meine Furcht gegründet sei, eben keinen Stern erster Grösse auf dem Teater vorstellen müsse; eine Entdeckung, die mir nicht zuwider war. Ich kannte Jucundens Eitelkeit, ich hoffte, es würde mir leichter werden, sie von ihrem gefährlichen stand abzubringen, wenn sie in demselben nicht ganz den Beifall finden sollte, den sie vielleicht mehr als andere verdiente.
Ich machte schon Anstalten, mich durch eine treue person, die Jucunden kannte, von der Wahrheit zu überzeugen, und sie vielleicht in meine arme zurückzubringen, als ich erfuhr, dass die Gesellschaft, bei welcher ich sie vermutete, den bisherigen Ort ihres Aufentalts abermals verlassen habe; man sprach verschiedentlich davon wohin sie sich wenden würde, einige sagten nach Wien, andere nach Petersburg, wieder andere nach Leipzig. Meine Entwürfe waren also abermals vereitelt, ich wusste nicht wo ich meine Verlorne suchen sollte, und war von allen diesen Orten so weit entfernt, dass ich meine Hoffnung sie zu retten ganz aufgeben musste.
Siebzehntes Kapitel
Man urteile nicht nach dem Scheine
Auf die Sorgen die mir diese fehlgeschlagene hoffnung machte, war mir eine Freude aufbehalten, welche aber nur kurze Zeit dauerte, und die doch zugleich der Anfang einer grösseren und dauerhaften war.
Ein Brief von Peninnen! Mit Entzücken erkannte ich ihre Hand auf der Aufschrift, und mit einem Gemisch von Angst und süsser Erwartung, erbrach ich ihn. Hier ist er.
"Liebe Mutter!
Darf ich Sie noch so nennen? oder ist nicht vielmehr dieses harte mütterliche Stillschweigen ein Beweis, dass ich ganz von Ihnen verstossen, ganz vergessen bin? Was habe ich getan, dass Sie mit mir zürnen? Ist etwas tadelhaftes in meinen Handlungen, so hätte mich ja eine einige Belehrung von Ihnen zurecht weisen können, ich habe sie Ihnen ja alle so aufrichtig vorgelegt, keinen Schritt getan, den ich Ihnen nicht vorher gemeldet hätte.
Wär Hohenweiler nicht so ein bekannter Ort, wär es nur eine Möglichkeit, dass meine Briefe Sie verfehlt haben könnten, so wollte ich mich beruhigen, aber so etwas lässt sich gar nicht denken. Gewiss gewiss, Sie zürnen mit mir! Wer weis, wer mir Ihr Herz geraubt hat, und ich hätt es sicher nicht gewagt, Ihnen noch einmal zu schreiben, sondern alles was ich Ihnen zu sagen habe, auf den fröhlichen Tag des Wiedersehens verspart, dem ich nun, ach bald bald, entgegen sehe, wenn ich nicht diese glückliche gelegenheit hätte, Ihnen ein Geschenk zu machen, das Ihnen gewiss das kostbarste sein wird, das Sie sich wünschen können. – kennen Sie diese beiden Personen, die Ihnen diesen Brief überreichen? O ihr Herz wird Ihnen ihre Namen nennen, wenn auch mannichfaches Unglück ihre Züge verändert haben sollte. Nehmen Sie sie wieder an, so wie Sie einst ihre Peninna wieder zu Gnaden annehmen werden. Wie das Schicksal sie und mich zusammenbrachte, werden sie aus ihrem eigenen mund hören.
Von meiner eigenen Verfassung nur so viel: Ich bin, wie Sie aus meinem letzten Briefe wissen werden, sehr glücklich, glücklicher, als ich hätte hoffen können, je zu werden. Zuweilen dauert es mich doch, Sie wissen was für ein guterziges geschöpf ich bin, – dass das Unglück meiner ehemaligen Freundinn der Grund meiner Erhebung sein musste; indessen, ich bin unschuldig, und im grund haben auch die gewesenen Fräuleins von Wilteck es nicht sehr um mich verdient, dass ich zärtliche Gesinnungen gegen sie hege. über Gabrielen muss ich lachen; wenn ihre feindseligen Blicke mich ermorden könnten, so wär ich gewiss nicht mehr im land der Lebendigen. – Nun auch kein Wort mehr. Mein Geliebter ersucht Sie, diese Kleinigkeiten zu seinem Andenken zu tragen, er brennt für Verlangen, wie er sagt, Ihnen persönlich zu danken, dass sie seine Peninna so für ihn erzogen, so ganz zu dem gebildet haben, was sie in seinen Augen ist."
Gott! Was für ein Brief! schrie ich. Von Anfang bis zu Ende ein langes, abscheuliches Rätsel. Ich warf ihn auf die Erde, und sties eine kleine Kapsel die er entielt, und die gleichfalls auf den Boden gefallen war, mit den Füssen auf eine Seite. Sie sprang auf, und eine Menge schimmernde Juwelen fielen mir in die Augen.
Verdammter Lohn von der Schande meiner Tochter! schrie ich, und sie ist frech genug mir ihn vor die Augen zu legen? frech genug zu glauben, ich werde ihn mit ihr teilen?
Ich ging eine Weile halb ausser mir im Zimmer auf und nieder, endlich nahm ich den Brief von neuem, ich las ihn von Anfang bis zu Ende, ohne ihn zu verstehen, ohne fast etwas dabei zu denken. Nur die letzte Worte, der Unwürdige, den Peninna so frech war ihren Geliebten zu nennen, wollte mir danken, dass ich sie für ihn erzogen, sie dazu gebildet habe, was sie in seinen Augen sei, nur diese leuchteten mir mit fürchterlicher Lebhaftigkeit in die Augen. Ich dachte von Sinnen zu kommen, Elende! schrie ich, spottest du meiner, ich dich zu dem erzogen, was du bist? – Schrecklich! schrecklich! das erleben zu müssen! den Hohn eines Kindes, eines verworfenen, verwahrlosten Kindes erleben zu müssen.
Eine gänzliche Betäubung folgte auf diesen Ausbruch von Heftigkeit. Julchen riss mich aus derselben, sie trat hüpfend ein. Ach Mutter, Mutter schrie sie, wissen sie denn, wer eben gekommen ist? Wissen sie wer den