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ward sie wieder gesund, setzte die Krone von neuem auf, ward Siegmunds gemahlin, aber nie habe ich sie wieder froh gesehen. Die schreckliche Scene auf Hervotts schloss schwebte ihr unablässig vor Augen, und wo sie ging oder stand, flüsterte sie den Namen ihrer ermordeten Mutter.

Marie war nie schön, nie aufgeweckt gewesen, jetzt verlor sie vollends die wenige Anlage, die sie zu beiden hatte, gänzlich. Siegmund, den nichts fesseln konnte, als Reiz und Munterkeit, nennte sie gegen seine Lieblinge eine finstere traurige Träumerinn, ohne an die Schicksale zu denken, die sie zu dem machten, was sie war.

Barbara ward an den Hof gezogen. Marie duldete sie, musste und konnte sie dulden, denn sie hatte nicht die Gedanken von ihr, die ich in dem Innersten meines Herzens hegte. – Gott verzeihe mir, wenn ich zu viel auf die Rechnung der Sünderinn schreibe, die ich hasse! –

Um König Siegmunds Liebe zu seiner Barbara desto besser zu verdecken, gab man ihr Peter den Einfältigen, Grafen von Cyly zum Gemahl. – Was soll ich weiter sagen. Die Liebe des Königs zu der gräfin von Cyly, der Uebermut dieser unwürdigen Nebenbuhlerinn, trieb Marien vom hof in dieses Kloster. Sie war schwanger und ihre Gesundheit war so geschwächt, dass man an ihrem Leben und dem Leben ihres Kindes zweifeln musste. – Ich begleitete sie hieher, wo sie ihre Wochen halten und ihren Tod erwarten wollte. Ich wollte ihre einige Wärterinn sein, ich traute niemand ausser mir, aber eine fürchterliche Krankheit überfiel mich in den Tagen, da die königin ihrer Niederkunft stündlich entgegen sah. Die guterzigen Nonnen zu Sankt Nikola waren meine Lebensretterinn, sie sprachen nach meiner Wiedergenesung von wahrscheinlicher Vergiftung! – Sie konnten recht haben, meine Gefahr war gross, meine Empfindungen ausserordentlich gewesen, auch liess es sich denken, dass mein Leben manchem ein Anstoss sein musste.

Meine ängstliche Besorgnis war um die königin, ich fragte nach ihr, und bekam die Nachricht, die mich von neuem an den Rand des Grabes brachtesie sei tot! – Ich fragte nach nähern Umständen, die Nonnen zuckten die Achseln, sie erzählten, auf die erste Nachricht von meiner Krankheit, sei die gräfin von Cyly erschienen, der königin an meiner Statt bei ihrer Niederkunft aufzuwarten. Marie habe sich in ein anderes Kloster bringen lassen, habe daselbst eine Tochter zur Welt gebracht, unddabei den Geist aufgegeben.

Ich fragte nach dem kind, man sagte mir, der König, welcher über den Tod seiner gemahlin untröstlich geschienen, sei bald nach der Geburt der jungen Elisabet in diese Gegenden gekommen, seine kleine Tochter, die nunmehr das einige sei, welches die Liebe des volkes noch an ihn fesselte, in seine arme aufzunehmen. Ein hinterlassener Brief von der sterbenden königin habe ihn gebeten mir die Erziehung des unglücklichen Kindes zu überlassen, und man sage, er sei, alles Einredens der gräfin von Cyly ungeachtet, entschlossen, Mariens letzten Willen zu erfüllen.

Wenig Tage vergingen, und ich konnte das geliebte Kind, das teure Vermächtniss meiner königin, in meine arme schliessen. Eine von den Nonnen zu Sankt Annen hatte den Auftrag erhalten, mir es zu überbringen, ein Brief ward mir mit demselben überreicht. Ich öfnete ihn, und fand folgendes.

"Ich sterbe, teure fürstin Gara, und habe nur noch so viel Zeit mein Kind mit dem teuren Namen Elisabet zu nennen, und es euch zu empfehlen, die Nonne, welche dieses in meinem Namen schreibt, wird euch mehr sagen."

Ich habe nach der Schreiberinn dieses briefes oft und viel gefragt, aber niemand hat sie mir nennen können: Ich fragte nach dem Begräbniss der königin; man wiess mich nach Stuhlweisenburg, wo König Siegmund sie hatte prächtig beisetzen lassen. Der Ort ihres Todes blieb verborgen. Alle ihre Leute waren kurz vor ihrer Niederkunft abgedankt worden, Barbara war allein um sie gewesen.

Der Argwohn, Mariens Tod könne eine Erfindung Barbaras sein, trieb mich zu Untersuchungen, welche Jahrelang fortgesetzt wurden, und doch vergeblich waren; urteilet was ihr von euren Bemühungen zu erwarten habt.

Die kleine Elisabet war das einige, was mich nach dem Verlust meiner geliebten königin auf der Welt zurück halten konnte. Sie ward mein Trost, mein Zeitvertreib, meine Hoffnung, wenn es mir zuweilen einfiel, ich könne noch einmal glückliche Tage in der Welt sehen.

Wundert euch nicht, wenn die Liebe für sie mich vor einiger Zeit ein Betragen gegen euch lehrte, welches ihr mit Recht beleidigend fandet. Es war die Frage von dem Glück der geliebten Elisabet. Ich war irre an euch, ich sah im Geist die Scenen zwischen Siegmund, Barbara und Marie, in dem Schicksal ihrer Tochter erneuert. Jetzt kenne ich euch besser, und ich hoffe, auch die prinzessin von Ungarn wird sich belehren lassen, wird nicht euren Wert ins künftige mehr verkennen.

Lasst uns von andern Dingen sprechen, erwiderte Ida, welche nicht ohne Verdruss an den Verdacht denken konnte, welchen man gewagt hatte auf sie zu werfen. Mich dünkt, wenn ihr der Erzählung meiner geschichte nur einige Aufmerksamkeit gegönnt hättet, so hätte euch wenigstens der Name der fürstin von Ratibor und ihrer Tochter, meinen alten Feindinnen, jedes Wort, das sie wider mich sagten, verdächtig machen sollen.

Die fürstin Gara wollte ihre Entschuldigung erneuern, aber Ida bat nochmals, des Vergangenen nicht mehr zu gedenken, und lieber ihre Gedanken über die