ist auf den Altan gegangen, um die Aussicht auf den Strom zu geniessen, und unsern Rettern entgegen zu sehen. – Marie wollte nicht in diese Vermutung einstimmen, sie fürchtete Erklärung für die alte Dame, und Verbitterung ihrer morgenden Freude.
Endlich brach der Tag an, und seine ersten Strahlen begunnten kaum unsre Fenster zu röten, als wir in der Ferne Getön von kriegerischen Instrumenten hörten. Er kommt! rief die königin und warf sich in meine arme, mein Siegmund kommt seine Marie zu retten? Hinaus, hinaus, ihm entgegen! Wir eilten auf den Altan, der so wie der vor Elisabets Zimmer die Aussicht auf den Strom hatte. Hier kam uns das Getön heller entgegen, wir sahen von weitem im Strahl der Morgensonne blinkende Waffen, und hörten unten im schloss ein unruhiges Hin und Herlaufen, welches uns andeutete, dass man wegen der Ankommenden besorgt sei, und das befürchte, was bald geschehen sollte.
Ach Gott! rief Marte, dass wir nur nicht mitten im Schoos der Hoffnung scheitern! sollten uns unsere Feinde nicht lieber tot als gerettet sehen?
Mir begunnte selbst bange zu werden. Der Sprung vom Altan hinab, sagte ich, ist nicht hoch. Wie wenn wir ihn wagten, ich sehe dort in der Ferne auf dem Strome etwas treiben, mich dünkt, es ist ein kleines Fischerboot, soll ich es herbei winken?
Die königin beugte sich tiefer hinab, ach nein! rief sie, indem sie erschrocken die Augen abwendete, es ist kein Boot, es ist – es ist ein menschlicher Körper, es ist – ein langes weisses Gewand – wie – wie – ach Gott ich weis nicht wie mir ist! – Rosa, sieh hinaus! – Ich vergass nach dem zu sehen, was mir die weite Entfernung und mein schwaches Gesicht als einen Kahn gebildet hatte, vergass alles, selbst unsere nahe Rettung, denn die königin sank ohnmächtig in meine arme.
Siegmunds Trompeten schallten näher; das Geräusch des Angriffs gellte in meinen Ohren. Ich achtete nicht darauf, denn noch immer war Marie für alle meine Bemühungen unerwecklich. –
Das Schloss war schlecht bemannt und wurde noch schlechter verteidigt, unsere Feinde hatten geglaubt, keine andere Sicherheit für ihre erhabenen Gefangenen nötig zu haben, als die Verborgenheit des Orts wo sie lebten, und die öde wüste Gegend, in welcher er lag.
Siegmund hatte bald überwunden, er trat mit den vornehmsten seiner Kriegsbedienten in Mariens Zimmer, als diese zuerst die Augen aufschlug. – Siegmund eilte auf sie zu, ich sah mehr Liebe in seinen Blicken, als ich je in denselben wahrgenommen hatte. – Marie, anstatt ihn so zu empfangen, wie ich vermutet hatte, wehrte seine Hand von sich ab, und bemühte sich aufzustehen. Weg! weg! rief sie, nicht ein Wort! – zu meiner Mutter! – Noch einmal bemühte sie sich aufzustehen, aber vergebens!
Siegmund fragte, ob auch die alte königin hier verwahrt werde, und eilte auf meine Bejahung so gleich in die Gegend des Schlosses, die ich ihm bezeichnete.
Marie strebte sich zu erheben und vom Altan hinab zu sehen. Siehe hinaus, Rosa, sagte sie, siehe hinaus nach deinem Kahne, es war gewiss ein Kahn wie ich glaube! aber ich träumte fürchterlich, ich träumte – meine Mutter! –
Die königin ward bei diesen Worten zum zweitenmahl ohnmächtig, und erholte sich nicht ehr, bis einige von Siegmunds Leuten eintraten, und versicherten, dass sie die Zimmer der alten königin nicht hätten finden können.
Marie bezeichnete sie ihnen selbst mit schwacher stimme.
Da sind wir gewesen, sagten sie, aber es ist alles leer.
Leer? schrie Marie, leer? – o nur allzugewiss! – Augenblicklich, Kähne! Leute! der Strom! Ach gewiss! gewiss! O ich Elende! –
Marie hatte sich bei diesen Worten schnell erhoben, und war nach dem Geländer des Altans geeilt. Eine Bewegung, die sie machte, liess mich befürchten, sie wolle hinab springen, und mit Mühe hielt ich sie zurück!
Ihre Meinung begunnte mir klärer zu werden, ich gab die Befehle, welche die Unglückliche nicht zusammenhängend vorzubringen vermochte, und führte sie, selbst vor Entsetzen der Ohnmacht nahe, nach dem Zimmer.
Siegmund erschien! – Doch gräfin, ich bin bereits zu weitläuftig gewesen! – hinweg! hinweg! mit diesen grauenvollen Scenen! – Man hatte auf Elisabets Fenstergesimsen Spuren von Blut gefunden, in einer Ecke ihren zerrissenen blutigen Schleier. Die Nachsucher fanden einige Meilen von dem schloss endlich Elisabets Körper, welcher mit den langen Kleidern im dichten Gesträuch hängen geblieben war. Einige Stiche in ihrer Brust zeigten, dass das wasser, nur die überbliebenen Lebensfunken in der ermordeten königin vollends hatte auslöschen, oder vielleicht nur die Greueltat verbergen sollen, deren Vollbringer noch jetzt niemand bekannt ist als dem Allwissenden!
Johann Hervott, der Herr dieses Schlosses, war im Gefecht geblieben, ich nannte Siegmunden Barbaras Namen, deren Hand, wie ich meinte, alle diese Dinge im Verborgenen dirigirt hatte, ob sie gleich sich, so lang wir uns hier aufhielten, niemals sehen liess.
Siegmund war beleidigt über die Art, mit welcher ich der geliebten Barbara gedachte. Er gestand, dass er sie hier im schloss gefunden habe, aber sie sei so wohl eine Gefangene gewesen wie wir, und teile mit uns die Freude der Befreiung.
Ich schwieg, ich wandte mich zu meiner todkranken königin. – Nach langem Lager