, teils zu forschen, wo sie sei.
Herrmann war unter den letzten. Er flog an das Fenster, wo er diesen Abend so oft gestanden hatte, und sah den hohen Schlossberg hinab in die weite Ferne hinaus. Die ganze östliche Gegend des himmels schwamm in Feuer. Plötzlich stieg der Gedanke an Ida in seiner Seele auf, der Taumel der Selbstvergessenheit verschwand. Er rief den Namen seines Mädchens aus, schleuderte die holde Blondine, welche noch an seinem Arm hieng, von sich, und wandte sich halb ausser sich um, das Zimmer zu verlassen. Er arbeitete sich durch das drückende Gedränge, welches das Fenster und die Türen besetzt hielt, stiess zu Boden was sich ihm widersetzte, und erreichte endlich die Gasse.
Ohne sich der Dauer des Weges bis zu Münsters haus, oder der Art, wie er ihn zurück gelegt hatte, bewusst zu sein, langte er daselbst an, und – doch man erspare mir die Beschreibung des schrecklichen Schauspiels, welches sich Hermann hier gezeigt haben würde, wenn er für irgend etwas, als die Gefahr seines Mädchens, Sinn gehabt hätte.
Wahrscheinlich war man das Unglück in dem Viertel der Stadt, welches von demselben betroffen wurde, später gewahr geworden, als es die nüchterne Schildwache auf dem hohen Schlossberge ausgerufen hatte. Ein teil der unglücklichen Bewohner dieser Gegend hatte im schwelgerischen Rausche von Festen, die auch hier gefeiert wurden, der andere in jenem tiefen Schlafe gelegen, in welchen die Arbeitsamkeit ihre Freunde einwiegt.
Die Bewohner des Münsterschen Hauses waren unter den letzteren gewesen, bei ihnen wusste man nichts von üppigen Lustbarkeiten, sondern widmete einen Wochentag wie den andern dem Fleisse und die Nächte der Ruhe. Es war die Nacht vor Kreuzerhöhung, da sich diese fürchterliche Begebenheit zutrug, und eine solche Nacht zu durchschwärmen, würde bei dieser frommen Familie doppelt strafbar gewesen sein.
Der halbentseelte Herrmann fand den alten Münster und seine Frau mit gerungenen Händen bei ihrem brennenden haus stehen, und nach ihrer Ida rufen, mit Mühe hatten die unglücklichen Eltern ihr eigenes Leben gerettet, der Vater, welcher in die Glut zurückgekehrt war, und seine Tochter vergebens auf ihrem Zimmer gesucht hatte, fühlte nicht die Schmerzen seines bei dieser gelegenheit schwer beschädigten Arms, und die Mutter schien alle Augenblick im Begriffe zu sein, sich ins Feuer zu stürzen, um die Verlorne zu suchen, oder mit ihr zu sterben.
Ida? rief Herrmann, als er die Klagen der Eltern hörte, Ida ist verloren? ha! ich muss sie suchen, sie retten! Diese Worte waren kaum geendigt, als er eine Leiter ergriff, und sie an dem Teile des halb zerstörten Hauses anlegte, den ihm die Mutter mit dem Finger zeigte; die lodernde Glut hatte sich von dieser Ecke gewendet; über glimmende Balken und glühende Steine klimmte Herrmann zu der kammer seines Mädchens. Der dicke Rauch verbarg ihn dem Auge der Schauenden. Idas Eltern konnten den Retter ihrer Tochter nicht mehr sehen. Auch er ist dahin! schrie die Mutter, und rang die hände, aber in dem Augenblicke kam er wieder hervor, drängte sich tiefer in die rauchenden Trümmern, verschwand nochmals, zeigte sich wieder, fing an die Leiter hinabzuklimmen, stürzte sich einigen, die ihm zu hülfe kamen, in die arme, und blieb ohnmächtig liegen.
Leer? rief die herbeidringende Mutter, er kommt leer? Ach Gott, wo ist meine Tochter!
Indessen die Mutter über Ida jammerte, beschäftigte sich der Vater mit dem heldenmütigen Jünglinge, der sein Leben vergeblich gewagt hatte. Der Rauch hatte ihn auf seinen wiederholten Bemühungen um die, die er liebte, fast erstickt, Angst und Anstrengung seine Kräfte aufgezehrt, seine Ohnmacht war dem tod ähnlich, und nur die Schmerzen der Beschädigungen, die er erlitten hatte, konnten ihn endlich erwecken.
Mit der zunehmenden Glut mehrte sich auch die
Anzahl der herbeidringenden Menge, der Tag war angebrochen, die Schwelger und Schläfer von Prag wurden wach, und man fing an ernstlich auf Rettung zu denken, die nun fast zu spät kam.
Idas Eltern verliessen die Gegend des Schreckens,
wo sie alles verloren zu haben glaubten, und begaben sich nach einem kleinen haus, welches von den Flammen verschont geblieben war, und welches ihnen gleichfals zugehörte. Idas unglücklicher Retter liess sich auf ihre Bitte von seinen Leuten an den nemlichen Ort bringen, weil die Mutter schwur, sie könne seine Wartung niemand als sich selbst anvertrauen.
Sie hatten den Weg dahin noch nicht halb zurück
gelegt, als aus den immer mehr zuströmenden Gedränge, ein Mädchen, als Ida, sich in ihre arme stürzte.
Es ist unmöglich die wirkung zu beschreiben, die
die Erscheinung der Verlornen bei den dreien, die sie so unaussprechlich liebten, anrichtete; der schwache Herrmann ward von neuem ohnmächtig, und der Mutter ging es nicht besser. Nur der Vater hatte Besonnenheit genug, die Tochter, die weinend in seinen Armen lag, um die Möglichkeit, um die Art ihrer Rettung zu fragen.
Rettung? rief Ida, Gott sei Dank, dass ihr gerettet seid, ich habe nichts von Gefahr gewusst, nichts davon geträumt, bis ich von dem Unglück hörte, dass sich in unserer Gegend zugetragen habe, und halb sinnlos herbeieilte, euch gerettet zu sehen, oder mit euch zu sterben.
Jetzt erst besann sich der Vater, dass Ida noch des vorigen Abends spät um erlaubnis gebeten hatte, nebst ihrer Magd, die Metten in der entfernten Marienkirche zu besuchen, welche gleich nach Mitternacht