mit solchen abgeschmackten Namen zu ärgern, sondern mir es merken, dass sein künftiger Sohn oder Tochter, Albert oder Albertine heissen müsse. – Aber im Fall uns der Himmel Zwillinge bescherte, sagte ich, dürfte ich denn nicht? Hanna ist so ein schöner Name. – Wir stritten lange über diesen Punkt, bis endlich der Name Johanne mit vieler Mühe erlaubt ward, und sehet die Schickung des himmels, ich beschenkte meinen Mann mit einem Knaben und einem Mädchen, und die Namen Albert und Johanne stellten unsere Einigkeit völlig wieder her, welche durch das Versprechen, mich nie wieder in das Kapitel von den Namen zu mischen, bestättiget ward.
Ich habe es von klugen und erfahrnen Frauen gehört, dass kleine Verdrüsslichkeiten im Ehestande immer das Vorspiel von grösseren sind. Du Jukunde und deine Schwester Amalie waren schon auf der Welt, als euer Vater auf einmal so häufige Geschäfte bekam, dass wir ihn fast nie, als bei der Mittags- und Abendtafel sahen. Wir bewohnten damals fast beständig dieses Gartenhaus, und die Entfernung von der Stadt gab ihm also einige Entschuldigung; überdieses machten mir meine kleinen Kinder, und die Wartung des alten Herrn Haller, der nun sein Gesicht völlig verlohren hatte, so viel zu tun, dass ich manches übersahe, das mir sonst auffallend gewesen sein würde. Nicht so Madam Haller; sie liebte mich zu sehr, um ihrem Neffen die kleinste Nachlässigkeit gegen mich zu übersehen, und der Hang, alles auszuforschen, und streng zu beurteilen, den ich ihr schon bei ihrer ersten Unterhaltung mit mir abgemerkt hatte, verleitete sie auch hier zu manchem Schritte, den sie um meiner und ihrer Ruhe willen hätte unterlassen können. Sie war nur allzuschlau meines Mannes Gänge zu belauschen, und nur allzubereit, mir ihre Entdeckungen mitzuteilen.
Gütiger Himmel! ward ich durch diese Wissenschaft glücklicher? Hatte mir nicht alles, was sie mir so deutlich vor die Augen legte, längst wie ein dunkles verworrenes Traumbild vorgeschwebt? und gewann ich etwas dadurch, dass man meine Mutmassungen zur Wirklichkeit machte? – Madam Haller erinnerte mich an die Worte, die sie mich bei der Trauung hatte überhören heissen. Hannchen, Hannchen, sagte sie, jetzt beweise, dass du sein Herr seist, jetzt reisse ihn mit Gewalt aus den Schlingen der Buhlerinnen, die ihn verstricken, damit du nicht endlich seine und ihre Sklavinn werdest!
Ein Strom von Tränen war meine Antwort. Ich bat um Zeit zur überlegung, und beschwur sie in der Bestrafung oder Verhinderung der Vergehungen ihres Neffen nicht so zu verfahren, wie sie bei der Ausforschung derselben getan hatte, lieber alles mir zu überlassen, da sie mir einmal die herrschaft über meinen Mann zugedacht hatte. – Die herrschaft über ihn? Lieber Himmel, was für ein trauriges Wort, das mir nie in den Sinn gekommen sein würde, wenn ich es nicht in den Jahren unsers Ehestandes nur gar zu oft inne geworden wäre, dass er wirklich einer Art von Leitung bedurfte, die ich auch immer glücklich genug, obgleich so verstohlen als möglich gebraucht hatte. Er hat es sicher nie gemerkt, dass die Hindernisse, die sich seiner Verschwendung, seinen stolzen, oft unüberdachten Entwürfen, die ihn zu grund gerichtet haben würden, seinem Hang zu ausschweifenden Lustbarkeiten entgegen setzten, immer von mir herkamen, und es ist oft geschehen, dass er sich mühsam wegen solcher Dinge gegen mich entschuldigte, die ich selbst rückgängig gemacht hatte.
Erfahrungen wie diese liessen mich hoffen, dass es mir auch jetzt glücken würde, ihn unvermerkt aus gewissen Verbindungen zu reissen, die sein und mein Unglück machen mussten, aber was hatte ich damit gewonnen? konnte ich die in seinem Herzen erloschene Liebe von neuem anfachen? Musste der, der einmal sich verirrt hatte, nicht überall Gegenstände finden, die ihn zur Untreu verleiten konnten? Doch ich nahm mir vor, bloss für die Gegenwart zu sorgen, und die Zukunft dem Himmel zu überlassen; ich machte es wie der Arzt, der bei einer unheilbaren Krankheit nur auf gegenwärtige Linderung denkt, und den letzten tödtenden Ausbruch des Uebels so lang als möglich verhütet.
Achtes Kapitel
Die Frau Amtmannin schmiedet ein Testament
Der alte Herr Haller nahte sich seinem Ende. Ob er gleich, da er ein wenig zum Geiz geneigt war, die Verheiratung seines Neffen mit einem so armen Mädchen als ich, nicht eben gern gesehen, und nur aus Gehorsam gegen seine gebietende Frau eingewilligt hatte, so war mir es doch nachher gelungen, mich so ganz in seine Gewogenheit einzustehlen, dass ich jetzt seine liebste Gesellschafterinn, fast seine einige Wärterinn war, dass ihn jetzt, da seine Augen völlig dunkel geworden waren, schon der Ton meiner stimme erfreute, und meine Schritte, wenn er sie hörte, schon in der Ferne mit einem frohen Ausruf von ihm begrüsst wurden. Ob ich bei so bewandten Umständen einige Gewalt über ihn, und vielleicht einigen Einfluss in die Verfassung seines letzten Willens haben mochte, lässt sich erraten.
Der gute Greis starb, und meine aufrichtigsten Tränen folgten ihm. Wenn auch keine guten Eigenschaften von seiner Seite, wenn auch nicht seine Zuneigung gegen mich, mir Ehrfurcht, Liebe und Dank abgefordert, und meine Tränen erpresst hätten, so ist doch auch dieses schon kein Geringes, den Gegenstand seiner vieljährigen Pflege und Sorgfalt zu verlieren. Ach die verdrüssliche Lücke in unsern Geschäften! die schmerzhafte Leere! die tausend Besorgnisse, ob wir auch alles taten, was wir tun konnten, welche immer wiederkehren, so kräftig