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, und mich fürchterlich schüttelte; Du weisst, dass Jucunde und Amalie zum Teufel sind, und unterstehst dich, mich durch Nennung ihres Namens zu höhnen? – Ich wiederhohlte die Namen meiner Töchter, und sank fast ohne Besonnenheit auf einen Stuhl. – Ich erholte mich zu einer neuen Frage, die mir vermutlich auf eben so ungestüme Art beantwortet worden wär, aber ein Ungewitter, das sich von der andern Seite aufzog, vernichtete die Schläge des gegenwärtigen, und öfnete eine neue Scene des Schreckens.

Ohne Zweifel hatte man auf die Ankunft meines Mannes gelauert, um ihm sogleich den Arrest ankündigen zu lassen. Die Deputation, die ich schon einmal zu meinem grössten Entsetzen gesehen hatte, trat ein, meldete Herrn Haller, dass, nachdem man schon vor so und so langer Zeit genötigt gewesen wär, die Kasse zu versiegeln, so würde er sich gefallen lassen, dass man sich bis zur Besichtigung derselben auch seiner person versicherte. Er fluchte und forderte die ursache dieses Verfahrens zu wissen. Man gab ihm alle Aufklärung in der Sache, nannte seine Spielsucht, nebst noch einigen Umständen, die verschwiegen wurden, den vornehmsten Grund des Verdachts, und bat ihn sehr, sich nicht durch fernere Weigerung verdächtig zu machen.

Da mein Mann gegen die Macht der Herren die mit ihm sprachen ganz wehrlos war, und sich mit keinem Worte an ihnen vergehen durfte, so war es ja natürlich, dass er seinen Unwillen über mich, die eben so schwach und wehrlos gegen ihn war, ausschüttete. Falsches treuloses Weib! schrie er, und knirschte mit den Zähnen, dieses zu wissen, und mich nicht zu warnen! Fürchte meine Rache, wenn ich je wieder Freiheit erhalte dich zu züchtigen! – Madam Haller hat wie die vernünftige Frau eines sehr unvernünftigen Mannes gehandelt, antwortete einer von den Herren. Sie wurde gewarnt, und hätte sie die Warnung in den Wind geschlagen, so würde sie ohne allen Erfolg ihrer Bemühung, sich in eben solchen Verdacht gestürzt haben, als wie der, mit welchem wir reden, durch sein seltsames Betragen auf sich zieht. So, mein Herr Haller, sie wollten also gewarnt sein? wollten vielleicht fliehen? Haben sie denn etwas zu fürchten, wenn sie sich unschuldig wissen?

Mein Mann schwieg eine lange Weile, und fragte dann nach dem Amtsverweser. Ihm haben wir unsere besten und sichersten Nachrichten von ihnen zu danken, sagte der Sprecher, und er soll ihnen zu seiner Zeit schon entgegen gestellt werden.

Man bat mich hierauf mit vieler Höflichkeit, das Zimmer zu verlassen, und im haus hinzugehen, wo es mir beliebte, nur dasselbe auf keine Art zu verlassen. Mein Mann bekam einige Mann Wache, und die Herren empfahlen sich, mit der Nachricht, dass sie morgen gegen den Abend wiederkommen würden, um die Kasse zu untersuchen. Mir ward verboten, mit meinem mann zu sprechen, und ich lies mir dieses Verbot sehr wohl gefallen. Für ihn arbeiten war besser, als die längsten gespräche, die ohnedem für mich wohl nicht sehr tröstlich ausgefallen sein würden.

Ich setze mich hin, um so wie ich mit Waltern verabredet hatte, an ihn zu schreiben, und ihm die Ankunft meines Mannes zu berichten; er hatte mir versprochen in diesem Fall sogleich nebst einem geschickten Rechtsgelehrten zu erscheinen, um die Sache wo möglich ins Reine zu bringen. Meine Gelder von dem Lotterie gewinnst waren auch schon erhoben und in Herrn Walters Händen, so dass ich hoffen konnte, da alle Hülfsmittel bereit waren, Herrn Haller noch einmal zu retten. Was mich zu dieser Rettung bewog, war freilich nicht mehr so wie sonst, zärtliche Liebe; sein Betragen hatte dieselbe längst aus meiner Brust gescheucht: aber er war mein Mann, meine und meiner Kinder Ehre hieng von der Seinigen ab, und ich war noch immer nicht ganz ohne Hoffnung, er könne vielleicht gebessert werden.

Zehentes Kapitel

Ein wahrer Freund

Nachdem diese Geschäfte abgetan waren, nahm ich mir erst Musse, das ganz zu überdenken, was mich kurz vor der Ankunft der fürchterlichen Herren fast bis zur Ohnmacht erschütterte, und was mich jetzt, da ich mir es von neuem lebhaft vorstellte, fast in den nehmlichen Zustand stürzte.

Amalie und Jucunde waren nicht da, waren wie Herr Haller sich zierlich ausdrückte, zum Teufel; was konnte ich mir bei diesem Ausdrucke vorstellen, und wie sollte ich aus meinen fürchterlichen Zweifeln kommen? Mein Mann war ohne einen einigen Bedienten erschienen, von welchem ich im Notfall etwas hätte erfragen können; sein Gepäck, das so gering war, als man es kaum auf einer Lustreise braucht, zeigte, er müsse Berlin in grosser Eil verlassen haben; mit ihm selbst konnte, durfte undmochte ich auch nicht reden! – Himmel, was für ein Zustand, was für eine schreckliche Ungewissheit! was für eine fürchterliche Nacht, die nur von der bei Hannchens Sterbebette übertroffen wurde!

Julchen war in derselben mein einiger Trost, sie wachte und weinte mit mir, sie tröstete mich, und zeigte, ungeachtet ihrer Jugend, so viel Verstand in allen ihren Reden, dass ich wirklich glauben muss, Unglück mache vor den Jahren klug; das arme Mädchen, was hatte sie nicht binnen kurzer Zeit in meiner Gesellschaft gelitten, und wie gut hatte sie sich in den meisten Fällen bezeigt! zu ihrem Lobe sei dieses geschrieben, damit ihre Enkel es noch lesen, und sich ihrer freuen.

Herr Walter hatte die Ankunft meines Mannes eher erfahren, als