, von baldiger Befreiung aus dem Kloster, von künftigen seligen Tagen an der Seite seines Hallers, den er nicht anders als den Schöpfer unsers Glücks nennte; Worte, die meine Neugier verdoppelten, und meine Neigung, fast möchte ich es Liebe nennen, für den Unbekannten, auf den höchsten Gipfel brachten.
Da mein Herz auf diese Art vorbereitet war, konnte es wohl wunderbar sein, wenn die Erscheinung dieses Hallers, des schönsten Jünglings, den ich je gesehen habe, mich vollends ganz für ihn einnahm? Er kam in Gesellschaft meines Bruders, mich aus dem Kloster abzuholen, und mich in das Schloss zu führen, dass wir seiner Grosmut zu danken hatten.
Ihnen, die die grosmütige Absicht ihres Sohns, in welcher er mein Vaterland beträt, wissen, die Absicht eine verunglückte Familie aufzusuchen, und ihr zu ihren verlornen Rechten zu helfen, ihnen brauche ich dieses nicht zu erklären. Mein geliebter Haller hatte, so bald mein Bruder seine Abkunft bewiesen hatte, unsere Sache mit Ernst vorgenommen, alle erforderliche Documente waren in seinen Händen; er verteidigte unsere Rechte, ohne Rücksicht auf seinen Vorteil. Die Unkosten, welche uns dieser Prozess machte, und die wir uns so ungeheuer vorgestellt hatten, waren gering, und wir sahen uns im Besitz eines artigen Gutes, ehe wir es versahen. Himmel, wie soll ich meine Empfindungen beschreiben, als ich diesen angenehmen Ort zuerst betrat! Der Gedanke, dass ich alles dieses dem grossmütigen Haller zu danken hatte, verschönerte es in meinen Augen, und die Dankbarkeit brachte meine Liebe auf den höchsten Gipfel.
Herr Haller liess es sich gefallen, eine Zeitlang bei uns in unserm neuen Eigentum zu verweilen; er ward nach und nach vertraulicher gegen uns, er entdeckte uns alle seine begebenheiten, und auch seine unglückliche Liebe zu Charlotten. Es ist billig, sagte mein Bruder, da sie um der unbekannten Familie von Vöhlen willen, eine Geliebte einbüssten, dass eben dieselbe sich bestrebt, ihnen ihren Verlust zu ersetzen. Kann Klarens Besitz sie über Charlotten trösten, so nehmen sie sie aus meiner Hand mit der Hälfte desjenigen an, was wir durch ihre Grossmut besitzen; hätte ich etwas kostbareres als diese Schwester, ich müsste es ihnen geben, aber sie ist alles, was mir das Glück übergelassen hat.
Ich war dabei, als mein Bruder Hallern diesen Antrag tat, ich glaubte in seinen auf mich gerichteten Augen Liebe zu lesen, und ich überliess meinem Bruder freudig meine Hand, um sie in die seinigen zu legen.
Haller schwieg lange; endlich rief er: Ja, ich nehme ihr unschätzbares Geschenk an; kann irgend ein weibliches geschöpf mich Charlotten vergessen lehren, so ist es die holde unschuldige Klare. Aber auch nur ihre Hand ist es, was ich besitzen will; Änteil an ihrem Vermögen zu haben; ist mir unmöglich, ist – ist mir ein Gedanke, dessen ganze Widrigkeit ich mir selbst nicht entwickeln kann. Klare ist noch jung, sie bleibt in ihrer Verwahrung, und ich verfolge meinen angefangenen Weg, der mich ja wohl endlich zu einem kleinen Glücke führen wird, das ich mit dieser unschuldigen Seele teilen kann.
Herr Haller war unbeweglich in seinem Eigensinn; mein Bruder musste nachgeben, und ich ward die Braut des Mannes, der mir ja wohl keinen grösseren Beweiss seiner Liebe geben konnte, als dass er meine Hand ohne alle Rücksicht auf seinen Vorteil annahm, sie allein für hinlängliche Belohnung desjenigen ansah, was er für uns getan hatte. O gewiss, gewiss, er liebte mich, und ich bestrebte mich, ihm seine Neigung mit vollem Herzen zu erwiedern.
Wie glücklich war ich zu dieser Zeit! wie glücklich im Besitz so eines Bräutigams, und so eines Bruders! O dass mir erst der eine, und bald darauf der andere so schnell musste entrissen werden, der eine auf den Wegen des Vergnügens und unschuldiger Neckerei, wie sie unter jungen Leuten gewöhnlich ist, und der andere auf eine noch rätselhaftere, mir noch unbegreifliche Art.
Mein Bruder hatte meinen Geliebten beredet, mich an einem Tage durch Verwechselung ihrer Kleider zu täuschen; beide wollten sich in der Abenddämmerung bei mir in einer Laube einfinden, wo ich mich gern aufzuhalten pflegte, und ein jeder sollte die angenommene Rolle des Bruders und des Bräutigams so natürlich als möglich spielen, damit sie sich dann über meine Bestürzung lustig machen, und mir den Wahn benehmen könnten, den ich einesmals äusserte, ich wollte meinen Haller unter tausenden kennen, ohne sein Gesicht zu sehen. Der ernstafte Samuel nannte dieses, wie er mir hernach sagte, unnütze zwecklose Tändelei, aber sein fröhlicherer Freund, schalt ihn einen Grillenfänger, und behauptete, dass kleine Possen von dieser Art, Leben und Freude in die Gesellschaft brächten, und dass er und seine nonnenhafte Klare Aufmunterung nötig hätten.
Die Mummerei ward künstlich genug angefangen; Haller und mein Bruder hatten wirklich einige Aehnlichkeit mit einander; die Dämmerung kam der Täuschung zu hülfe, und mein Bräutigam hatte lange bei mir in der Laube gesessen, und in der Gestalt meines Bruders tausend Dinge aus meinem mund von meiner Liebe zu ihm gehört, die meine Schüchternheit mir nicht verstattet haben würde vorzubringen, wenn ich ihn gekannt hätte.
Mein vermeinter Bruder sprach wenig, und sah immer ängstlich aus der Laube, als wenn er auf die Ankunft eines dritten wartete. Du siehst dich nach meinem Haller um? fragte ich. – Ach wenn er so gern in meiner Gesellschaft wär, wie ich in der seinigen