, man sah sich nicht anders als bei der Tafel, und Herrmann, welcher die volle Stärke der wiederkehrenden Gesundheit empfand, fand es langweilig länger hier zu bleiben. Sein Geschäft beim alten Grafen von Unna lag ihm im Sinne; nur zu lang hatte es bereits verschoben werden müssen, und er drang auf seine Abreise.
Die Frau von Unna hatte ihm geraten, gegen ihren Gemahl nichts davon zu gedenken, dass er zu dem Feinde seines Hauses ziehen wollte; aber da die Aebtissinn von Marienhagen davon benachrichtigt war, so konnte es Bernhardten nicht verschwiegen bleiben. Man wandte alles an, den Jüngling von seinem Vorhaben abzubringen. Bernhard stellte ihm den Schimpf vor, bei dem Grafen Schutz und Rat zu suchen, da er einen solchen Bruder hätte wie ihn. Ursula erzehlte ihm Katarinens geschichte, welche auch ehemahls zu dem verhassten Greise geflohen war und nichts weiter von ihm erhalten hatte, als die Hand eines Mannes, der sie nicht liebte. Man ging so weit, Herrmanns Entschluss, welcher unbeweglich blieb, allerlei künstliche Hindernisse entgegen zu setzen. Aber er täuschte sie alle, machte sich in einer Nacht in der Stille davon, flog noch einmal zu den geliebten Nonnen zu Ueberwasser, sich mit ihnen zu letzen. Eilte nach dem schloss Senden Katarinens Kinder zu küssen, und trat dann den Weg zu seinem ehrwürdigen Verwandten an.
Ulrich von Senden, der so wie Herrmann nun völlig hergestellt war, hatte Bernhards Burg noch eher als er verlassen. Herrmann hatte gehoft, ihn auf seinem schloss zu finden, und noch einmal eine Unterredung von Herz zu Herz mit ihm zu haben, aber Katarine sagte, er sei des vorigen Tages abgereist, und sie habe ursache zu glauben, er sei nach dem alten Grafen von Unna gezogen.
Herrmann erfuhr überall in den Herbergen die Bestättigung von dem, was ihm seine Schwester gesagt hatte. Ulrich war immer einige Stunden vor ihm da gewesen, und als er zu Unna einritt, da sah er von Sendens Reisige im Schlosshof halten.
Der Ankommende wusste nicht was er hiervon denken sollte, doch sein verdachtloses Herz befriedigte ihn bald. Ulrich konnte so wohl Geschäfte beim Grafen von Unna haben als er, er musste Geschäfte mit ihm haben; der Graf war oberster Stuhlherr der Freigerichte in dieser Gegend, und von Senden ein Einverleibter des heimlichen Gerichts.
Es war in den damahligen zeiten noch nicht Sitte halbe Tage in den Vorzimmern der Grossen zu warten, ohne vorgelassen zu werden. Wer zuerst kam, hatte den ersten Zutritt. Herrmann ward gemeldet und herein gerufen; er trat ein und Ulrich von Senden begegnete ihm in der Tür.
Der Ort, wo man sich befand, machte es unmöglich ein Wort mit einander zu wechseln, er blieb bei einer Begrüssung, aber diese Begrüssung war bei Ulrichen so kalt, dass Herrmanns Herz zu Eis ward, und sich zum erstenmahl der Verdacht bei ihm einschlich, von Senden könne sich um keiner guten Ursachen willen hier befinden.
Der Graf von Unna, ein Greis mit dem Schnee des Alters und der blühenden Röte der männlichen Jahre geziert, sah den Eintretenden mit scharfem forschenden Blicke an. Wer seid ihr junger Mensch? rief er in einem ernsten Tone.
Der hohe Anstand des Alten und ein Zug von wahrer Grösse in seinem Gesicht nötigte dem Jüngling eine tiefere Verbeugung ab, als er sie sonst vor Königen zu machen pflegte, und er antwortete; Herrmann von Unna.
Was verlangt ihr! –
Gerechtigkeit! –
Verwegner! wie kann Herzog Friedrichs Mörder Gerechtigkeit fordern, ohne den Kopf verlieren zu wollen? –
Ich bin Friedrichs Mörder nicht!
Beweise! –
Mein Herz und das zeugnis des Herzogs von Oesterreich. –
Das erste könnt ihr mir nicht vor Augen legen, und das andere ist ungültig, ist nicht zeugnis, wie mich dünkt, nur Vorbitte. Der Herzog von Oesterreich war nicht bei euch als die Tat geschahe.
Gott war bei dem Täter und bei mir, ihn rufe ich zum Zeugen! –
Der Schein ist wider euch! –
Welcher gerechte Richter richtet nach dem Schein? –
Ich sitze hier nicht als euer Richter! –
Denn als mein Freund? der Freund des Unschuldigen?
Als euer Verwandter, wenn ihr wollt, als der, der euch gern gerechtfertigt sähe! Aber junger Mensch, ihr wandet euch spät an mich? Ich finde eine Unstättigkeit in eurem Betragen, die der Unschuld nicht ziemt. Ich höre, ihr wart frühzeitig hier meinen Rat zu suchen, es war euch zu viel meine Ankunft geduldig zu erwarten, ihr wandet euch zu Leuten, welche euch nicht helfen konnten, zu Leuten, die ich hasse, mit denen ihr bisher entzweiet lebtet, nun wie ich höre schnell versöhnt seid, ich versichere euch, ihr Hass würde euch bessere Dienste bei mir getan haben als ihre Liebe; ein verworfenes Geschlecht, in welchem seit zwei Menschenaltern kein gesundes Glied war? –
Sie sind meine Geschwister!
Ja leider! ihr würdet mir sonst angenehmer sein! –
Kann der Graf von Unna, der Vorsitzer des ernstesten Gerichts parteiisch urteilen? Es gibt unter meinen Geschwistern noch eine Agnese und Petronelle, eine Aleke von Langen, einen Ulrich von Senden. –
Lasst die Weiber auf der Seite bleiben, sie gehören nicht in unsere Rechnung, und was Ulrichen von Senden betrift –
Bei Gott, rief Herrmann mit aufgehobenen Händen, der edelste Mann, den ich kenne!
Er? dessen blutgieriges Schwerd euch dem tod nahe brachte? – Er tat was er musste