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ängstlicher Tag für mich. Gegen den Abend kamen die Herren zu Besichtigung der Kasse. Der Rechtsgelehrte verfügte sich zu ihnen, und zu Herrn Haller, er bat mich, als er von mir ging, alles zu hoffen, und zu bedenken, dass wenn ich keine Kosten sparte, alles gut gehen müsse. Dem ungeachtet ward die Sache diesen Tag noch nicht beendigt. Ein gutes Zeichen schien mir es indessen zu sein, dass einer von den Herren Deputirten zu mir kam, und sich sehr höflich von mir, in seinem und seiner gefährten Namen beurlaubte. Er sagte, man hätte unendliche Hochachtung für mich, selbst mein Mann sei gerührt. Die Sache sei auf gutem Wege; freilich ob man nach diesen Vorgängen Herrn Haller nicht lieber raten müsse, um mehrerer Sicherheit willen die Amtsverwaltung von Hohenweiler aufzugeben, das wär eine nachdenkliche Frage, indessen würden sie morgen mit dem frühesten wiederkommen, und alles ohne Rumor zu Ende bringen. – Der Mann hüllte diese Dinge in einen solchen Schwall von fremden unverständlichen Worten, dass ich nicht daraus hätte klug werden können, wenn mich der Rechtsgelehrte nicht belehrt hätte.

Es war Nacht, als ich' endlich mit Julchen allein war. Sie gab mir eine Arzenei ein, die mir mein Arzt verschrieben hatte, und setzte sich an mein Bette, weil sie, wie sie sagte, etwas wichtiges mit mir zu bereden hätte. Zum Andenken für ihre Enkel, setze ich die Worte des guten Kindes ohne Zusatz hier ein.

Liebe Mutter, sagte sie, sie dürfen nicht denken, dass ich allein müssig und sorglos bei meines Vaters Unglück bin. hören sie, was ich mir ausgesonnen habe. Ich kann die geschichte des Ritters von Hohenweiler, die sie mir und Hannchen einmal erzehlten, gar nicht vergessen. Mich dünkt, wir sind jetzt in dem nehmlichen Fall wie Frau Pertcha, als die Kaiserlichen das Schloss belagerten, und Franzen gefangen nahmen, und als Perchta ihrem Gemahl durch den unterirdischen gang davon half; nun gelang es ihr zwar nicht, aber mein Vater ist auch lange so böse nicht wie Ritter Franz, und Gott wird uns schon helfen.

Ich wollte Julchen unterbrechen, aber sie fiel mir um den Hals und bat mich, sie doch immer ausreden zu lassen, damit sie nicht irre in ihrer Rede würde, auf welche sie den ganzen Tag gesonnen habe, um sie recht ordentlich vorzubringen.

Ich weiss wohl was sie sagen wollten, liebe Mutter, fuhr sie fort, sie wollten mir einwenden, dass der gewölbte gang, der bis zu Sankt Peters Stelle führt, wahrscheinlich längst verfallen wär, aber nein nein, das weiss ich besser. Sie sind so gütig gewesen, und haben mir den Keller in meine Aufsicht gegeben, wenn ich nun so manchmal da unten war, und die geschichte vom Ritter Reutlingen fiel mir ein, so trieb mich die Neugier, alle Winkel durchzusuchen, ob ich nicht irgend etwas finden könnte, das eine Beziehung auf die alte geschichte hätte, und da fand ich eines Tages eine Tür, die in einen gewölbten gang führte, der so hoch wie eine Kirche war, und in einem so abgelegenen Winkel stack, dass sie gewiss nie etwas davon gesehen haben.

Mädchen, unterbrach ich sie, du hättest den Mut gehabt, in einem finstern Keller, allein herumzuirren, um neue Entdeckungen zu machen?

Ja, liebe Mutter, sagte sie, nun so zur Uebung. Sie beschämten mich einmal in Hannchens Gegenwart, und sprachen, ich hätte nicht so viel Mut des Nachts allein in den Garten zu gehen; von der Stunde fing ich an, mich zu bessern, und ich habe es nach und nach so weit gebracht, dass ich bei Tag und bei Nacht, mit Licht und im Finstern in den Keller gehen will, ohne den kleinsten Schauer zu fühlen. Ich bin eines Tages so weit in dem Gange gewandert, so weit, dass ich gewiss glaube, ich würde endlich den Ausgang bei der Säule gefunden haben, wenn mir nicht mein Licht ausgegangen wär, und ich also den Rückweg hätte suchen müssen. Im Finstern? wollte ich fragen, aber sie sprach von der Sache mit so viel Gleichgültigkeit, dass ich Bedenken trug, ihr durch Bezeugung einer Verwunderung merken zu lassen, dass sie etwas besonders getan habe.

Nun, sagte ich, mein Kind, das ist alles ganz gut, wiewohl unnützer Vorwitz allemal ein Fehler bleibt, aber ich sehe noch nicht, was du damit haben willst.

Wenn wir nun, fuhr sie fort, meinen Vater durch diesen gang heimlich davon führen könnten, so wär er ja auf einmal allem entgangen, was ihm diese bösen Leute vielleicht antun können!

Julchen, sprach ich, ich sehe, du meinst es herzlich gut, aber wir würden, wenn wir deinen Plan ausführten, deinen Vater nur noch unglücklicher machen. Ich will dir ein Exempel sagen, damit ich dir es beweisen kann. Du führtest vorhin an, dass ich dich zu meiner Kellnerinn gemacht habe; wenn ich nun einmal in meinen Keller käm, und ich fänd, dass hier Boutellien und hier ganze Fässer fehlten, ich kostete meinen Wein und er wär sauer und verdorben, und ich fänd an einigen Orten nichts als Unreinlichkeit und zerbrochene Scherben. Wo ist meine Kellermeisterinn Julchen? würde ich fragen. Und ich, sprach die Kleine würde sogleich da sein, und Rechenschaft geben, dass ich an allen diesen Dingen unschuldig wär, denn gewiss, liebe Mutter