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hatte, zu verbergen. Er war ein Mann von zu grosser Bedeutung, und seiner heimlichen Feinde waren zu viel, als dass er seinen Weg an den Ort, den er zur Sicherheit gewählt hatte, ungestört fortsetzen konnte.

Die Wahrscheinlichkeit, dass er, wenn er sich länger zu Nürnberg aufhalten sollte, vor allen andern Kandidaten zur Kaiserwürde gewählt werden würde, war nicht gering. Ihn nicht allein von da zu entfernen, sondern ihn auch so lang abwesend zu erhalten bis eine andere Wahl geschehen sei, musste das einmütige Bestreben aller seiner Gegner sein. Wer sich zu Erreichung dieser Absicht unter allen, auf welche man raten kann, am würksamsten erwiess, ist nie kund worden, aber so viel ist gewiss, dass der Anschlag glückte, dass Graf Eberhard auf seiner Reise von Unbekannten feindlich überfallen ward, und jetzt wirklich zu Regenspurg gefangen sass.

Die Reichsstädte waren die alten erklärten Feindinnen des Grafen von Würtemberg, sie boten gern zu den Anschlägen seiner andern Widersacher die Hand, eine Jede von ihnen hätte gern hiebei die erste Rolle gespielt, und die stolzen Bürger von Regenspurg triumphirten nicht wenig, dass sie es waren, denen es glückte, ihren alten Hasser in ihre Gewalt zu bekommen; ihnen musste vorzüglich daran gelegen sein, dass Eberhard nie zur Kaiserkrone gelangte.

Man trotzte zu Regenspurg auf eigene Macht und auf mächtigen Beistand, man hielt es nicht der Mühe wert aus Graf Eberhards Gefangenschaft ein geheimnis zu machen, und Herrmann hatte keine grosse Mühe nötig, zu erfahren was hier für ihn zu tun sei. Wir getrauen uns nicht zu entscheiden, ob nicht der Ritter der treuen Minne mehr Freude als Schrekken über die erste Nachricht von der Gefangenschaft des Grafen von Würtemberg empfand. Den Vater seiner Geliebten zu befreien, welch ein Gedanke! und Eberhards Befreiung war in seinem Sinn so gewiss als seine Gefangenschaft! war beides zusammen für ihn nur eine idee!

Wie manche Dame wird vom Schicksal nur darum in Feuer und wasser geworfen, damit ihr Liebhaber sie befreien könne; war es nicht vielleicht möglich, dass hier ein harter Vater nur darum in Not geriet, damit seine Befreiung sein Herz gegen den helfenden Jüngling erweichen möge? – Herrmann glaubte dieses so fest als sein Evangelium. Tausend Anschläge wurden gemacht seine Absicht zu erreichen, tausend verunglückten, aber er ward nicht mutlos. Zwar verging viel Zeit unter den vergeblichen Bemühungen, zwar setzten unterdessen Jodokus aus Mähren und Rupert von der Pfalz die Kaiserkrone auf, und an Graf Eberhardten ward nicht mehr gedacht, aber endlich endlich war doch das Glück dem tapfern Herrmann günstig und Idas Vater lag befreit in seines Retters Armen.

Graf Eberhard dankte dem Ritter von Unna mit Rührung, er nannte ihn mit dem süssen Namen Sohn, dem Herrmann vielleicht eine weitläuftigere Deutung gab als dieser damals im Sinne hatte, aberdoch konnte er ihm nicht bergen, dass ihm seine Rettung lieber gewesen sein würde, wenn sie einige Monate früher geschehen wär. – Für mich ist hier nichts mehr zu tun, sagte er, bis etwa Deutschland seinen neuen Herrn wieder überdrüssig wird; aber werde ich dieses auch erleben?

Herrmann, der es eben nicht sonderlich gern gesehen haben würde, wenn Ida die Tochter eines Kaisers geworden wär, schwieg zu diesen Dingen, und wünschte heimlich Kaiser Ruperten langes Leben, und nach seinem tod Siegmunden die Krone, indessen Graf Eberhard traurig neue Anstalten zur Reise nach Italien machte, und es nicht ungern zu hören schien, dass der Ritter von Unna ihn dahin begleiten wollte. – Herrmanns Eifer für seine Befreiung, die Gnade, die er vor den Augen des Grafen von Unna gefunden hatte, die Hoffnung auf seine wahrscheinliche künftige Rechtfertigung, und vor allen die Vernichtung seiner eigenen hochfliegenden Entwürfe machten, dass der Graf den Liebhaber seiner Tochter mit günstigern Augen betrachtete als zuvor, und es sich zuweilen als möglich dachte, ihn einst seinen Eidam zu nennen.

Welch ein Triumph für den Jüngling, wenn er dann und wann einmal einen solchen Gedanken aus seinen Worten oder aus seinen Blicken schliessen konnte! Freudig ward die Reise nach Italien angetreten, und Herzog Albrechts Reisige, deren man nicht mehr bedurfte, wurden ihrem Herrn zurück gesandt.

Der entzückte Herrmann sorgte fast für nichts mehr, als für seine Ida, doch glaubte er unter einer besonderen Protecktion einer wohltätigen Macht zu stehen, die auch sie zur bestimmten Stunde in seine arme zurück führen würde.

Neunzehntes Kapitel.

Der Bericht, welchen der Anführer von Herzog Albrechts Leuten, Herrmann von den bisherigen Schicksalen seiner Geliebten gegeben hatte, war vollkommen richtig, aber er hatte seine Lücken, und unsere Leser werden uns erlauben, dieselbigen auszufüllen.

Das Gerücht von dem wiederaufblühenden Glück der geliebten Sophie war ihrer Freundinn Ida an den österreichischen grenzen entgegen gekommen, und das Verlangen teil an dem Triumph der wiedereingesetzten königin zu nehmen, hatte die gräfin bewogen, den Reiseplan, den ihr Herzog Albrecht aus weisen Ursachen vorgeschrieben hatte, zu ändern, und sich auf den Weg nach Prag zu machen.

Sie trat in dem haus ab, das sie noch immer so gern die wohnung ihres Vaters nannte, und wer kann das Entzücken beschreiben, das ihre Erscheinung daselbst anrichtete! Die guterzige Münsterinn dachte vor Freude zu sterben, ihre Ida als gräfin von Würtemberg und doch noch immer so zärtlich, so kindlich gegen sie gesinnt wie zuvor, wieder zu erblicken. Fast leblos vor Wonne lag sie in den Armen ihrer Tochter, wie die gräfin sich noch immer von ihr wollte nennen hören; Idas Tränen