geniessen konnte. Dass Marie lebte, in einem Kloster lebte, war ihr nach dem, was Herrmann einst zufällig aus Barbaras mund gehört hatte, gewiss, und sie baute darauf alle ihre Hoffnungen, Albrechts Aufträge und ihre menschenfreundlichen Wünsche dereinst erfüllt zu sehen.
Sie hatte gemeint, ihre Entlassung von den freundlichen Nonnen zu Sankt Nikola ohne Umschweif zu erhalten, und erstaunte nicht wenig, als ihr die Domina, auf ihre Erklärung sie wolle nach Sankt Emri gehen, versicherte, sie müsste hierüber erst zu ihrer Oberinn nach Sankt Annen Bericht erstatten, von welcher sie ihr sehr angelegentlich und unter Bedrohung des erzbischöfflichen Banns, wenn sie die gräfin entkommen liesse, anbefohlen sei.
So war also die gute Ida hier so wohl eine Gefangene als in dem traurigen Annenkloster, nur dass hier anmutigere Lage des Orts, angenehmere Gesellschaft, und mehrere Beschäftigung für ihr Herz, ihr die Einkerkerung nicht hatten fühlbar werden lassen. – Der Bericht nach Sankt Annen ward erstattet, und die Antwort kam zurück: – Der Erzbischoff würde nächster Tage selbst in diesen Gegenden eintreffen, er habe geäussert, dass er die gräfin von Würtemberg noch zu Nikola zu treffen und mit ihr über verschiedene Gegenstände zu sprechen hoffte, daher sie zur Geduld zu verweisen und anzuhalten wär, ihm ihre Forderungen selbst vorzutragen, weil sie wahrscheinlich aus ihrem mund mehr Gewicht bei ihm haben würden als