Füsse vor Münsters Pforte, und er war sehr befremdet, abgewiesen zu werden. Man sagte ihm, weder Herr noch Frau seien gegenwärtig, man vermute überdieses heute keine Befehle von Sr. Majestät, und andere Angelegenheiten könne und werde der Herr Ritter in diesem haus nicht haben.
Aehnliche Versuche liefen in der Folge auf ähnliche Art ab, und Herrmann fing an im Ernste zu wünschen, der Kaiser möge wieder Geldmangel haben, und seine Zuflucht zu Münsters Goldquelle nehmen müssen. – Aber Wenzel war empfindrisch genug andre Brünnlein zu entdecken, aus welchen ihm die Schätze, die er brauchte, noch häufiger zufliessen mussten. Er machte Edle zu Grafen, und Grafen zu Reichsfürsten, und liess sich für diese Promotionen von jedem nach Standesgebühr und Würden zahlen. Ein anderer Erwerbszweig war für ihn, die Erschaffung neuer Richter und Beisitzer jenes fürchterlichen Gerichts, durch dessen eisernen Arm zu den damaligen zeiten die Gerechtigkeit im Verborgenen geübt wurde. Zwar hatte der Kaiser eigentlich kein Recht zu Vergebung solcher Stellen, zwar war die Uebung dieser Art der heimlichen Gerechtigkeit an ein einiges Land, an Westphalen gebunden, aber daran kehrte sich Wenzel nicht, er schaltete mit allem was ihm nicht zukam, als mit seinem Eigentum, und freute sich des Vorteils, der ihm daraus zufloss.
Siebentes Kapitel.
Unglück bringt uns oft dem Glücke näher.
Graf Viktor von Mayland lebte in heimlicher Fehde mit einem Fürsten aus dem haus Visconti. Der Grund ihrer Streitigkeiten und die ursache, warum beide sich nur heimlich zu schaden suchten, sind Dinge, welche hieher nicht gehören. Ehrgeiz und Rache trieben den Grafen an Wenzels Hof, er bot ihm hundert tausend Gulden, eine für die damaligen zeiten ungeheure Summe, wenn ihm der Kaiser den herzoglichen Titel gewähren wollte. Der Kaiser war taub gegen die Vorstellung seiner Fürsten, Graf Viktors Bitte abzuschlagen, er hörte nur seinen Eigennutz, er gab, ganz wider die Reichsverfassung, dem Grafen was er öffentlich verlangte, und versagte ihm, wie die Sage berichtet, auch das nicht, warum er heimlich bat, das Recht in seinen Landen ein Freigericht zu stiften, das ist, wider jeden den er hasste, und einen Schein des Verbrechens ausbringen konnte, tausend heimliche Henker zu bewafnen, die ihn richten konnten, wo sie ihn fanden, ohne dass jemand sein Blut rächen durfte.
Dieser letzte teil von Graf Viktors Gesuch liegt zu sehr in Dunkelheit gehüllt, als dass sich etwas zuverlässiges davon sagen liess, aber so viel ist gewiss, dass er alles erhielt, was er verlangte, und des Kaisers Willfährigkeit noch grossmütiger bezahlte, als er versprochen hatte.
Jetzt waren, nach Wenzels Meinung, unerschöpfliche Schätze in seinen Händen. Ganz Prag erschallte von dem Getümmel der Freude, tausend schwelgerische Feste wurden gefeiert, zu denen Herzog Viktors Erhöhung die Veranlassung sein musste. Die Untertanen, so sehr sie auch die Ausschweifungen ihres Kaisers tadelten, bildeten sich doch im Stillen ihm nach. Wenzels Verschwendung gab auch andern Mittel zum Wohlleben in die hände, und der Rausch, von welchem bei hof alles taumelte, verbreitete sich in die entferntesten Quartiere der Stadt.
In einer von denen in dieser Epoche durchschwelgten Nächten, war es, da im östlichen teil der Stadt jene schreckliche Feuersbrunst ausbrach, von welcher noch einige der ältesten Chroniken gedenken. Mitternacht war bereits vorbei, der Kaiser und sein Zechgeselle, der Fürst von Ratibor, schenkten eben den Pokal ein, der den letzten Ueberrest ihres Bewusstseins ersäufen sollte, indessen um und neben ihnen bereits alle diejenigen ohne Verstand lagen, die den Wettstreit der Schwelgerei mit ihnen begonnen hatten. Lallend und mit wildem Gelächter erzählten sie einander, wie einer ihrer gefährten nach dem andern, von Wein übermocht, dahingesunken war, stritten, zuweilen fast bis zur Tätlichkeit, über die Ordnung, in welcher dies geschehen war, und über den Augenblick, in welchem sie das Schicksal der andern treffen würde.
Mittlerweile hatte der jüngere, kleinere und bessere teil der Gesellschaft nur aus dem Becher der Freude getrunken, und ergötzte sich mit dem edlern Vergnügen des Tanzes. Herrmann war mitten in dem jugendlichen frölichen Zirkel. Nachdem er lange unter dem Trupp lachender Jünglinge und Mädchen allein traurig gesessen, bald sich an ein Fenster gestellt hatte, wo er die Gegend von Idas wohnung sehen konnte, bald sich unmutig hinweg gewandt, und den tausendmal vergeblich gefassten Entschluss erneuert hatte, das reizende Bürgermädchen zu vergessen, so fing er endlich an seine Zuflucht zu dem gefährlichen Gegengift des Kummers, dem Trunke, zu nehmen. Er war zu edel, sich um sein Bewustsein zu trinken, aber doch hatte er endlich den Becher oft genug geleert um froh zu sein, und in jedem Mädchen, das an seiner Hand die bunten Reihen hinabschwebte, eine Ida zu sehen.
Mitten in dem frohen Taumel, in welchem er und alle seine gefährten sich befanden, wurden sie durch ein ungewohntes Geschrei erschüttert. Es ist die Schildwacht, sagte eine liebliche Blondine zu dem schönen Herrmann, und drückte seinen Arm fester an ihr Herz; sie verkündigt den Tag, lass uns die fliehenden Stunden nicht versäumen! Die Schildwachen, vielleicht die einigen ganz nüchternen Männer in der Gegend des Schlosses, verdoppelten ihr Rufen. Die Musik schwieg, man horchte. Es ist Feuer! riefen einige Stimmen. Feuer! riefen die andern, und der ganze Schwarm der Tänzer wickelte sich in einen Knäuel zusammen, und stürzte nach den Türen und den Fenstern, um teils zu fliehen ehe man wusste wo die Gefahr war