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nachfolgte und ihre Hand ergriff, sie zurück zu führen. Wir müssen uns über diese Dinge erklären, sie sind zu wichtig, als dass sie unentschieden bleiben dürften.

Wahrhaftig, schrie Ida, ich wünsche Erklärung, ich fordere sie, man macht mir Herzog Albrechts Freundschaft zum Verbrechen, und ich begreife nicht warum.

Leset diesen Brief, sagte die fürstin, und urteilet dann, wer von uns beiden ursache habe, Erklärung zu fordern.

Ida las. "Teure fürstin, das Gerüchte von meines Albrechts Untreue bestätigt sich. – O wie hattet ihr ursache mich zu warnen, mich an das Schicksal meiner unglücklichen Mutter zu erinnern, die, so wie ich als Kind schon an einem Fürsten verbunden, der sie nur aus Staatsabsichten wählte, die Schrecknisse der Eifersucht ehe als die Freuden der Liebe erfuhr! Dass Albrecht seit vielen Monaten nicht mehr an mich zu denken schien, dass eine schöne Schlange sich um sein Herz gewunden und mich daraus vertrieben hatte, das wisst ihr, hört nun auch ihren Namen. Es ist Ida, die berufene Ida von Würtemberg, die unter dem Bann des heimlichen Gerichts liegt, von Albrechten zu Nürnberg geschützt wurde und jetzt mit einer ansehnlichen Begleitung von ihm nach Ungarn geschickt wird, Gott weis welche Aenderung des Schicksals daselbst zu erwarten. Diese Entdeckung habe ich eben derjenigen zu danken, welche mir die erste Warnung gab, meiner Busenfreundinn der Prinzessin von Ratibor. Die Unglückliche hat einst auch durch die schöne Verführerinn einen Geliebten verlohren, Gram und Verzweiflung trieben sie in dieses Kloster und ich vermute, dass dieses auch meine letzte Zuflucht bleiben wird.

Ich bin begierig mehr von meiner Freundinn zu erfahren. Die Mutter meiner Imago hat mir die genauesten Nachrichten, selbst den Namen des Orts versprechen lassen, wo Ida hingebracht wird. Die fürstin von Ratibor ist eine Dame von grosser Bekanntschaft, und erstaunlichen Einfluss, sie weis fast alles was im deutschen Reiche vorgeht, und man kann ihren Nachrichten trauen!

Boshafte, boshafte Ida! was hatte ich dir getan mir Albrechts Herz zu rauben! – Noch dazu ist sie eine Ketzerinn! – die weise fürstin sucht sie von ihrer königin zu entfernen, bei der sie sich jetzt insgeheim zu Prag aufhält, sie will den Erzbischoff aufmerksam machen, und wir wollen sehen was sie ausrichten wird, oder, wollte Gott, nunmehr ausgerichtet hat. Meine Nachrichten aus Prag sind alt, und ich ward nur bisher durch Krankheit und Kummer verhindert sie euch mitzuteilen.

Elisabet von Ungarn."

Man erlaube mir den ersten Eindruck zu übergehen, den dieser Brief auf Ida machte. Idas Empfindungen waren stark und feurig, die Art, mit welcher sie dieselben äusserte, heftig, es wär möglich gewesen, dass ihr Betragen bei dieser überraschenden Beschuldigung den Verdacht, den sie zu tilgen wünschte, bei einer weniger verständigen person als die fürstin Gara, bestätigt hätte, aber diese war gelassen genug, den Sturm vorübergehen zu lassen, und dann mit der kalten stimme der Unparteilichkeit fragen zu tun, Beantwortungen anzuhören und denn zu richten.

Ida erzählte ihr ganzes verhältnis mit dem Herzog einfältig und ohne Ausschmückung, sie sprach von seiner Freundschaft zu ihr, von seinen Aufträgen, von seinen Wünschen, mit der stimme der Wahrheit. Sie eilte endlich in ihr Zimmer, den Brief zu holen, den ihr Albrecht an seine Braut mitgegeben, und den sie glücklicher Weise am Tage ihrer Entführung bei sich getragen hatte.

Die fürstin las. Ida hätte keine gründlichere Verteidigung finden können als dieses Blatt. Jede Zeile atmete Liebe gegen die, an welche es gerichtet war, und blosse kalte Freundschaft gegen die Ueberbringerinn. Es entielt eine umständliche Erzählung von dem, was Albrecht in Ungarn durch Idas hülfe auszurichten hofte, entielt Nachricht von dem Leben der königin Marie, Plane zu ihrer Entdeckung, und am Ende die Bitte, seine und ihre gemeinschaftliche Freundinn, die gräfin von Würtemberg zu schützen, sie keinem andern ausfolgen zu lassen, als ihrem Bräutigam, dem Ritter Herrmann von Unna.

Die fürstin Gara ward überzeugt, sie umarmte Ida, bat sie um Verzeihung, bat um Herzog Albrechts Brief, den sie der prinzessin Elisabet schicken wollte, um sie zu trösten, und sie von der Unschuld ihrer eingebildeten Nebenbuhlerinn zu überzeugen.

Die gräfin überliess ihr das Blatt sehr gern, welches selbst an die Behörde zu überliefern, ihr durch das was sie gehört und gelesen hatte, alle Lust vergangen war. Diese sanfte, unschuldige, engelreine Seele, sagte sie zu sich selbst, ist gleichwohl sehr zur Eifersucht und Ungerechtigkeit geneigt, dieser glänzende Verstand ist sehr lenkbar zum Irrtum, sehr empfänglich für das Einhauchen der Bosheit! Armer Albrecht! Gott gebe Glück zu deiner Verbindung mit Elisabet!

Ida hatte Unrecht; Elisabet war wirklich eine gute liebenswürdige Dame, die Fehler, die sie beging, waren im grund keine andern, als deren auch Ida fähig war; hatte nicht auch sie einst Freundschaft für diese Schlange diese Imago gefühlt, welche jetzt das Herz der unschuldigen prinzessin vergiftete?

Ein und zwanzigstes Kapitel.

geschichte der königin Marie von Ungarn.

Die Freundschaft der alten und der jungen Dame, ward durch diesen Zufall, der sie beinahe zerstört hätte, gestärkt, ihre Vertraulichkeit gemehrt worden. Ida hatte jetzt kein geheimnis mehr vor der Fürstin, und diese fertigte ihre fragen nach der geschichte der königin Marie nicht mehr so kurz ab wie vordem.

Ihr müst mir verzeihen, sagte sie als ihr einst die gräfin hierüber einige Vorwürfe machte, ich handelte so wie ich