, die Italiens Schüler Ehre machten, stellten hier den grossen Stifter des christentum in den heiligsten Stunden seines Lebens, und auf der andern Seite den Bischoff von Rom mit aller Pracht der Könige umgeben, im Gefolg seiner Kardinäle vor. Welch ein Gegensatz! – Ida beredete ihren Vater es der königin zu zeigen. Sophie war entzückt ein Bild wirklich vor Augen zu sehen, das Huss so oft in seinen Reden mit ziemlich kühnen Worten entwarf. Ein künstlicher Mahler musste dies Meisterstück im Kleinen nachbilden, und die königin gab ihm einen Platz in ihrem geheimen Betzimmer. Huss fuhr fort, auf die Sitten der damaligen Geistlichkeit zu schmähen, er spielte oft auf Münsters herrliche Arbeit an, mehrere Personen bekamen sie zu sehen, mehrere liessen sie nach Sophiens Beispiel nachbilden, und dieses Stück ward bald die öffentliche Zierde der Speisesäle und Betzimmer in unterschiedlichen Privatäusern. Wut und Rache kochte in dem Herzen der Geistlichkeit, alle sahen auf die königin und nannten sie die Ernährerinn dieses Unfugs, aber sie sass zu hoch um sich an ihr zu rächen, und man fand es bequem, ihre Freundinn Ida für ihre Verführerinn zu halten, und die Sache auf sie zu kehren. Huss ward indessen immer öffentlicher angefochten, es kam zu einem Reichsstreit, welcher, weil die Bestechbarkeit Wenzels bekannt war, ihm sehr ansehnliche Geschenke eintrug. Wenzel war nicht undankbar; er sah Hussen als den14 ersten Urheber dieses Zuflusses in seinen Schatz an, und machte ihn zu seinem Beichtvater. Die beiden schönen Ketzerinnen Ida und Sophie wurden kühner, und auf diese Art geschah es, dass Ida, als sie einst die Reden ihres Lieblingslehrers allein besucht hatte, sich in den Händen des Erzbischofs Subinko befand, ehe es ihr nur einfiel, Gefahr zu ahnden.
Ida ging in tiefen Gedanken nach haus, als sie in die Gewalt ihrer Verfolger geriet, sie hatte ein Privatgespräch mit Huss gehabt, welches ihre ganze Seele einnahm. Huss war kein Prophet, aber der grosse Einfluss, den er überall hatte, sein gewaltiger Anhang durch das ganze teutsche Reich machte, dass ihm Dinge bekannt wurden, welche andern verborgen blieben. Er kannte Ida als die gräfin von Würtemberg, er wusste Graf Eberhards Unglück und hatte ihr diesen Abend gesagt, sie solle auf Rettung für den denken, welcher ihr auf der Welt am liebsten wär, und der von seinen Feinden zu Regensburg gefangen gehalten würde. Der fromme Mann glaubte sehr deutlich geredet zu haben; er wusste nicht, dass ein schönes Mädchen wohl einen Mann kennen könne, der ihr so lieb als ihr Vater, und dass sie bei einer solchen Rede zweifelhaft werden müsse, welcher von beiden gemeint sei.
In den Zweifeln, welche hierüber ihr Herz bestürmten und in dem Vorsatz, den heiligen Mann des andern Tages genauer zu fragen, ging sie vor sich hin und sah die Gewappneten, welche sich ihr entgegen stellten, ohne Furcht, merkte erst dann, dass sie um ihrentwillen hier wären, da das Schreien um hülfe schon zu spät war.
Sie ward vor den Erzbischoff geführt, hörte eine ernste Vorhaltung ihrer Ketzerei und das Urteil, sie solle nach Ungarn in ein Kloster gebracht werden, mit ziemlicher Gleichgültigkeit an. Nur die sorge ihrer Freunde um sie machte ihr einigen Kummer, der sich sehr vermehrte, als es ihr einfiel, dass es ihr nunmehr unmöglich sein würde, etwas zu Rettung desjenigen zu tun, von dessen Gefahr ihr einige Winke gegeben worden waren.
Doch auch hieraus wusste sie sich zu helfen. Ein kostbarer Ring bestach einen von ihrer Wache, brachte den Brief, den wir oben erwähnt haben, in Sophiens hände, und machte Herrmannen zum Retter ihres Vaters. – Sie hofte das, was wirklich erfolgte, die Ausrichtung ihres unbestimmten Auftrags, und trat ihre Reise mit doppelter Ruhe an, weil sie sie an einen Ort führte, an welchen sie ohnedem gedacht hatte.
Sie fürchtete sich nicht vor ewiger Einkerkerung an dem Orte, wohin man sie bringen wollte, sie hatte keinen Begriff davon, dass man eine person, welche eigentlich nichts verbrochen hatte, so hart strafen könne, sie hofte in ihrem künftigen Aufentalte immer einer gewisseren Freiheit zu geniessen und vielleicht daselbst ihre Geschäfte eben so gut ausrichten zu können, als wenn sie unter Herzog Albrechts Schutz nach Ungarn gekommen wär; wer kennt nicht die Hofnungen der unerfahrnen Unschuld! Ida wusste ja wenigstens dies, dass sie sich hier nicht unter der Gewalt des heimlichen Gerichts (für sie das einige Schreckliche in der Welt) befand. –
Wir finden es schicklich unsere Leser hier von den Aufträgen zu unterrichten, welche der Herzog von Oesterreich seiner Freundinn bei ihrer ersten Abreise aus Nürnberg gab. Sie betrafen die unglückliche königin Marie von Ungarn, König Siegmunds erste gemahlin, welche man bisher für tod gehalten hatte, und von deren Leben Herzog Albrecht durch Herrmannen einst einige Winke bekam. Der jungen Prinzessin Elisabet von dem Leben ihrer Mutter Nachricht zu geben, mit ihr vereint sich zu bemühen das Kloster ausfindig zu machen, in welchem die königin Marie lebte, dieses war das hauptsächlichste, was Albrecht von der gräfin von Würtemberg in jenen Stunden des Abschieds forderte. Er legte ihr Plane vor, nach welchen sie bei diesen Nachforschungen zu Werke gehen sollte, und wir haben schon damahls bemerkt, dass sie ihr schwer auszuführen dünkten. Ihr war es lieber, nicht an dieselben gebunden zu sein, und bei Betreibung dessen, was ihr selbst am Herzen lag, so handeln zu können, wie es Zufall und gelegenheit gab