Herrmann hierüber erteilte.
Die Dame, sagte er, welche unserm Schutz befohlen ward, ist so zu sagen selbst Schuld an ihrem Unglück, sie hat nicht für gut gefunden den Weg zu ziehen der uns vorgezeichnet war, und da ist es nun so gegangen, wie es geht, wenn die Weiber klüger sein wollen als ihre Ratgeber. – An den grenzen von Oesterreich kam uns das Gerücht entgegen, König Wenzel sei aus der Gefangenschaft entkommen, und die Böhmen seien nicht ungeneigt, ihn von neuem auf ihren Tron zu heben. Die nächste Nachricht bestätigte dieses, man versicherte, Wenzel und seine gemahlin haben schon ihren Einzug zu Prag gehalten, die Huldigung von ihren Untertanen von neuem angenommen, und das ganze Land erschalle von fröhlichen Festen, die glückliche Begebenheit zu feiern. Ihr wisst, was das Gerücht von Lustbarkeiten für einen Eindruck auf Weiberherzen macht; unsere Dame änderte den ganzen Reiseplan, und die alte Kunigunde, ihre Begleiterinn, bestärkte sie in ihren Einfällen. wir wurden nicht gehört und die Reise nach Prag ging vor sich. –
Herrmann konnte erraten, dass nicht Begierde nach Lustbarkeiten, sondern das Verlangen ihre Pflegeltern und die geliebte Sophie zu sehen, seine Ida nach Prag getrieben hatte, und der Erzähler fuhr fort. – Wir langten zu Prag an. Unsere Dame hielt sich eingezogen, und es ward uns leicht sie, die unser Herr uns so sehr anbefohlen hatte, in guter Obhut zu behalten. Sie lebte meistens in einem kleinen Bürgerhause, kam nicht nach hof, sondern liess der königin ihre Anwesenheit kund tun, und ward von ihr besucht. – Wir fanden, dass es ihr um die rauschenden Feste, welche dort gefeiert wurden, nicht so viel zu tun sein muste als um den Umgang der königin. Die beiden Damen fuhren oft zusammen aus, aber ihr Weg ging immer nicht weiter als in die unerbaute Matäus Kirche oder in das Kloster13 Betlehem. Sophie scheint durch ihr Unglück sehr andächtig geworden zu sein, und unsere Dame fügte sich sehr gut in ihren Geschmack. – Ihre beiderseitigen geistlichen Uebungen mussten dem rechten Glauben nicht ganz gemäss sein, sie machten den Erzbischoff Subinko aufmerksam, und wir hatten Spuren, dass unserer Dame, welche man anfing für eine Verführerinn der königin zu halten, von der Geistlichkeit nachgestellt wurde. Alle unsere Vorsicht konnte nicht verhindern, dass sie eines Morgens auf den Wegen, die sie mit der königin zu machen pflegte, und auf welchen wir sie nie begleiten durften, in die hände ihrer Verfolger geriet. Alle unsere Bemühungen den Ort zu entdecken, wohin man sie gebracht habe, waren vergebens. Ich ward drei Tage nach ihrem Verlust zur königin gefordert, welche eben so besorgt um unsere Dame war als wir selbst. Beruhigt euch, sagte sie, und leset diesen Brief, den ich eben erhalten habe, behaltet ihn und lasst ihn euch zu Erinnerung dessen dienen, was eure Gebieterinn von euch fordert.
Der Erzähler zog bei diesen Worten einen Brief hervor, in welchem Herrmann Züge von der Hand seiner Ida erkannte; er küsste sie, und las folgendes:
"Beruhiget euch, teure königin, eure Ida ist ausser Gefahr, das ganze Unglück, das mir widerfährt, ist, dass ich in ein Kloster nach Ungarn gebracht werde. Dieses Land war es ja, wohin mich meine Sicherheit und Herzog Albrechts Angelegenheiten bestimmten, selbst meine Verfolger müssen mir die Hand bieten mich an den Ort zu führen, wohin mich das Schicksal ruft. Ich bitte, entlasset meine Begleiter, und heisst sie nach Regenspurg eilen. Ein sonderbarer Zufall entdeckt mir, dass einer von denen, welche ich am meisten liebe, sich dort in einem Zustande befinde, welcher ihm hülfe nötig macht; sollte es vielleicht mein Vater, sollte es Herrmann sein? –
Die Reisigen müssen einige Tage an dem Orte verweilen, den ich ihnen bestimme, und durch sorgfältiges Nachforschen das zu erfahren suchen, was ich ihnen nur undeutlich melden kann.
O Sophie, Sophie! wenn? wo werden wir uns wieder sehen!"
Und was habt ihr getan, fragte Herrmann mit Höflichkeit, den Befehl der gräfin zu vollziehen. Nichts, antwortete der Anführer lachend, als auf das Geschäft gewartet, welches wir hier haben sollen, und welches sich ohne Zweifel uns von selbst darbieten muss, weil wir nicht geschickt genug sind, Nachforschungen nach ganz unbestimmten Dingen anzustellen! –
Die Liebe der Ritter gegen ihre Damen war in jenen zeiten noch entusiastisch genug, ihnen die kleinsten Winke derselben zu Gesetzen zu machen; ein angeblicher Traum der schönen Ida war ehemals kräftig genug gewesen, den Ritter, dessen Wahlspruch war; Die Unschuld fliehet nie! in die weite Welt hinaus zu treiben; kann man sich wundern, dass die rätselhaften Worte ihres briefes alle seine Kräfte in Bewegung setzten, zu ersinnen, nachzuforschen, auszurichten was sie verlangte? – Seine Gegenwart war fähig alles in Bewegung zu setzen. Die trägen Ausrichter von Idas Befehlen wurden durch seinen Antrieb lebendig, und nicht ein Tag verging, als man schon wusste, dass der sonderbare Zufall, Gesicht, Prophezeihung, Ahndung oder was es sein mochte, der ihr Regenspurg als den Leidensort eines ihrer Freunde bezeichnete, so wenig gelogen hatte, als jener wachende Traum von Herrmanns Beurteilung vor dem heimlichen Gerichte. – – –
Der Graf von Würtemberg, Idas Vater, hatte, wie wir wissen, Nürnberg verlassen, um nach Italien zu flüchten, und sich daselbst einige Zeit wegen gewisser Verdrüsslichkeiten, die er gehabt