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Herrmann errötete, denn er wusste die ursache dieses Mangels, der seinen Grund in seinem wenigen Vermögen, und Wenzels schlechter Freigebigkeit hatte, sehr wohl.

Wie wär es, fuhr die Münsterin fort, wenn ich einmal tät als ob ich Kaiser wär, und euch eine Kette zu tragen erlaubte? Ida, willigst du ein? – die Mutter hielt bei diesen Worten die Kette in die Höhe, von welcher sie vor einem Augenblick sagte, dass sie ihrer Tochter gehöre. Ida verbeugte sich. Nun so steh auf, fuhr die Mutter fort, und lege dem Ritter selbst das Geschenk an, das ich ihm von dem Deinigen gebe.

Ida errötete, zögerte, und erhub sich endlich auf wiederholtem Befehl ihrer Mutter, ging zitternd auf Herrmann zu, nahm die Kette aus den Händen der Matrone, warf sie um den Hals des Jünglings, und eilte nach ihren Rocken zurück, ohne auf den zu achten, der halb ausser sich ihr nachsah, und die arme nach ihr ausstreckte.

Eine grosse Pause erhub sich nach dieser Begebenheit. Ida sass mit niedergeschlagenem Auge und glühendem Gesicht an ihrem Rocken ohne zu spinnen, Herrmann heftete seine Augen mit einem blick auf sie, welcher sich nicht beschreiben lässt, und die Münsterin sass an ihrem Stuhl zurück gelehnt und sah dem allen mit einem scharfen beobachtenden blick zu, der schwer zu erklären war.

Eben hatte sie die lange Stille durch die Frage an den jungen Menschen unterbrochen, ob er nicht Ritter Herrmann von Unna sei, und dieser war eben im Begriff zu bejahen, und wiederum zu fragen, woher man ihn kenne? als die Münsterinn den Fusstritt ihres Mannes im steinernen Vorhaus vernahm, und ihren Beisitzer bat, Idas Geschenk in sein Wamms zu knüpfen. Er gehorchte ohne nach der ursache zu fragen, und Münster trat ein. Ein alternder Mann von stattlichem Ansehen, als sein Stand mit sich brachte, ein stolzer blick in seinem Auge zeigte den reichen Bürger an, der sich den edlen gleich hielt, und eine gewisse Gutmütigkeit in seinen Zügen, machte, dass man ihm diesen blick nicht übelnehmen konnte. Die Anwesenheit des Kammerjunkers schien ihn zu befremden, er sah seine Frau mit einer Miene voll Unwillen an, befahl Ida das Zimmer zu verlassen, und fragte Herrmann nach seinen Begehren.

Der Name des Kaisers machte ihn etwas milder, und das Gewerbe, das derselbe seinem Vertrauten an ihn aufgetragen hatte, nötigte ihm ein Lächeln ab. Es ist gut, sagte er, nachdem man ihm alles, ausser den Umstand mit Idas Geschenk, entdeckt hatte, es ist gut, dass mein Weib meine Stelle vertreten hat, das nächstemal, dass der Kaiser meiner nötig hat, und ich vermute, dies wird bald geschehen, wird die Reihe an mir sein: wir sind verbunden, unserm Herrn mit Gut und Blut zu dienen. In einer von Sr. Majestät treuen Reichsstädten fand ich Schutz und Brodt, als ich arm und vertrieben war, in seinen Landen erwarb ich einen teil dessen, was ich habe, und ihm gebührt ohne Zweifel ein teil des meinigen; also, Herr Ritter, so oft ihr wollt im Namen eures Herrn, in dem Eurigen abernie.

Herrmann wollte nach dieser Erklärung das Gespräch von neuem anspinnen, aber die Antworten fielen kurz aus, er sprach von wiederkommen, und fügte einige übel angebrachte Schmeicheleien für den alten Münster hinzu, aber man überging es mit Stillschweigen, under entfernte sich. Was sollte er hier? die, welche ihn so mächtig anzog, die geliebte Ida, war ja nicht mehr gegenwärtig, und ihre vorher so freundliche Mutter, hatte seit der Erscheinung ihres Mannes sich so ganz verändert, dass er sie nicht mehr kannte.

Der Kammerjunker ging langsam nach haus, und rekapitulirte, was ihm begegnet war. Idas Anblick, die Freundlichkeit ihrer Mutter, das Geschenk, das sie ihm auf so gute Art von der Hand des geliebten Mädchens zu verschaffen wusste, und eine Menge anderer Dinge, welche vorgefallen waren entzückten ihn, liessen ihm Hofnungen fassen, die er sich selbst nicht zu erklären wusste, und machten, dass er die Hauptsache, den glücklich ausgerichteten Auftrag seines Herrn ganz aus der Acht liess.

Erst als er die Schätze der guterzigen Münsterinn, deren Gewicht er in der Freude seines Herzens nicht gemerkt hatte, in seinen Taschen fühlte, alsdenn erst erinnerte er sich was er zu tun habe, und eilte zu seinem Herrn ihm Nachricht zu geben.

Wenzel war niemals zufrieden, und fand also auch hier ursache zum Verdruss. Die Gaben der grossmütigen Bürgerinn reichten nicht ganz an die Summe, die er verlangt hatte, und dennoch liess ihre Bereitwilligkeit zu geben es ihm bereuen, dass er nicht mehr gefordert hatte. Münsters Reichtum war in seinen Augen unerschöpflich, und er sann darauf ihm nächstens wieder zuzusprechen.

Sein Vertrauter hörte wenig von dem, was er ihm hierüber sagte, er sehnte sich nach haus, um seine Abenteuer nochmals zu überlegen, und seine Augen an Idas goldner Kette zu weiden, ein Kleinod von ziemlichem Wert, an welchem er nichts auszusetzen hatte, als dass das Schaustück, das daran hieng, nicht mit Idas schönem Gesicht geziert war, ihm nichts als einen alten bärtigen Grafen von Würtemberg vorstellte, der ihn wenig interessirte. – –

Herrmann musste über die Gedanken an die Schönheit der Tochter und die Güte der Mutter ganz die Strenge des Vaters vergessen haben, denn des andern Tages mit dem frühesten Morgen trugen ihn seine