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Pflicht, da er ihn nicht genau kannte, ihm auszuweichen, und dadurch das Unglück, Hand an ihn legen zu müssen, zu verhüten. Er versteckte sich im Gebüsch und liess Konraden vorüber ziehen; bald darauf ging er hervor und dachte seinen Weg zu mir ungestört fortzusetzen. Da gesellte sich ein Mann zu ihm, den er nicht kannte, der sich aber, wie der Diener mir sagte, ihm schnell auf eine11 Art kenntlich machte, welche Ulrichen mit neuem Entsetzen erfüllte. Er sagte ihm, was er für ein Geschäft in dieser Gegend habe; Ulrich erstarrte. Er gab ihm zu verstehen, er sei demselben nicht allein gewachsen, und fordere seinen Beistand; Ulrich weigerte sich. Der Unbekannte sagte Worte zu ihm, denen er nicht widerstehen durfte. Sie gingen mit einander, und fanden Konraden mit einem andern Ritter unter einem Baum liegen und Mahlzeit halten. Konrads Gefährte schien nur durch den Zufall zu ihm geführt worden zu sein, mochte denjenigen vielleicht nicht kennen, mit dem er sein Brod teilte, doch hielt er es für Pflicht als er sah, dass dieser von ein paar Unbekannten angefallen ward, die Gefahr mit ihm zu teilen. Man kämpfte. Ulrich und sein Gefährte siegten, Konrads Helfer ward in die Flüche geschlagen, und er schwerlich verwundet, gefangen genommen und nach Osnabrück gebracht.

Ulrich hatte, wie mich sein Diener versicherte, bei diesen Kampfe wie ein Verzagter gehandelt, hatte keinen teil an Konrads Einführung ins gefängnis haben wollen, und war sogleich zu mir geeilt, um mir das Verbrechen, das er gezwungen an mir hatte begehen müssen, zu bekennen, und meine Vergebung zu holen. Ich hatte keine Vergebung für ihn. Er mochte gehandelt haben wie es seine grausame Pflicht forderte, aber ich durfte nicht mehr an ihn denken. Konrad stand auf dem Punkte, durch seine Tat den Kopf auf dem Blutgerüst zu verlieren, ich hatte geschworen, nie das Weib von einem der Verfolger meines Bruders zu werden, undunsere Liebe war getrennt.

Ulrich drängte sich zu mir, mir seine Unschuld darzutun, ich hatte eine schreckliche Zusammenkunft mit ihm, wo ich fast in dem Kampfe der Pflicht und der Liebe erlag, aber die Pflicht siegte, und Ulrich ward auf ewig aus meinen Augen verbannt.

Ob mich das, was ich tat, nicht nachher gereute, vornehmlich, als mein Bruder aus seinem gefängnis entkam und mehrere Kenntniss der fürchterlichen Eide, durch welche Ulrich und seine Genossen zu Taten der Unmenschlichkeit verpflichtet werden, mich ihn entschuldigen lehrte, das gehört nicht hieher.

Zu der Zeit, als diese Reue bei mir hätte Platz finden können, war ich schon Bernhards Frau, und er Katarinens Gemahl, doppelte Bande untersagten es uns auf ewig, an einander zu denken, und nichts blieb uns übrig, als Vergessenheit des Vergangenen.

Dass dieses Vergangene durch eure geschichte fürchterlich wieder aufgeregt ward, dass ich ursache hatte, euch für Ulrichs Umgang zu warnen, das brauche ich euch wohl nun nicht erst zu erklären. Ich kannte den von Senden, kannte seine grausame Pflicht, und konnte das erwarten was nun geschehen ist, eine schreckliche Erneuerung der geschichte meines Bruders!

Dank sei es meinem Schicksal, das euch zu meiner Schwester, zu meiner Retterinn bestimmte! rief Herrmann und drückte Alekens Hand an sein Herz.

Armer Jüngling, erwiderte sie, konnte meine Angst, meine sorge um dich, dir den kleinsten deiner Schmerzen ersparen? Doch auch ich danke dem Himmel, dass er euch mir zum Bruder gab, dass doch in dem haus meines Mannes eine Seele ist, die ich wahrhaftig hochschätzen kann, – ausser ihm, meine ich, dem ich Liebe und Hochachtung schuldig bin.

Herrmann nahm die Klausul wohl in acht, welche Aleke aus Pflicht gegen Berndten ihren Worten anhängte. Er fühlte es, dass ihre achtung gegen ihren Gemahl nicht viel mehr als Pflicht und etwas Dankbarkeit sein konnte, weil er sie liebte, und er konnte sich der Frage nicht entalten, auf was für Art sie Frau von Unna geworden sei.

Die Güter meines Bruders, sagte sie, waren verfallen, sie wurden etlichen aus der Ritterschaft zur Verwaltung übergeben, und mir ward ein Vormund gesetzt. Dieser Vormund war euer Bruder Bernhard, ihr erratet das übrige, er liebte mich und warb um mich, ich war arm, verlassen, von meinem Geliebten getrennt, undward die Gemahlin des Herrn von Unna.

Unsere Ehe ward immer gut und friedlich. Dankbarkeit vertrat bei mir die Stelle der Liebe, und die seinige ward durch den Stolz, der Schützer einer Verlassenen gewesen zu sein, und durch den Beifall, den seine Wahl überall fand, mächtig genährt. – Ich war so glücklich, ihm und jedermann meine frühere Verbindung mit dem Herrn von Senden zu verbergen, ihn dadurch mit mir immer zufrieden zu erhalten, und jede ursache eines Zwists zwischen ihm und meinem ehemaligen Liebhaber aufzuheben. Ulrich ward bald nach meiner Vermählung mit Berndten, mein Schwager; es wär traurig gewesen, wenn ich gelegenheit zu Uneinigkeit und Verdacht hätte geben sollen.

Aber ich bitte euch, rief Herrmann, wie war es möglich, dass Ulrich sich über euch so bald trösten, nach einer Alize eine Katarine wählen konnte.

Ich weis von diesen Dingen sehr wenig, sagte sie, doch was ich mutmasse und was ich weis, will ich euch sagen. Das damahlige fräulein, Katarine von Unna, hatte einen gewaltigen Abscheu vor dem Klosterleben, zu dem sie bestimmt war