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, und dachte sich nicht besser retten zu können, als wenn sie zu dem Feinde ihres Hauses, dem alten Grafen von Unna flöhe. Mit ofnen Armen ward sie von diesem Schützer der Bedrängten aufgenommen, er fand ihre Sache schlecht und recht, und versprach sie zu verheiraten. Hier lernte sie den Herrn von Senden kennen und gewann ihn lieb. Katarina war damals nicht hässlich und konnte ihre böse Seite besser verstecken als jetzt. Ulrichs Herz war voll Rache über meine gegen ihn geänderten Gesinnungen und über meine Heirat. Er dachte wahrscheinlich mich zu kränken, wenn er meine Schwägerinn heiratete und mir immer als ein lebendiger Vorwurf meiner Unbeständigkeit vor Augen wär. Der Unglückliche kränkte sich selbst! Ihr könnt urteilen, wie seine Ehe beschaffen sein muss. Der Graf von Unna war Ulrichen zu gewogen, und kannte Katarinens Charakter zu gut, um mit dieser Verbindung ganz zufrieden zu sein, er vermählte sie, weil sie es wünschten, und überliess sie ihrem Schicksale.

Sechszehntes Kapitel.

Eine gefährliche probe.

Herrmann fand die Erklärung, die ihm Aleke über verschiedene Dinge gab, nicht ganz befriedigend, doch sie waren von solcher Art, dass man entweder nur mutmassen konnte, oder nicht laut und deutlich von denselben sprechen durfte; zu der ersten Klasse gehörte Ulrichs und Katarinens Verbindung, und zu der andern der teil von Alizens geschichte, welcher in die Geheimnisse jenes furchtbaren Gerichts gehörte, welches nach den gegenwärtigen zeiten in vieler Betrachtung ein Rätsel ist, und davon die Urkunden, welche uns übrig geblieben sind, nur einen schwachen mangelhaften und in mancher Betrachtung widersprechenden Begriff geben.

So vielfachen Stoff der Ritter von Unna auch in dem, was er gehört hatte, zum Nachdenken fand, so verweilte er doch am liebsten bei Ulrichen von Senden, der durch die traurige geschichte bei der hohen Eiche bei weiten nicht jene Neigung ausgelöscht hatte, welche Herrmann beim ersten Anblick für ihn zu fühlen begann. Jene Tat, die ihm beinahe das Leben gekostet hatte, setzte Ulrichen nicht in seinen Augen herab, sie erhöhte vielmehr seine Meinung von ihm! auch seinem Verfahren gegen Konraden von Langen fehlte es, wie er meinte, nicht an Entschuldigung, ein Mann, der dem, was er in seiner Lage für Pflicht halten musste, auf Unkosten seiner liebsten Neigungen treu bleiben konnte, verdiente nach seinen Gedanken achtung und Bewunderung, verdiente wenigstens Mitleid statt des Tadels. – Verzeiht, meine Leser, wenn Herrmann falsch urteilte, er lebte freilich in einem Jahrhunderte, welches ihm andere Begriffe einflössen musste als euch das eurige.

Aleke war zu schwach Herrmanns Urteil einen andern Weg zu leiten, sie war vielleicht im grund selbst mehr für den unglücklichen von Senden eingenommen, als sie sich gestehen durfte. Sie begnügte sich nur damit, den Entschluss des jungen Menschen, nach Ulrichs Freundschaft anhaltend zu ringen, zu bestreiten, und ihm zu erweisen, dass so lange jener blieb was er war, so lang die Acht noch auf Herrmanns haupt ruhte, kein vertraulicher Umgang zwischen ihnen möglich werden könne.

Aber er liebt mich, rief Herrmann, er hat mir es in jener schrecklichen Stunde selbst gestanden, dass sein Herz an dem meinigen hängt! – Sollte er seiner schrecklichen Pflicht nicht durch das Blut, das er damahls vergoss, genug getan haben, und nun friedlich mit mir den Pfad des Lebens gehen können?

Tut was ihr wollt, sagte Aleke seufzend, versucht was euch möglich ist, aber mir verdenkt es nicht, wenn ich euch und ihn nie aus den Augen lasse, und da wo die meinigen nicht hinreichen, euch andere zu Wächtern gebe.

Herrmann nützte den ersten Tag seiner völligen Wiederherstellung Ulrichen zu besuchen. Freude glänzte in Sendens Augen als er den geretteten Jüngling sah, aber schnell ward sie durch eine Träne verdunkelt. Er ging ihn mit offenen Armen entgegen, als wollte er ihn an seine Brust drücken, aber schnell besann er sich, und der herzliche Empfang verwandelte sich in eine kalte Verbeugung.

ist es denn unmöglich? rief Herrmann, dieses Herz für mich zu erwärmen? habe ich mir nicht mit meinem Blute deine Freundschaft erkaufen können? – Ulrich wandte sich hinweg seine Bewegung zu verbergen. Vielleicht in Zukunft, rief er, indem er ihm die Hand drückte, nur jetzt, nur jetzt nicht! Glaube mir Herrmann, ich bin unglücklicher als du.

Aleke, welche die ganze Zeit gegenwärtig war, brachte das Gespräch auf Herrmanns Geschichten bei Fritzlar. Er erzählte alles, was ihn in den Verdacht brachte, er sei Herzog Friedrichs Mörder, alles was ihn vor dem Fürstenrat zu Nürnberg lossprach, so umständlich, dass kein Schatten von Schuld mehr auf ihn zu haften schien, aber Ulrich bat ihn, die Ursachen seiner nachmaligen Flucht und seine Geschäfte in diesen Gegenden nicht zu vergessen, und als Herrmann sein Verlangen eben so redlich befriedigte, so verfiel sein Zuhörer in ein tiefes Nachsinnen, aus welchem ihm Herrmanns und Alekens Zureden erst spät empor reissen konnten.

Herrmann, sagte er, bedenke, dass ich dein Richter nicht bin, o Gott, wie günstig würde vielleicht dein Urteil ausfallen, wenn ich es wär!

Du sollst mein Richter sein, rief Herrmann, sollst mir sagen, was du im grund deines Herzens von mir denkst.

Ulrich zuckte die Achseln, und bat von Dingen nicht mehr zu sprechen, welche nicht hieher gehörten.

Aleke ward unwillig, Herrmann traurig, und so schied man von einander. Bernhard kam von Engelrading zurück, die Zeit vertrauter Unterredungen war verflossen