, oder irgend einen Gebrauch von der Wissenschaft derselben zu machen, dies blieb Herrmann verborgen, und so oft er in spätern zeiten, als er Mut genug bekam, dieser Dinge in fröhlichen Stunden zu gedenken, eine scherzhafte Frage hierüber an Ulrichen wagte, so scheuchte ihn ein ernster blick zurück, und gebot ihm Stillschweigen.
Des andern Tages fand Herrmann seinen Freund weit liebenswürdiger als je zuvor, sein Betragen war zutraulich und offen, seine Miene heiter und froh, und wenn der Ritter von Unna nicht von ungefähr jene Dinge berührte, denen Ulrich diese Nacht entsagt hatte, so schien sich kein geheimnis in seinem Herzen zu befinden, das er nicht geneigt gewesen sein sollte ihm zu entdecken.
Selbst über seine ehemahlige, ach leider noch nicht ganz erloschene Liebe zu der reizenden Frau von Unna, und über seine seltsame Heirat mit Katarinen, sprach von Senden ohne Zurückhaltung. Er erzählte seine geschichte mit ihr weitläuftiger als es nötig und den grenzen dieses buches angemessen ist, sie anzuführen. Katarine hatte tausend heimliche Künste genutzt den von Senden für sich einzunehmen, und seine ehemalige Geliebte, deren Namen sie nie erfuhr, aus seinem Herzen zu reissen. Unmut, und vielleicht auch der Wunsch sich an der unerbittlichen Aleke zu rächen, hatten ihre Bemühungen erleichtert, und Zuredungen und heimliche Ränke dienstfertiger Mittelspersonen das ihrige getan. Es lebte zu den damahligen zeiten in jedem angesehenen haus einer oder etliche Mönche, welche unter dem Titel der Beichtväter allerlei Nebengeschäfte trieben, unter welchen die Stiftung unglücklicher übelgewählter Heiraten nicht das geringste war; von ihnen schreibt sich wahrscheinlich noch das Sprüchwort her, dass Ehen im Himmel geschlossen werden, denn sie pflegten sich desselben allezeit bei den Bündnissen, die sie für gut hielten, zu bedienen. Ihre Geschicklichkeit übertraf alles, was die heutigen Heiratsstifter verstehen, und was sie wollten, musste ein Paar werden, es mochten sich auch die grössten Hindernisse in den Weg legen. Pater Bonifax, fräulein Katarinens Beichtiger, übte hier seine Gewalt unumschränkt aus, sie ward Frau von Senden, und das übrige blieb der Fügung des himmels überlassen.
Der Graf von Unna hatte binnen der Zeit von einem Jahre, welche Katarine aus Furcht vor dem Kloster in seinem haus zubrachte, Muse genug gehabt, ihre böse Seite kennen zu lernen, die Kenntniss ihres Charakters befestigte das Urteil, das er von ihrem ganzen haus zu fällen pflegte, und er gönnte ihr die Hand des redlichen Ulrichs sehr ungern; aber was war zu tun, die Ehe war einmal im Himmel geschlossen, und auch er musste einwilligen. Leser, du kannst dir keine Vorstellung von der Gewalt machen, welche die Mönche in jenen unseeligen zeiten auch über die besten aufgeklärtesten Seelen auszuüben wussten.
Mit recht zähle ich den alten Grafen von Unna unter einen der hellsten Köpfe seiner Zeit, wir haben sein Urteil über die heimlichen Gerichte gehört, welches ohnstreitig ehe ins achtzehnte als in das funfzehnte Jahrhundert gehörte, dessen ungeachtet fehlte es ihm nicht an Schwachheiten und Vorurteilen. Sein unüberwindlicher Hass gegen die Herrn von Unna, seine Vettern, gehörte mit unter dieselben, er war in diesem Stück so hartnäckig, dass alles, was Herrmann zum Besten seiner Geschwister sagen konnte, übel aufgenommen ward, und leicht zu seinem eigenen Nachteil hätte gereichen können.
Ulrich bat ihn in der Stille, einzulenken, und die Sache nicht zu weit zu treiben, du weisst nicht, sagte er, wie nahe es dir schon war, dass du für den kleinen Anschein von gutem Verständniss zwischen dir und deinen Geschwistern, bei deinem ehrwürdigen Oheim hättest leiden müssen. Seine Worte: Es sei dir ein ganz anderer Empfang bestimmt gewesen, den nur ich verhindert hätte, die du ganz verkehrt auslegtest, waren nur allzuwahr. Der Graf, der dich immer geliebt hatte, ohne dich zu kennen, weil du mit seinen verhassten Vettern in Uneinigkeit lebtest, der dir bloss aus diesem grund alle Gnade erzeigt haben würde, war aufs äusserste wider dich aufgebracht, als er erfuhr, du wärest zu ihnen gereist, hättest sie ehe gesprochen als ihn, würdest von ihnen geliebt und mit Lustbarkeiten beehrt. Es kostete mir Mühe, die Vorurteile, die er wider dich gefasst hatte, zu tilgen, und es zu verhüten, dass du nicht so wie beschlossen war, ungehört von seiner Tür gewiesen wurdest.
Herrmann erkannte die neuen Verbindlichkeiten, die er Ulrichen hatte, und seufzte, dass auch die besten Charaktere nicht ohne Flecken sind. – Er hielt es in die Länge für schwer sich in die kleinen Eigenheiten des guten Geistes zu fügen und sah es nicht ungern, dass der Tag seiner heimlichen Abreise angesetzt war.
Herrmann hatte den Wunsch geäussert, nach Venedig zu den deutschen Rittern zu gehen, welche damals eben einen Zug wider die Türken vorhatten, und der alte Graf hatte sich demselben nur darum widersetzt, weil er fürchtete, der geliebte Herrmann möchte daselbst seinen Bruder Johann von Unna antreffen, und dadurch in neue Verbindung mit dem ihm verhassten haus geraten. Herrmann wusste, dass dieser Bruder, einer der geliebtesten unter seinen Geschwistern, den deutschen Orden trug, und konnte es sich nicht leugnen, dass der Wunsch ihn zu finden, ihn besonders nach Venedig zog, aber der kluge Ulrich beredete ihn, sich über diesen Punkt nie gegen den eigensinnigen Greis zu erklären, und auf diese Art geschah es, dass der alte Graf in alles willigte, was sein junger Vetter wünschte, und ihn zum zug wider die Türken so stattlich ausrüstete, als vielleicht noch kein