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so lang zu verweilen, als sie selbst wollte.

Die Trennung von ihren bisherigen Wirtinnen war

so kalt wie alles was in diesem Kloster vorging, aber der Empfang zu Sankt Nikola war desto herzlicher. Innig freuten sich die Nonnen, sich nicht in ihrer Hoffnung auf die Zukunft der gräfin geirrt zu haben.

Das Kloster lag in einer freiern lachenden Gegend

als das zu Sankt Annen, die Regel, nach welcher man lebte, war zwar die nämliche, aber man wusste sie sich zu erleichtern, fand Auswege, doppelte Deutungen, hatte häufige Dispensationen, und ging bei dem allen doch behutsam genug zu Werke, um keine Ahndung befürchten zu dürfen; auch waren die Nonnen hier alle jünger und schöner, als jene, oder blieben es länger, weil Neid und Mismut, Alter und Hässlichkeit nicht so früh herbeiriefen, und die reine wohltätige Luft des Gebirges Gesundheit und frohen Mut einflösste.

Ida liess sich in den ersten Tagen ihres Aufentalts der fürstin Gara vorstellen, und sie brauchte nur ihren Namen zu nennen, um bei ihr günstig aufgenommen zu werden. Idas Mutter war eine Jugendfreundinn dieser Dame gewesen, als sie noch Rosa Hervott und jene Ida von Dortmund hiess. Tausend angenehme Erinnerungen boten sich der fürstin bei ihrem Anblick dar. Idas Name, ihre Gestalt, rief ihr das Bild ihrer Mutter lebendig zurück, sie drückte die junge gräfin an ihre Brust und der Anfang zu einer festen Freundschaft war gemacht, wenn anders dieser Gleichheit fördernde Name bei dem Bündniss einer bejahrten Dame und eines jungen Mädchens statt haben kann!

Die fürstin war ein lebendiger Schatz alter Geschichten, sie machte Ida mit mancher Anekdote aus der geschichte ihrer Mutter und Stiefmutter bekannt, welche ihr die Münsterinn nicht hatte mitteilen können, und die uns, wenn sie uns früher bekannt gewesen wäre, sehr zur Aufklärung von Idas Jugendgeschichte gedient haben würde. Auch sprach sie gern von den frühern Schicksalen der jetzt regierenden Fürsten, welche sie fast alle persönlich gekannt hatte. Nur über die einige geschichte, welche der jungen gräfin jetzt am Herzen lag, über die geschichte der königin von Ungarn, um derentwillen Ida vornemlich ihre Bekanntschaft gewünscht hatte, nur über diese, erklärte sie sich nie so deutlich, als diese wünschte, und doch musste sie, die in den Diensten Mariens und ihrer Elisabet gelebt hatte, mehr hievon zu sagen wissen, als irgend eine andere person.

Ida versuchte auf tausenderlei Art, die fürstin über diesen Punkt zum Sprechen zu bringen, aber wahrscheinlich würde es ihr nie geglückt sein, wenn nicht ein Zufall sie endlich vertraulicher gemacht hätte.

Man sagt mit Recht: Vertraulichkeit ziehe Offenherzigkeit, Zurückhaltung Argwohn nach sich. Ida strebte von der fürstin Gara alles zu erfahren was sie wünschte, und sie selbst hatte ihr noch bei weitem nicht die ganze Beschaffenheit ihrer Lage entdeckt; sie hatte bei den mancherlei Zufällen, die sie schon in ihrem kurzen Leben erfahren hatte, Vorsichtigkeit gelernt, hatte sie lernen müssen. Am behutsamsten war sie in Dingen, die sie nicht allein angingen, in welchen auch andere mit verwickelt waren. Daher kam es, dass sie nie gegen ihre neue Freundinn etwas von Herzog Albrechten oder von seinen Aufträgen, die er ihr gegeben hatte, gedachte. Die fürstin hatte Elisabets Namen zuweilen genannt, Ida hatte merken lassen, dass sie derselbe interessirte, aber dieses war es auch alles gewesen; so gar von der Verbindung, welche zwischen Siegmunds Tochter und dem Herzog von Oesterreich vor war, hatte weder die eine noch die andere der beiden Damen ein Wort verloren. – Die fürstin Gara hatte so viel vom Hofton, dass Ida nicht recht wusste, ob ihr Herzog Albrechts Aufträge zu entüllen wären, ob sie noch ganz auf Mariens Seite, oder vielleicht halb zu ihrer Nachfolgeirnn Barbara übergegangen wär.

Folgende Begebenheit entüllte ihre Zweifel, und ward der Grund zu neuen Verwickelungen ihres Schicksals. Eines Tages, als Ida sich bei der fürstin befand, erhielt sie einen Brief, den sie mit einer vergnügten Miene öfnete, und dabei zu ihrer Gesellschafterinn sagte: Er kommt von Klausenburg, ich habe ihm längst entgegen gesehen.

Was ist das? rief sie, nachdem sie einige Zeilen gelesen hatte, Herzog Albrecht? entsetzlich! –

Was ist Herzog Albrechten begegnet, fragte die bleich werdende Ida.

Ida! sagte die fürstin, ihr kennt Herzog Albrechten, und habt dessen nie gegen mich gedacht?

Ida errötete

He! schrie die Dame, dein Stillschweigen ist mir Beweis dessen was ich hier lese. Gehe mir aus den Augen, Verräterinn! – doch neinvielleichtdu weisst vielleicht nicht. – Bleibet gräfin, saget mir; leugnet ihr eure Bekanntschaft mit dem Herzoge?

Sie ist mir Ehre! rief Ida mit einem stolzen Ton, ich werde sie nie leugnen!

Und wisst ihr seine frühern Verbindungen mit einer Andern?

Ich weis sie! – Ich sehe nicht, was für Hindernisse sie unserer Freundschaft bringen können!

Freundschaft? – Immer besser! Erst Bekanntschaft, dann Freundschaft! endlich Liebe!

fürstin, rief Ida, indem sie aufstand, ich weis nicht, wie ich diese Begegnung verdiene. Nichts von Liebe zwischen mir und Albrechten, ihr habt Herrmanns Namen oft in meiner geschichte gehört! –

Aber des Herzogs Namen nie? – Ida! Ida! hier liegt ein geheimnis verborgen!

Tränen des Unwillens flossen aus Idas Augen, sie wollte und konnte nicht antworten! sie eilte nach der Tür das Zimmer zu verlassen.

Bleibet, gräfin, sagte die fürstin, welche Ida