liebte Siegmunden treuer als sie nötig gehabt hatte, König Karl, so unansehnlich er auch durch sein Aeusseres war, so wenig sein kleiner Geist, der seinem Körper glich, der edlen Marie gefallen konnte, war doch übrigens ein Fürst, der Ansehen genug besass, derjenigen, welche ihm die Hand gab, den Tron zu sichern; über dieses liebte er Marien mit so heisser Zärtlichkeit wie sie Siegmunden, verehrte sie wie ein Wesen höherer Gattung, und würde gewiss bloss den Gemahl der königin von Ungarn, nie den Monarchen vorgestellt haben.
Marie war eine von den Damen, welche bei einer Vermählung nie auf die Liebe sehen sollten, die sie fühlen, nur auf diejenige, welche man für sie empfindet; aber – sie verkannte ihren Vorteil, blieb dem undankbaren Siegmund treu, und verwarf den gutmütigen König von Neapolis!
Der Tron begunnte unter ihr zu wanken; sie fiel. Ihre Stützen die Garas konnten ihr nicht helfen, und sie kam in die Gewalt ihrer Feinde.
Mit Erröten gestehe ich, dass mein Verwandter der Stattalter in Kroatien, dass Johann Hervott, einer der vornehmsten derselben war. Barbara, seine Verlobte, hasste Marien, hasste gegenwärtig den ehemals geliebten Siegmund und wollte es ihm unmöglich machen, durch sie die Krone zu erlangen. Sie war es, welche die verräterischen Anschläge wider die königin ausheckte, sie war die Seele aller heimlichen Verschwörungen wider die unglückliche Marie. Sie brauchte ihre Reize die Zahl ihrer Anhänger und der Feinde Mariens zu vergrössern. Sie suchte ihre Gewalt auch über den von der königin verschmähten Karl von Neapolis auszudehnen, er sah sie verschiedenemahl insgeheim auf Hervotts schloss, keine Künste wurden gespart ihn in ihr Netz zu ziehen, und als diese nur in so weit glückten, dass Karl seiner Verächterinn Rache und Tod schwur, ohne eben darum Miene zu machen, die schöne Barbara an ihre Stelle zu setzen; so war auch ihm der Untergang bestimmt. Ihr wisst, dass Karl nie sein Land wieder sah, man fand ihn ermordet auf seinem Bette, und man riet vergeblich auf den Täter. Vielleicht trügen auch meine Mutmassungen; Gott bewahre mich, dass ich das Sündenregister einer Verbrecherinn ohne Grund mit einer Blutschuld vermehren sollte!
Barbara war noch immer Johann Hervotts Verlobte, war es zu lang gewesen, dass er hätte wünschen sollen, sie zu seiner gemahlin zu machen, auch schien sie nicht sonderlich nach dieser Ehre zu streben.
Ihr Beichtiger, ein schmeichelnder Bernhardiner, hatte ihr einst eine Krone, hatte ihr die höchste Krone der Welt geweissagt. Johann Hervott war nicht der Mann, der diese Prophezeihung wahr machen konnte, Karl von Neapolis hätte es vielleicht gekonnt; aber der Anschlag auf ihn schlug fehl, man musste auf andere Mittel sinnen.
Hervott ward noch immer fest genug in ihren Strikken gehalten um jeden ihrer Einfälle zu begünstigen. Barbara glaubte ihre hochfliegende Entwürfe nicht würdiger beginnen zu können, als wenn sie diejenigen, welche die Krone trugen, nach der sie strebte, aus dem Wege räumte. List und Verräterei brachten die beiden Königinnen Elisabet und Marie in Hervotts hände.
O Ida, wie soll ich euch die Scene des Schreckens schildern, welche ich in jenen Tagen erlebte! mit welchen Worten von Mariens Qualen, von dem tod der ehrwürdigen Elisabet sprechen? vergönnt mir, dass ich verschweige, unterdrücke, übergehe, ins kurze fasse, was euch und mir, zu lebhaft geschildert zu tiefen Schmerz verursachen würde, es gibt Scenen, welche ewig in Schleier gehüllt bleiben sollten, bis jener grosse Tag, der Offenbarer aller Geheimnisse der Finsterniss, der Vergelter geheimer Verbrechen und hier nicht gelinderter Schmerzen, erscheint.
Die fürstin Gara schwieg bei diesen Worten, ihr tiefdenkender blick war zur Erde gesenkt, keine Träne netzte ihr Auge, aber ihr Herz weinte. – Ida wusste nicht genau, was sie sagen wollte, aber sie ahndete schreckliche Dinge und wusste nicht, ob sie um die Entdeckung oder um die Verbergung derselben bitten sollte.
Es sei euch genug, fing die fürstin von neuem an, zu wissen, dass jeder Tag den beiden erhabenen Dulderinnen neue Leiden mit sich brachte. Tausend schreckliche Mittel wurden gebraucht, Marien zu Entsagung der Vorrechte ihrer Geburt zu zwingen, tausend Mittel, die ehrwürdige Elisabet zu nötigen, ihre Tochter zu verläugnen, und ein finsteres Gewebe von Dichtungen zu begünstigen, welche erweisen sollten, dass Marie nicht König Ludwigs Tochter, nicht rechtmässige königin von Ungarn, nicht Siegmunds bestimmte Braut sei. Die Forderung war lächerlich, und ich glaube, im grund hätte Elisabet alles tun können, was man von ihr verlangte, vielleicht hätte sie ihre Freiheit, ihr Leben damit erkauft, und jedermann würde das ihr abgedrungene Bekenntniss für das genommen haben, was er war, für Würkung der notwendigkeit, der äussersten nahmlosesten Angst!
Dieses waren Mariens Wünsche, als ihre Mutter das Opfer ihrer Treue für die Wahrheit und das Glück ihrer Tochter ward, sie verwünschte die Krone, die ihr das liebste, was sie auf der Welt hatte, das Leben ihrer Mutter raubte, verwünschte ihr eigenes Leben, weil es vielleicht durch Elisabets Tod erkauft worden war.
Doch ich sehe, ich muss euch die Dinge ein wenig umständlicher erzehlen. Eine der ausgesuchtesten Qualen, welche für die unglücklichen Königinnen erfunden wurden, war, sie Wochenlang von einander zu trennen, in dem Busen einer jeden die schrecklichsten Besorgnisse wegen des Schicksaals der andern zu nähren, und dann sie schnell und unvermutet wieder zusammen zu bringen ihnen die Freuden des Wiedersehens, mit