herzlichsten Versicherung meiner Liebe zu erwiedern und die Bitte hinzuzufügen, sie möchte sich nicht von mir trennen, mich nicht den Eigensinn meines Sohns – den ich unter uns gesagt, nicht ganz tadeln konnte – entgelten lassen.
An eine Trennung von Ihnen, sagte sie, ist nicht zu denken, ich gehöre von nun an zu ihrer Familie, und werde sie nicht verlassen, und wenn Herr Walter heute sterben, und Charlotte Samuels gattin werden sollte. Er hat Geschwister, welche das Gute, was ich für ihn im Sinne hatte, nicht so undankbar verschmähen werden, wie er.
Ich hielt nicht für gut, dieses letzte anders als mit einer kleinen Verbeugung zu beantworten. Es war mir im grund eben so widerlich als Samuelen, einen Vorteil von dem Charlotten entzogenen Vermögen zu geniessen. Die Vorstellung, dass Charlotte kein rechtmässiges Eigentum verloren, und Klare kein unrechtmässiges gewonnen hatte, hatte wenig Kraft bei mir. Mein Sohn hatte die Hand bei diesen Dingen zu sehr im Spiel gehabt; es war leicht für unsere Feinde, hier Nebenabsichten zu vermuten; zwar lag die Wahrheit am Tage, aber kehrt sich die Tadelsucht an die Wahrheit? –
Ich hatte ursache zu glauben, dass Charlotte selbst die Sache nicht mehr aus dem rechten Gesichtspunkte ansah. Gewisse Reden, die Herr Walter zuweilen führte, liessen mich mutmassen, dass seine gattin nicht allemal klug genug war, ihre Ohren dem Zuflüstern böser Leute zu verschliessen. Das verlorne Gut kam ihr nicht aus dem Sinne, und die Rolle, welche Samuel dabei spielte, und die sie im Anfange völlig billigen musste, erschien ihr jetzt aus einem ganz andern Lichte. Das fräulein von Vöhlen, war ihr ein Dorn im Auge, war ihren Gedanken nach zugleich die Räuberinn ihres Vermögens und ihres Geliebten, war vielleicht eine alte vor ihr geliebte Bekanntinn Samuels gewesen, und alles hatte sich also ganz natürlich zu ihrem Schaden, und Klarens Vorteil schicken müssen.
O meine Kinder, wer kann die ganze Verheerung übersehen, welche Verläumdung und daraus erwachsener böser Verdacht in den besten Herzen anzurichten vermag; diese Ungeheuer sind im stand, die edelste Seele, wenn sie schwach genug ist ihnen Gehör zu geben, zu den unedelsten Vorurteilen zu erniedrigen.
Auch Klare fühlte wenig Neigung für Madam Walter, und wenn es verdrüssliche Stunden in unserm kleinen Zirkel gab, so waren es diejenigen, da diese beiden Nebenbuhlerinnen von ungefähr zusammenkamen. Sie waren beide zu wohl erzogen, als sich zu offenbarer Aeusserung ihres Widerwillens, oder zu jenen kleinen versteckten Sticheleien herabzulassen, welche, so witzig sie auch sein mögen, allemal den Mund, der sie hervorbringt, entehren; aber die übertriebene Höflichkeit, die beide gegen einander, aus Furcht nicht unhöflich zu sein, bezeigten, der gezwungene Ton ihrer Unterhaltung, und andere unnennbare Kleinigkeiten, machten, dass ich es gewiss so viel als möglich vermied, beide zusammen zu bringen.
Charlotte war nicht die einige, welche Klaren mit ungewogenen Augen ansah; auch mein Mann hatte wenig Gefallen an ihrer Gegenwart. Sein ehemaliger Hang zur Verschwendung, hatte sich seit seinem letzten Unfall, auf eine mir unbegreifliche Art in Geiz verkehrt; er hasste alles, wovon er glaubte, dass es ihm Unkosten machte, und es war nötig, es ihm deutlich vor Augen zu legen, dass das fräulein von Vöhlen, ob sie sich gleich zu unserer Familie rechnete, doch von ihrem eigenen Gelde lebte, um ihn zu bewegen, ihr mit der achtung zu begegnen, welche sie vermöge ihres Standes und ihrer Verdienste fordern konnte.
Alle diese Dinge waren gewiss nicht im stand mir mein Leben angenehm zu machen, aber gern würde ich sie ertragen haben, wenn nur nicht wichtigere Sorgen an meinem Herzen genagt hätten. Ach meine Kinder! meine verlornen Kinder; – Warum musste ich doch so gar nichts von ihnen hören? – Von meinen Söhnen konnte ich denken, dass die weite Entfernung ihr Stillschweigen verursachte. Aber warum schwieg Peninne? warum schrieb sie nicht ein einigesmal an ihre Mutter? war diese Nachlässigkeit nicht ein offenbarer Beweis ihrer Schuld? Und Jucunde! und Amalie! arme verwahrloste Geschöpfe! was mochte aus euch geworden sein!
Alle Nachforschungen, die mein Freund Walter nach ihnen anstellte, waren fruchtlos, nur ein einigesmal brachte ein Freund von ihm, welcher aus Manheim kam, die Nachricht, er habe daselbst einen Teaterdichter, Namens Feldner, gekannt, und eine junge person als Franziska in Lessings Minna auftretten gesehen, welche man ihm Jucunde genannt hätte. Der Zuname traf nicht zu, aber es liess sich freilich vermuten, dass Jucunde, wenn sie diesen Stand ergriffen haben sollte, ihren Namen verändert haben würde.
Ich habe schon im Vorhergehenden meine altfränkischen Meinungen vom Teaterwesen geäussert, und man kann also glauben, dass mir diese Nachricht, so unzuverlässig sie auch war, wenig Freude machte. – Ich wollte Gewissheit hiervon haben, und hielt mir deswegen alle mögliche Teaterzeitungen und Teaterkalender und wie das Zeug alles heisst; eine Art von Lektüre, von welcher ich nie geglaubt hätte, dass sie einmal nach meinem Geschmack sein würde. Ich fand den Namen, den Jucunde nach des Manheimer Freundes Aussage gegenwärtig führte, nie bei Hauptrollen; sie ward nie auf die pompöse glorreiche Art erwehnt, wie die andern Schauspielerinnen. Ihre Reize wurden nie so zergliedert, wie bei den Uebrigen, und ich konnte aus keinem zug urteilen, ob von meiner Jucunde die Rede sei. Alles was ich schliessen konnte, war nur dieses, dass sie, im Fall