er, wird ihm die Märtyrerkrone nicht entstehen, und im andern wird er ohne Zweifel so viel vor sich bringen, dass er uns noch einmal in die ehemaligen glänzenden Umstände versetzen kann.
Die Wendung, die dieses Gespräch nahm, war mir zu anstössig, als dass ich es nicht hätte abbrechen sollen. Ich schwieg und vermied in der Folge alle gelegenheit, von solchen Dingen zu sprechen. Nur einer Frage nach der Robignac konnte ich mich nicht entalten; die Antwort fiel sehr kurz und unvollständig aus; es schien, es kostete Herrn Haller einige Ueberwindung, zu gestehen, dass er sich auch in dieser person geirrt habe, dass er in derjenigen, die er mir in der Erziehung meiner Kinder vorzog, die Verführerinn derselben, dass er in ihr eine falsche Freundinn fand, die ihn bei dem ersten Anschein des widrigen Glücks verliess, und ihre Untergebenen dem Unglück preis gab.
Dreizehntes Kapitel.
Gute Nacht Hohenweiler
Dass Herrn Hallers Herz nicht gebessert, dass es bei weitem nicht einmal dasjenige mehr war, wie ich es in den ersten Jahren unserer Verbindung gekannt hatte, das war ausgemacht; indessen bildete ich mir doch ein, in seinem Aeusserlichen eine glückliche Aenderung zu finden. Gelegenheiten unangenehme Dinge aus seinem mund zu hören, gab es genug, aber es war mir doch möglich, ihnen auszuweichen. Gegen Julchen war er bei weitem kein zärtlicher Vater, und Ludwig bekam von ihm wenig freundliche Blicke, aber es gelang mir doch, wenn ich sie zu gewissen zeiten aus seinen Augen entfernte, öffentliche Ausbrüche eines unverschuldeten Zorns zu verhüten. Zudem dachte er an kein Spiel mehr, denn seine Verführer die Wiltecke hatten unsere Gegend verlassen, und was das allerbeste war, er nahm sich seines Amts mit einem Eifer und einer Genauigkeit an, wie man nur von einem mann erwarten kann, den das Unglück gewitziget hat, und welcher Verlangen trägt, vergangene Fehler vergessen zu machen. Dass er keinen Gehülfen in seinem amt mehr hatte, war ihm ebenfalls ein grosser Vorteil.
Ich fing nun an, mein Haupt wieder zu erheben, und ich denke noch daran, mit was für einem Triumph ich den ersten Sonntag nach Beilegung der unglücklichen Sache, mit Julchen zur Kirche ging. Schade war es, dass der Herr Pfarrer, ich weiss nicht ob von ohngefehr, über den Text predigte: Rahel weinte über ihre Kinder, und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen; und aus denselben, die Tränen unglücklicher Eltern über verwahrlosste Kinder vorstellte. – Was für eine Betrachtung für mich! meine triumphierende Miene sank zur tiefsten Wehmut herab, mein Julchen, auf die ich stolz war, erinnerte mich an ihre verlohrnen vier Schwestern, und ich war nicht im stand dem gaffenden Blicke der Pfarrerin so zu begegnen, wie ich mir vorgenommen hatte.
Ich war den ganzen Tag traurig, und wie ich schon mehr gemerkt habe, – ihr wisst, dass ich etwas auf Ahndungen halte – diese Traurigkeit bedeutete mir nichts Gutes. Noch an selbigem Abend bekam ich Briefe von Herrn Waltern, dass alle seine Bemühungen, Nachricht von Jucunden und Amalien zu erhalten, fruchtlos gewesen wären; auch von Peninnen hätte er nichts erfahren können, als dass sie in Wien noch in dem haus des Regierungsrats in grossem Ansehen lebte. – Was für eine zweideutige Rede! bei wem war sie in Ansehen? bei dem Herrn, oder bei der Frau? – Doch Peninna, ich traute auf deine Tugend! – Am rand von Walters Brief, stand noch dieses, er habe eben erfahren, dass Amalie Feldnern geheuratet hätte.
Die traurigen Posten des Sonntags, wurden am Montage mit noch schlimmern vermehrt. – Mein Mann ward vor seine Obern gefordert, und bedeutet, man habe einige Ursachen zu wünschen, dass er seine Amtsverwaltung niederlegen möchte; Ursachen, nach welchen ihm zu raten wär, nicht gar zu eifrig zu fragen. – Doch gedächte man nicht, ihn vom amt zu treiben, sondern man wollte ihm nur sagen, dass sein voriger Amtsverweser gesonnen sei, das Amt zu pachten, und dass seine Bedingungen vorteilhafter wären, als die seinigen; er möchte daher bei sich überlegen, ob er im stand wär, ihn zu überbieten.
Ganz trostlos kam mein Mann nach haus. Wir erwogen die Sache mit einander, und die Liebe zu Hohenweiler, machte, dass wir uns entschlossen, über Vermögen zu tun, um nur nicht von dem geliebten Orte getrennt zu werden.
Herr Haller trug seinen Entschluss vor, aber er war nicht hinlänglich, ihn bei seinem amt zu erhalten, denn leider fand sich noch ein Dritter, welcher sich erbot noch höhern Pacht zu zahlen, und also meinen Mann und seinen Nebenbuhler, den Amtsverweser, beide verdrängte.
Fast rasend sah ich meinen Mann nach diesem Vorgange in mein Zimmer treten; nur mit gebrochenen Worten konnte er mir sein Unglück entdecken, er schäumte vor Wut, und sank fast ohnmächtig auf einen Stuhl nieder. So tief ich auch diesen Streich des Schicksals fühlte, so kam mir doch meines Mannes Betragen bei demselben, übertrieben vor. Ich tröstete ihn so gut ich konnte, und fragte endlich nach dem Namen unsers Nachfolgers. Ach sagte er, wenn du diesen Namen, diesen abscheulichen Namen hören wirst, dann wirst du mir den Zustand, in dem du mich siehst, nicht mehr verdenken. Katarines, der Erbfeind deines Hauses, denn dir habe ich diesen Störer meines Glücks zu danken, Katarines ist es, der mich von