! – Freilich ist es hart, von ihm gehasst, vielleicht auch hier verfolgt zu werden.
Der Graf schwieg mit tief zur Erde gesenktem blick. – Ja, sagte er nach einer langen Weile, Ulrich ist bei mir gewesen, er hat viel mit mir von euch gesprochen, hat viel in der Aufnahme geändert, welche euch bestimmt war; – entfernt euch! – ich werde euch rufen lassen, wenn ich eurer Gegenwart bedarf.
Herrmann entfernte sich, sein Herz mit Empfindungen erfüllt, welche ihm die Worte hemmten.
Hütet euch zu fliehen, rief ihm der Graf von Unna nach eure Verfolger sind überall!
Fliehen? schrie Herrmann mit verächtlichem Ton. Die Unschuld fliehet nicht! So war denn also die Audienz bei dem grossen Mann, von dem man sich soviel versprochen, auf welchen der Herzog von Oesterreich das ganze Glück seines Lieblings gebaut hatte, vorüber. Herrmann hatte nichts in ihm gefunden als einen stolzen Verwandten, und einen parteiischen Richter, der sich durch das Einhauchen der Falschheit von zuvorgefassten vielleicht bessern Entschlüssen abbringen liess. –
Er hat viel mit ihm von mir gesprochen? hat vieles in der Aufnahme, welche mir bestimmt war, geändert? sagte Herrmann zu sich selbst. O Ulrich von Senden! Ulrich von Senden! das Blut, das du mir aus dem Herzen zapftest, konnte ich dir verzeihen, aber hinterlistige Nachstellung? Verleumdung bei dem, auf den ich meine ganze Hoffnung setzte? – Nein dies verzeihe ich nicht! – Das erste konnte deine Pflicht von dir fordern, aber welche gesetz waren vermögend, dich zu dem andern zu bewegen? –
Gegen den Abend ward Herrmann zum zweitenmal zu dem Grafen von Unna gefordert.
Ihr wisst jetzt ohne Zweifel was ihr von dem von Senden halten sollt? fragte der Graf.
Ich wusste es bisher nicht, nun habe ich es erfahren.
Ihr müsst aufrichtig mit mir von ihm sprechen, sagt was sind eure Gedanken von ihm? – Glaubt ihr, dass er seiner Pflicht in Ansehung eurer völlige Gnüge getan hat.
Ich habe keinen bestimmten Begriff von den Pflichten, die ihm und seines gleichen obliegen. –
Erzählt mir die ganze geschichte seiner Tat unter der hohen Eiche, erzählt mir auf was für einem Fuss er zuvor und hernach mit euch lebte, ihr wisst, ihr habt keine ursache ihn zu schonen, auch er schonte eurer nicht.
Herrmann erzehlte umständlich alles was vorgegangen war, der Graf schüttelte den Kopf! das ist entsetzlich! sagte er. Auch keine Warnung vor der Gefahr die euch drohte, nicht ein Wink, dass ihr euch vor ihm zu hüten hättet? –
Er durfte mich nicht warnen, wie ich glaube, wenn er seine Pflicht nicht verletzen wollte. –
Aber er liebte euch, beklagte euch, wie ihr damals meintet, mich dünkt er hätte euch warnen sollen! –
Ich hielt seine Tat für das gröste Opfer, das er der grausamsten Pflicht bringen konnte. Ich glaubte in der Tat, er hätte mich geliebt, und es müsse ihm schwer geworden sein mir ungewarnt den Dolch ins Herz zu stossen, aber dem, der mich verleumden, mir das Herz meines ehrwürdigen Verwandten stehlen konnte! –
Das gehört nicht hieher, nur noch eine Frage. Man sagt, ihr wäret beide verwundet worden; – vermutlich leichte Wunden wie sie einer dem andern auf Verabredung gibt, um sich einer lästigen Pflicht zu entledigen, dann sind gleich Leute da uns zu retten, zu verbinden, und man ist seiner Verbindlichkeit entledigt.
Herrmann fing von neuem an die schreckliche geschichte unter der hohen Eiche zu erzehlen, er schilderte Ulrichs Kampf mit sich selbst auf die lebendigste Art, mahlte die Ueberwindung, die es ihm gekostet zu haben schien, sein Schwerd in das Blut seines Bruders zu tauchen, mit den glübendsten Farben, und zeigte dem Grafen am Ende die Narbe von der fürchterlichen Wunde in seiner Seite, die er von Ulrichs Hand empfieng. Und ach, setzte er hinzu, mit mir war er schonender verfahren als mit sich selbst; es schien, er wollte dem, den er in die Gruft hinabschicken musste, zuvoreilen um seinen Tod nicht zu überleben. Lange hing sein Leben noch an einem Faden, als schon das meinige gerettet war! –
Seine Verwundung rührte also wirklich, wirklich von seiner eigenen Hand, nicht von der eurigen her? rief der Graf.
Ich hätte meine Hand an ihn, an den geliebten Ulrich von Senden legen sollen? fragte Herrmann.
Entsetzlich! schrie der Graf mit zusammengeschlagenen Händen. Brudermord? Selbstmord die Folgen des Gerichts, das eine Nachbildung der göttlichen Gerechtigkeit sein soll? – O Menschheit, wenn wirst du einmal diese schreckliche Bande abschütteln! Herrmann! mein Sohn! – mein Liebling! – Ulrich von Senden! mein Freund! unglückliches Opfer deiner Pflicht! – umarmt einander. Eure Fehde habe auf ewig ein Ende!
Der Graf hatte mit diesen Worten eine Nebentür aufgestossen, Ulrich stürzte herein, und schloss den erstaunten Herrmann in seine arme. Mein Bruder! mein Geliebter! rief er, endlich, endlich darf ich meinem Herzen nicht länger wehren, darf dir sagen, was ich für dich fühle, ohne meine Pflicht zu verletzen!
Herrmann stand mit weit geöfneten Augen, ohne das begreifen zu können, was er sah und hörte, ohne Ulrichs Liebkosungen, von welchen er nicht wusste was er halten sollte, erwiedern zu können.
Junger Mensch, sagte der alte Graf, ihr wisst nicht was hier vorgegangen ist. Ihr