, er würde nicht so lange verweilen. Ich sagte noch mehr Dinge von dieser Art, und mein Gefährte konnte endlich seine Verstellung, die ihm schon längst zur Last war, nicht länger behaupten. Er unterbrach meine Klagen über sein vermeintes Ausbleiben mit einer Umarmung. Die Entdeckung des ganzen Geheimnisses folgte darauf, und wir wurden einig, wenn nun der verstellte Haller ankommen würde, die Sache so zu drehen, dass das Gelächter über ihn hinaus ging. Tausend aufgeräumte Einfälle kamen hierbei zum Vorschein. Ich habe meinen Geliebten fast nie so lustig gesehen wie damals. Er ahndete so wenig als ich etwas von dem Unglück das uns bevorstand, und seine anfangs bezeigte Aengstlichkeit, kam nur aus der Mühe her, mit welcher er seine Verstellung behauptete; auch im Scherz war er nicht lange im stand, einen anderen als seinen wahren Charakter zu zeigen.
Es ward immer dunkler, und der letzte Akt unsers Lustspiels wollte noch nicht angehen. Wir machten uns auf, dem Verkleideten entgegen zu gehen; wir fanden ihn nicht. Wir durchstrichen vergebens die ganze Gegend, und kehrten fast um Mitternacht mit tausend Besorgnissen nach haus. Im schloss konnte man uns nichts sagen, als dass mein Bruder gegen den Abend in Herrn Hallers grünem Reitkleide ausgegangen sei, und ihm so ähnlich gesehen habe, wie sein Zwillingsbruder. Er habe gelacht, als man ihm dieses gesagt hätte, und ernstlich verboten, mir nichts von dieser Mummerei zu entdecken, weil er mich mit seiner Verkleidung zu täuschen gedächte.
Mein Haller und ich waren unfähig diese Nacht eine Stunde zu ruhen. Mit der ersten Morgendämmerung war schon jedermann im schloss fertig, die Nachsuchung von neuem anzufangen. – Ich blieb zurück, und erwartete in tödtlicher Angst, was man mir für Nachricht von meinem Bruder bringen würde. Alle Abgeschickten kamen unverrichteter Sache zurück; die einhellige Aussage aller war, die wasser wären so angelaufen, dass man befürchten müsse, der Verlorne sei, wenn er etwa in der Dämmerung über den langen Steg nicht weit vom schloss habe gehen wollen, vom Wiederschein geblendet worden und in den Strom geraten. Ich war in Verzweifelung, und Haller, der meinen Bruder herzlich liebte, befand sich in keinem bessern Zustande.
Ich fiel in eine schwere Krankheit, mein Bräutigam setzte in dieser zeit seine Nachforschungen fruchtlos fort, und erst nachdem ich längst wieder hergestellt war, erfuhren wir durch die Zeitungen, dass weit von unserm Wohnorte bei einem dorf am Harz ein Ertrunkener gefunden worden wär, welcher nach der Beschreibung mein Bruder gewesen sein musste.
Mein Haller reisste ab, um die Sache selbst zu untersuchen. Er brachte mir die traurige Bestättigung unserer Furcht, und sich einen Grund zu neuem Kummer mit. Er hatte zu Riedgau erfahren, dass man sich bereits von andern Orten nach dem Ertrunkenen erkundigt, und nach genauer Untersuchung aller Umstände, einige Kleinigkeiten die der Verunglückte bei sich gehabt, mit ziemlichen Unkosten an sich gebracht, um diese traurige Erbschaft den Verwandten desselben auszuliefern. Mein Geliebter schloss aus allen Umständen, dass diese Erkundigung von seinen Eltern gekommen sein müsse. Man hielt ihn bei den Seinigen für tot, er wusste wie er geliebt wurde, und er brannte für Verlangen, seine Geliebten aus dem Kummer zu reissen. Meine Bitten hielten seine Abreise noch auf, und er musste sich begnügen, sein Leben durch einen Brief nach Hohenweiler zu berichten.
Durch einen Brief? unterbrach ich Klaren, ich habe keinen erhalten. Und was hätte er mich auch geholfen, mein guter Vater war damals schon das Opfer des Schreckens über diesen unglücklichen Ausgang eines elenden Kinderspiels geworden. – O Jugend, Jugend! wenn wirst du doch lernen, was für Unglück aus deinen Possen entstehen kann? – Gott! mein Vater musste sterben, weil ein müssiger Junker an einem entfernten Orte, an einem Abende nicht wusste, was er vor Langeweile anfangen sollte! – – Ich war sehr aufgebracht, und würde gewiss in diesem Tone noch lange fortgefahren haben. Aber Klarens schüchterner auf mich gerichteter blick rührte mich; ich bat sie, fortzufahren, und mir zu verzeihen, wenn ich ihren Bruder, der freilich durch seine Spielerei am meisten gelitten habe, auf eine zu empfindliche Art getadelt hätte.
Herr Haller, fuhr das fräulein fort, blieb auf meine Bitte noch eine Zeitlang bei mir, aber wie verändert war seit meines Bruders tod sein Betragen gegen mich! Furchtsam, kalt, zurückhaltend. Er sagte mir es oft nicht undeutlich, es fänd keine Verbindung mehr unter uns statt, und wenn ich ihn weinend um die Ursache fragte, so sah er mich starr an, und sprach: Klare, verschenke deine Güter, so will ich dein sein. Nur die arme Klara ist ein Mädchen für mich, die Besitzerinn dieses Schlosses kann und darf nie die Meine werden.
Dieses waren wunderliche Reden, ich bat vergebens um deutlichere Erklärung, und ich musste ihn so sehr lieben wie ich tat, um nicht durch seinen Eigensinn aufgebracht zu werden.
Er sagte, er wollte und müsste sich von mir trennen, und als er sah, wie mich das erschütterte, so suchte er mich mit den Worten zu täuschen, er wollte zu seiner Mutter gehen, ihr unsere beiderseitige Lage vorstellen, sie entscheiden lassen, ob er in der gegenwärtigen Verfassung mein Gemahl werden könne, und sich nach ihrem Urteil richten. – Ich merkte endlich wohl, dass er sich scheute die Güter mit mir zu teilen, die Charlotte durch seine Gerechtigkeitsliebe verloren hatte, aber ich