besuchende Heilige erschien in Begleitung ihrer Jungfrauen; freundliche, weisswangigte, wohlgenährte Geschöpfe, ganz das Gegenbild von den ernsten Damen denen sie Cour machen mussten; auch ihre Patroninn hatte ein etwas weniger antikes Ansehn, als Sankt Annen Bild, zu welchem sie auf den Altar gestellt wurde, und das die schönere Schwester mit einem düstern neidischen blick über die Schulter anzuschielen schien.
Nach gehaltenem Gottesdienste begaben sich die beiden Oberinnen mit ihren vornehmsten Jungfern auf den Versammlungssaal, die Angelegenheiten des Klosters zu berichtigen, und die andern zerstreuten sich in die Kreuzgänge und in den Garten, um zu versuchen, ob sich hier eine Art von Unterhaltung finden liess. Ida bemerkte, dass die kleinen Gesellschaften, die sich hier bildeten, nur selten aus Nonnen beider Klöster bestanden, dass meistens die Fremden bei einander blieben, und der grösste teil der Einheimischen ungesittet genug war, die Ankommenden ihrer eignen Unterhaltung zu überlassen. Doch waren die gespräche beider Teile eifrig und die Züge der Sprechenden liessen den Inhalt ihrer Reden erraten. Auf den Gesichtern der Dienerinnen der heiligen Anna sass Schmähsucht und hämischer Neid, dahingegen aus den Augen der Nikolaitinnen mutwilliger Spott leuchtete, und ihr Mund sich zum heimlichen lachen verzog. Diese Erscheinungen mussten etwas gewöhnliches sein, denn niemand schien sich darüber zu wundern, oder es dem andern übel aufzunehmen, jedes ging seinen gewohnten Weg und ahndete nichts von den Bemerkungen der beobachtenden Ida.
Ida war eine Fremde im Sankt Annenkloster, und hielt es also für gut, sich nach der hier angenommenen Sitte auch zu den Fremden zu gesellen. Die Jungfern der heiligen Nikola gefielen ihr überdieses tausendmahl besser als ihre Wirtinnen, und fast war es beschlossen, ihr Kloster für die Zukunft zu ihrem Aufentalte zu wählen. Sie fand den Ton der Gefährtinnen, die sie sich gewählt hatte, leicht und fröhlich, ihre Bemerkungen über Idas Wirtinnen waren ein wenig beissend aber unterhaltend für die Zuhörerinn und ihrem eigenen Urteile angemessen.
Die gräfin fragte nach den umliegenden Klöstern, es wurden ihr eine Menge genannt und mit treffenden Zügen geschildert. Ida sah wenigstens, dass sie in dem Kloster der heiligen Nikola nicht das Ungeheuer, Langeweile, welches ihr hier aus allen Winkeln entgegen gähnte, zu befürchten haben würde, auch war sie nicht ohne Hoffnung, hier zu finden was sie suchte. Die Nonnen, welche ihre Absicht merken und ihre person für keine unbedeutende Acquisition halten mochten, rühmten, dass ihr Kloster von jeher der Zufluchtsort erlauchter Damen gewesen war, dass noch jetzt eine fürstin Gara, ehemahlige Oberhofmeisterinn der königin Elisabet von Ungarn, bei ihnen lebte, und dass die junge Elisabet, die Enkelinn dieser königin, in den ersten Jahren ihres Lebens bei ihnen erzogen worden sei.
Elisabet? wiederholte Ida, kennt ihr König Siegmunds Tochter? – wir kannten sie, war die Antwort, die Abwesenheit von mehreren Jahren möchte sie uns jetzt wohl unkenntlich gemacht haben, doch lebt sie noch in einiger Verbindung mit unserm Kloster; die fürstin Gara hat zuweilen Botschaft von ihr, auch hat sie sie einst zu Klausenburg besucht. –
Ida wusste, dass Herzog Albrechts Braut zu Klausenburg lebte, sie freute sich hier Bekanntinnen von ihr zu finden, und drückte der gesprächigen Nonne, von welcher sie in einer Viertelstunde mehr wichtiges erfahren hatte, als von ihren schweigenden Wirtinnen in einem Monate, freundlich die Hand. – Sie musste sich von ihr trennen, denn eben wurden die Gäste zur Mahlzeit gefordert, welche in weichgesottenen Eiern und einer dünnen Suppe von Hafermehl bestand.
Die gräfin hatte keine gelegenheit, ihre gespräche mit den Fremden von neuem anzufangen, denn man begunnte zu merken, dass sie Wohlgefallen an ihnen fand, und der Neid fing an, jeden ihrer Blicke, die sie auf dieselben warf, ängstlich zu bewachen.
Die Nikolaitinnen reisten mit ihrer Heiligen ab, und Ida verschob die Erklärung, dass sie gesonnen sei, sich nach jenem Kloster zu wenden, nur wenige Tage. – Man erstaunte, als sie mit derselben hervortrat; man fragte, was ihr hier misfiel, gab Winke von der Ueppigkeit und Weltlichkeit der Nonnen, zu welchen sie gedachte, versicherte, dass es ihr dort noch weniger gefallen würde als hier, und als die gräfin mit vieler Bescheidenheit antwortete, dass nicht eben Misfallen an dem Kloster zu Sankt Annen, sondern ihr Charakter, der sie zur Veränderung geneigt machte, und die Erlaubnis des Erzbischoffes sie zu diesem Schritte bewegte, so zuckte man die Achseln, glaubte die Vergünstigung zu einem so herumschweifenden Leben als sie im Sinne zu haben schien, müsse sich auf ein Misverständniss gründen, und das äusserste was man hierbei tun könne, sei eine Botschaft nach Prag zu schicken, und sich nach der Willensmeinung des heiligen Subinko zu erkundigen.
Ida fand, dass die Plane, welche sie sich gemacht
hatte, nicht so leicht auszuführen wären, als sie meinte. Sie musste sich den langweiligen Aufschub gefallen lassen; was hätte sie tun wollen, wenn ihr ihre Forderung ohne Umschweif abgeschlagen worden wär? doch ermangelte sie nicht, die Schwester Schaffnerinn, auf welcher die Abschickung der Briefe beruhte, und welche überdieses das Herz der Aebtissinn in Händen hatte, sich durch einige kleine Geschenke günstig zu machen, die wenigstens so viel bewirkten, dass es mit der Botschaft nach Prag ehrlich und ohne Gefährde zuging.
Sehr lang dauerte der ungeduldigen Ida die Zeit bis
zu Ankunft der erzbischöfflichen Briefe. Sie erschienen, und brachten alles mit, was sie vor der Hand wünschte, die Erlaubnis nach Sankt Nikola zu ziehen, und daselbst